Tagesschau-Sprecherin

Nach umstrittener Ehrung: Judith Rakers sagt Moderation des Semperopernballs ab

Judith Rakers wird den diesjährigen Semperopernball nicht moderieren.
+
Judith Rakers wird den diesjährigen Semperopernball nicht moderieren.

Judith Rakers zeigt sich irritiert über die Entscheidung des Dresdner Opernballvereins, Ägyptens Präsident Abdel Fattah el-Sisi zu ehren - und sagt Moderation des Semperopernballs ab.

Die Entscheidung des Dresdner Opernballvereins, Ägyptens Präsident Abdel Fattah el-Sisi einen Orden zu verleihen, schlug hohe Wellen. So hoch, dass Judith Rakers (44) nicht mehr als Moderatorin zur Verfügung steht. Bereits vor zwei Tagen twitterte die Tagesschau-Sprecherin: „Aus dem kulturellen Ereignis Semperopernball ist durch die Verleihung des St.-Georg-Ordens an al-Sisi ein politisches geworden. Mich irritiert diese Verleihung sehr und ich bin seitdem in Gesprächen über die Konsequenzen, die ich als Moderatorin des Balls ziehen möchte.“

Nun fügte sie auf Twitter hinzu: „Viele von Euch fragen nach, wie ich mich entschieden habe in Sachen Semperopernball: Ich habe den Ballverein bereits am Montag um Auflösung des Moderations-Vertrages gebeten und warte noch immer auf Zustimmung.“

Roland Kaiser moderiert

Ihr Co-Moderator Roland Kaiser (67) zeigte sich bei Facebook ebenso verärgert über die Preisvergabe an el-Sisi: „Hätte ich vorab davon erfahren, hätte ich meine Teilnahme an der Veranstaltung nicht zugesagt.“ Letztendlich habe er sich aber dafür entschieden, den Semperopernball zu moderieren - „und zwar nicht trotz, sondern vielleicht gerade wegen dieses Vorfalls. Gemeinsam mit den Gästen auf der Bühne und im Publikum werde ich beweisen, dass das Herz des Semperopernballs für Pluralismus, Meinungs- und Pressefreiheit, Toleranz, Freiheit und Demokratie schlägt.“ Er möchte aber betonen, dass er diesen Weg für sich allein gewählt habe. „Ich respektiere ebenso die Entscheidung meiner lieben Kollegin Judith Rakers, auch wenn ich bedauere, nicht mit ihr gemeinsam auf der Bühne stehen zu können.“

Von Entscheidung distanziert

Abdel Fattah el-Sisi bekam den Orden in der Kategorie Politik und Kultur verliehen. Er sei „Hoffnungsträger und Mutmacher eines ganzen Kontinents und ein herausragender Brückenbauer und Friedenstifter in der von schweren Krisen gekennzeichneten nordafrikanischen Region“, hieß es in der Begründung. Er sorge in Ägypten für Stabilität, den Aufbau der Gesellschaft, für Kultur und Bildung. Der frühere General und Armeechef hat 2013 gewaltsam durch einen Militärputsch Macht erlangt, wurde so zum Präsidenten des Landes und kämpft seither hart gegen Oppositionelle und Kritiker.

Der künstlerische Leiter des Ballvereins, Hans-Joachim Frey, entschuldigte sich bereits am Dienstag für die Verleihung und räumte Fehler ein. „Uns sind die entstandenen Irritationen bewusst und wir bedauern sie von Herzen“, teilte Frey mit und versicherte, dass die Verleihung „weder in Wort noch im Bild im Programm des Semperopernballs oder im Fernsehen stattfinden“ werde. Der Leiter hatte schon einmal mit einer umstrittenen Entscheidung für Furore gesorgt, als er 2009 Russlands Präsident Wladimir Putin zum Ballgast und Preisträger machte.

Wer neben Roland Kaiser die diesjährige Veranstaltung moderieren wird, ist noch unklar. Der Opernball findet am 7. Februar statt.

teleschau

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare