„Ein Vulkan, der immer noch bebt“

Al Pacino feiert am 25. April seinen 80. Geburtstag

Auch ohne Sonnenbrille schön: Al Pacino bei den British Academy Film Awards 2020 vor der Royal Albert Hall.
+
Auch ohne Sonnenbrille schön: Al Pacino bei den British Academy Film Awards 2020 vor der Royal Albert Hall.

Mit der Rolle des Michael Corleone in Francis Ford Coppolas „Der Pate“ wurde der glutäugige Italo-Amerikaner aus der Bronx 1972 zum Weltstar. Am 25. April wird Al Pacino, der eigentlich Alfredo James Pacino hieß, 80 Jahre alt. 3sat ehrt den großen Schauspieler mit einer kleinen Reihe.

80 Jahre - und kein bisschen weise. Wenn man einen betagten Menschen als besonders jung geblieben charakterisieren will, wird der Slogan gern und oft zitiert. Aber im Fall des italostämmigen New Yorkers Al Pacino trifft er dann doch zu. Erst im vergangenen Jahr, 2019, hat er sich in „The Irishman“ im Kreise anderer Film-Paten wie Robert De Niro, Harvey Keitel und Joe Pesci zum Klassentreffen versammelt. Digitale Tricks halfen durch die Zeiten. Und um noch eins draufzusetzen, schien er in diesem Jahr auch gleich noch in der Amazon-Serie „Hunters“ als unerbittlicher US-Nazijäger aus den 70-ern auf. Ein Racheengel war er von jeher. Wut hält jung.

Sechsmal wurde der stets kompromisslose Charakterdarsteller für den Oscar nominiert, bevor er ihn 1993 für die Rolle des erblindeten Ex-Colonel Frank Slade in „Der Duft der Frauen“ endlich gewann. Danach war Pacino, als Sprössling italienischer Immigranten in ärmlichen Verhältnissen in der Bronx aufgewachsen, gefragter denn je. Für „Donnie Brasco“ stand er neben Demi Moore und Johnny Depp vor der Kamera, bei „Looking for Richard“ war er alles: Produzent, Darsteller, Autor und Regisseur.

Zwei Dinge hat man bei dem von Kindheit an leidenschaftlichen Theaterschauspieler („Richard III.“) niemals zu erwähnen vergessen: seine Herkunft aus dem Actor's Studio Lee Strasbergs und damit dem Method Acting - und seine Ähnlichkeit mit Robert De Niro, mit dem er gerne mal verwechselt wird. Er ist der gestenreich Outrierte, der andere, De Niro, eher nach innen gekehrt. Die bislang größte Anerkennung wurde Pacino 2007 in Los Angeles mit dem Life Achievement Award des American Film Institute zuteil. Bei der Gala ließ sich der großartige Robin Williams nicht die Bemerkung entgehen, wenn man Robert De Niro in einen Wäschetrockner stecke, komme hinterher Al Pacino heraus. Aus 1,77 würden somit 1,70 Meter.

„Manche Dinge sind mir zu schnell zugeflogen“

Als Sechsjähriger, so will es die Legende, brachte Al Pacino, der Sohn eines sizilianischen Einwanderers - der Vater hatte die Mutter verlassen, als er zwei Jahre alt war - Freunde und Familie dazu, sich über seine Parodien schlapp zu lachen. Dabei war er, wie er behauptete, „ein einsames Kind“. Mit zwölf standen die Freunde bereits um Autogramme an („Ich unterschrieb immer mit 'Scotty Scott'“). So gab es zu Hause auch kein böses Wort, als er mit 16 die Schule schmiss, um sich als Komiker in Cafés und Comedy Clubs durchzuschlagen.

Die Probleme kamen später. Der plötzliche Ruhm nach dem Mafia-Epos „Der Pate“ (1972), nach dem Polizeifilm „Serpico“ (1973) und nach „Hundstage“ (1975) aus der Zeit des New American Cinema war zu viel für die Psyche des Strasberg-Schülers: „Mitte der 70er-Jahre sind mir manche Dinge zu schnell zugeflogen“, so sagte er später. „Ich hatte einige Aussetzer, deshalb ging ich eine Zeit lang zu den Anonymen Alkoholikern, hörte dann mit dem Trinken und auch mit dem Rauchen auf. Heute stehe ich nur noch auf Eiscreme und Kekse.“

Aber auch die Schauspielerei ging der medienscheue Star langsamer an, der sich selbst gelegentlich als „Manisch-Depressiven mit Spaß am Spaß“ definierte. Nur eine Handvoll Filme drehte Pacino während des nächsten Jahrzehnts (unter anderem de Palmas gewaltgeschwängerten „Scarface“, 1983). Regisseure und Produzenten brachte er mit seiner Perfektionssucht zur Raserei - oder er stieg gleich aus bereits geplanten Projekten aus. Der Tiefpunkt kam mit „Revolution“, 1985. Erst der Thriller „Sea of Love“ (1989) brachte den beinahe in Vergessenheit geratenen Italo-Amerikaner zurück ins Rampenlicht. „Der Pate - Teil III“ mit dem berühmtesten stummen Schrei der Filmgeschichte, die Liebeskomödie „Frankie und Johnnie“ und die bis heute hoch gelobte Comic-Verfilmung „Dick Tracy“ festigten Anfang der 90-er dieses Comeback.

Die schwarzen Augen unter dem schwarz gefärbten Struwwelhaar blicken noch immer mit hypnotischer Kraft in die Welt. Privat ist der Frauenliebling, der nie verheiratet war und laut seiner langjährigen Lebensgefährtin Marthe Keller „immer nur Blumen schenkte“, mit sich im Reinen. Er hat drei Kinder (darunter Zwillinge). Die jetzt 30-jährige Tochter Julia nannte er mal „die wichtigste Frau in meinem Leben“. Ein Glück sei es für ihn, erst spät Vater geworden zu sein: „Meine Lebenserfahrung ist größer. Es ist toll, Vater, Schauspieler und Liebhaber sein zu können, und das 24 Stunden am Tag“, so behauptete er. Im 3sat-Porträt aber verrät Marthe Keller noch: „Er ist ruhiger geworden. Aber er ist einer, der sich immer noch reinsteigern kann. Er ist ein Vulkan, der immer noch bebt!“

Filme zum 80. von Al Pacino bei 3sat

„Kurzer Prozess - Righteous Kill“, Spielfilm USA 2008, 3sat, 24.04., 22.30 Uhr

„Ein Cop mit dunkler Vergangenheit“, Spielfilm USA 2010, 3sat, 24.04., 0.05 Uhr

„Sea of Love - Melodie des Todes“, Spielfilm USA 1989, 3sat, 25.04., 23.10 Uhr

„Al Pacino - Star wider Willen“, Dokumentation von Lukas Hoffmann, Erstausstrahlung, 3sat, 25. 04., 22.10 Uhr

teleschau

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare