Franken-„Tatort“-Star Fabian Hinrichs

Realitätsnähe beim „Tatort“? - „Es wäre der zuschauerunfreundlichste Film aller Zeiten“

„Natürlich darf man die Figur nicht zukleistern mit irgendwelchen pathologischen Wesenszügen“, sagt Fabian Hinrichs (links, mit Dagmar Manzel), der im Franken-„Tatort“ als Hauptkommissar Felix Voss auftritt. „Es muss genügend Projektionsfläche für die Fantasie bleiben.“
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„Natürlich darf man die Figur nicht zukleistern mit irgendwelchen pathologischen Wesenszügen“, sagt Fabian Hinrichs (links, mit Dagmar Manzel), der im Franken-„Tatort“ als Hauptkommissar Felix Voss auftritt. „Es muss genügend Projektionsfläche für die Fantasie bleiben.“

Manchmal ist alles ganz einfach: „Ich mache den 'Tatort', weil ich ihn mag“, sagt Fabian Hinrichs, er es „Tatort“-Star und Polizistensohn eigentlich genau wissen sollte: Wie nah ist der „Tatort“ dran am wahren Polizei-Alltag?

Seit fünf Jahren spielt Fabian Hinrichs „Tatort“-Kommissar Felix Voss in Franken. „Die Nacht gehört dir“, der sechste Fall des Nürnberger Teams um Voss, wird am Sonntag, 1. März, 20.15 Uhr, im Ersten ausgestrahlt. Der Wahlberliner Hinrichs stammt aus Hamburg - und aus einer Polizistenfamilie, oder wie er es nennt: „Exekutivfamilie“. Im Interview mit der Agentur teleschau verriert der 46-Jährige nun, ob er den Background für seine Arbeit als TV-Kriminaler nutzen konnte und was Fernsehkrimis seiner Meinung nach wirklich mit der Realität zu tun haben.

„Bis auf zwei Erfinder, die die Ausnahme darstellten, war man bei uns entweder bei der Polizei oder beim Militär“, so Hinrichs. Der familiäre Hintergrund habe ihm als „Tatort“-Schauspieler aber nur insofern geholfen, „als dass ich keine Scheu vor dem Beruf des Polizisten hatte - im Milieu kannte ich mich einigermaßen aus“, bekannte Hinrichs, dessen Anspruch es natürlich nicht sei, als Schauspieler die reale Polizeiarbeit abzubilden. Es gehe vielmehr „darum, eine neue, filmische, ästhetische Realität zu schaffen. Wenn ich mich so verhalten würde, wie es echte Ermittler tun, würde ich als Kommissar 88 von 90 Minuten am Computer sitzen - es wäre der zuschauerunfreundlichste Film aller Zeiten, und mich würde man nach einer Episode entsorgen“, lacht Fabian Hinrichs und ergänzt, er müsse „nicht einen möglichst authentischen Polizisten verkörpern, sondern das einer Ermittlung innewohnende Wesen, den Kern des Polizistseins treffen“.

„Es muss genügend Projektionsfläche für die Fantasie bleiben“

Nach Hinrichs' Meinung gibt es „nicht den Polizisten und nicht den Polizeialltag - das ist immer individuell, es geht also immer um das Einzelne im Vielen“. Der Schauspieler: „Je mehr der Zuschauer über eine Figur weiß, desto intensiver wird er ihr folgen.“ Es bleibe aber ein Balanceakt, wie er betont: „Natürlich darf man die Figur nicht zukleistern mit irgendwelchen pathologischen Wesenszügen. Es muss genügend Projektionsfläche für die Fantasie bleiben.“

„Uns schlägt eine beinahe enthusiastische Atmosphäre entgegen“

Hinrichs geht im teleschau-Interview auch auf seine Beweggründe ein, die ihn dazu brachten, in Franken als Kommissar anzutreten: „Ich mache den 'Tatort', weil ich ihn mag. Und weil es eine Riesenherausforderung ist, angesichts der enormen Öffentlichkeit von jeweils acht, neun Millionen Zuschauern gute Filme zu realisieren.“ Und dann hat es auch mit seiner Kollegin zu tun, die in Franken die Kommissarin Paula Ringelhahn verkörpert: „Zuerst war da Dagmar Manzel“, verriert Hinrichs. „Zwischen uns hat es auf Anhieb klick gemacht, wir freuen uns jedes Mal aufeinander, wenn wir miteinander arbeiten dürfen. Und dann ist da natürlich diese Region“, schwärmt Hinrichs und zitiert Goethe: „Das ist nicht erdacht, das habe ich erwandert.“ .- In diesem „phänomenologischen Sinne“ wollte er „Franken unbedingt kennenlernen und erleben, und ich wurde nicht enttäuscht.“ Fabian Hinrichs: „Vorher kannte ich nur Nürnberg, nun weiß ich: Auch sonst gibt es in Franken viele Ecken zum Niederknien - zum Beispiel Bamberg. Dass ich mein Leben auf diese Weise bereichern darf, sehe ich als ein Privileg meines Berufs an.“

Leider, so Hinrichs, sei die Region lange TV-Diaspora gewesen - „wie das Sauerland oder beispielsweise einige norddeutsche Gegenden auch“. Nun erlebe man die Menschen vor Ort „entsprechend stolz und aufgeregt.“ „Uns schlägt überall eine beinahe enthusiastische Atmosphäre entgegen, was beim Drehen nicht schaden kann“, betont Hinrichs und ergänzt. „Es ist anders als in München oder Berlin, wo man einem Filmteam auch schon mal mit einem genervten Kopfschütteln begegnet, nur weil mal die Straße für drei Minuten blockiert ist.“

teleschau

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