Umstrittener Job

„Opfer von schlimmstem Hass“: Auch Mareile Höppner sagt Moderation des Semperopernballs ab

Mareile Höppner sollte Judith Rakers bei der Moderation des Semperopernballs ersetzen - und zog nun selbst zurück.
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Mareile Höppner sollte Judith Rakers bei der Moderation des Semperopernballs ersetzen - und zog nun selbst zurück.

Nachdem Judith Rakers nach einer umstrittenen Ehrung ihre Moderation des Semperopernballs kürzlich zurückgezogen hatte, sollte Mareile Höppner als Ersatz folgen. Doch nun sagte auch die „Brisant“-Moderatorin nach Hass-Attacken ab.

Die Entscheidung des Dresdner Opernballvereins, Ägyptens Präsident Abdel Fattah el-Sisi einen Orden zu verleihen, schlug hohe Wellen. So hoch, dass sich Judith Rakers (44) vergangene Woche dazu entschied, nicht mehr als Moderatorin des Semperopernballs zur Verfügung zu stehen. Ihre Kollegin Mareile Höppner sollte stattdessen am kommenden Freitag, 7. Februar, neben Roland Kaiser durch den traditionellen Ball führen. Doch die Hass-Tiraden im Netz führten dazu, dass auch die 42-jährige gebürtige Hamburgerin nun den Organisatoren eine Absage erteilte.

„Opfer und Zielscheibe“

Auf Instagram schrieb Höppner: „Ich wurde gebeten, den Semperopernball zu übernehmen. In einer sehr schwierigen Phase. (...) Ich hatte gehofft, nach all den Skandalen und der sehr berechtigten Kritik an der Auswahl eines Preisträgers, dass ich diesen Abend für ein neues Zeichen, für einen Abend im Sinne unserer guten demokratischen Werte, würde gestalten können.“

Doch stattdessen musste sie erfahren, wie heftig der Hass im Netz sein kann und wie oft Grenzen überschritten werden: „Ich bin nun Opfer und Zielscheibe von schlimmstem Hass und Anfeindungen geworden. Selbst vor meinem Kind wurde dabei nicht halt gemacht.“ Für Mareile Höppner gab es nur einen richtigen Schritt: Sie wird den Ball nicht moderieren und wünschte via Instagram ihrem Kollegen Roland Kaiser „viel Kraft für diesen Abend“. Zudem richtete sie deutliche Worte an die Veranstalter: „Von dem Verantwortlichen des Balls erwarte ich, dass er endlich wirklich neue Zeichen setzt.“

Entschuldigung des künstlerischen Leiters

Abdel Fattah el-Sisi bekam den Orden in der Kategorie Politik und Kultur verliehen. Er sei „Hoffnungsträger und Mutmacher eines ganzen Kontinents und ein herausragender Brückenbauer und Friedenstifter in der von schweren Krisen gekennzeichneten nordafrikanischen Region“, hieß es in der Begründung. Er sorge in Ägypten für Stabilität, den Aufbau der Gesellschaft, für Kultur und Bildung. Der frühere General und Armeechef hat 2013 gewaltsam durch einen Militärputsch Macht erlangt, wurde so zum Präsidenten des Landes und kämpft seither hart gegen Oppositionelle und Kritiker.

Der künstlerische Leiter des Ballvereins, Hans-Joachim Frey, entschuldigte sich bereits vergangenen Dienstag für die Verleihung und räumte Fehler ein. „Uns sind die entstandenen Irritationen bewusst und wir bedauern sie von Herzen“, teilte Frey mit und versicherte, dass die Verleihung „weder in Wort noch im Bild im Programm des Semperopernballs oder im Fernsehen stattfinden“ werde. Der Leiter hatte schon einmal mit einer umstrittenen Entscheidung für Furore gesorgt, als er 2009 Russlands Präsident Wladimir Putin zum Ballgast und Preisträger machte.

Wer und ob überhaupt jemand neben Roland Kaiser die diesjährige Veranstaltung moderieren wird, ist noch unklar.

teleschau

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