Ein Herzensmensch und Pfundskerl

Joseph Hannesschläger ist tot

Der Münchner Schauspieler Joseph Hannesschläger ist tot. Er wurde 57 Jahre alt.
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Der Münchner Schauspieler Joseph Hannesschläger ist tot. Er wurde 57 Jahre alt.

„Rosenheim-Cop“ Joseph Hannesschläger ist tot. Der Schauspieler erlag seinem schweren Krebsleiden. Er wurde 57 Jahre alt.

Jeder kennt ihn, jeder mag ihn: Korbinian Hofer, der dienstälteste „Rosenheim-Cop“, ist ein sympathisches Urviech, wie man in Bayern sagt. Für Joseph Hannesschläger war der kernige Kommissar aus dem Chiemgau nichts weniger als die Rolle seines Lebens: Sie machte ihn zu einem der populärsten Stars im deutschen Fernsehen. Jetzt ist der Münchner Volksschauspieler seiner schweren Krebserkrankung erlegen. Hannesschläger verstarb am Montagmorgen im Hospiz im Beisein seiner Ehefrau Bettina (52). Er wurde 57 Jahre alt.

Seit fast zwei Jahrzehnten stand Joseph Hannesschläger, der im Juni 1962 in München geboren wurde, als „Korbi“ in Deutschlands beliebtester Wohlfühlkrimiserie (dienstags, 19.25 Uhr, ZDF; Wiederholungen: dienstags, 16.10 Uhr) vor der Kamera. Wenn man mit ihm über seine Arbeit sprach, betonte er zwar stets die professionelle Distanz zur Rolle und erinnerte an seine diversen anderen Engagements, doch man spürte schnell: Er war schon recht nah dran an dieser Kante von einem Fernsehkommissar und mit allem Recht stolz auf das Erreichte.

„Ich wurde als erster Schauspieler überhaupt für die Serie besetzt. Ich war der erste 'Rosenheim-Cop' - mehr Urgestein geht nicht“, kommentierte er seinen Status im Interview, in dem er sich lachend auch an seine allererste Szene in der Serie erinnerte. „Ich fuhr in meiner Rolle als Korbinian Hofer auf einem alten Traktor und telefonierte mit Frau Stockl, als kurz darauf von hinten niemand anderes als der neue, zugereiste Kommissar Satori wild hupend mit seinem Z3 angesaust kam und überholen wollte ...“ Was dann geschah, war vielsagend und wegweisend für die ganze Serie: „Dem hat der Korbinian natürlich eine Ansage gemacht: 'Der Japaner sagt: Hast du's eilig, gehe langsam. Hast du's sehr eilig, mache einen Umweg.' Als der Schnösel weitergefahren war, raunte ich ihm allerdings noch ein 'Zipfelklatscher, aufgebretzelter' hinterher. Das war mir, also dem Hofer, ein Bedürfnis, meine ich mich zu erinnern.“

Solche Anekdoten vom „Rosenheim-Cops“-Set konnte er lange zum Besten geben. Es war seine Serie. Und er kannte ihr Erfolgsgeheimnis: „Die Rosenheim-Cops', das ist ein bisschen wie Gottesdienst“, sagte Hannesschläger: „Das Programm ist wie ein Mantra, es lenkt ab und beruhigt, in einem gesunden Sinn, und es richtet sich an alle. Jeder ist eingeladen, jeder kann jederzeit einsteigen.“

Aber in gewisser Hinsicht war die Produktion auch Fluch und Segen zugleich für Joseph Hannesschläger. Auf die Frage, woran er denn merke, dass er das bekannteste Gesicht einer der erfolgreichsten deutschen Serienproduktionen ist, antwortete er in seiner typischen Art nach kurzem Überlegen: „Daran, dass ständig wildfremde Menschen ein Bier mit mir trinken wollen!“ Dabei trinke er eher selten ein Bier, so Hannesschläger, der solche Fragen tiefschürfend zu analysieren verstand. „Die Fans meinen ja eigentlich nicht mich, den Schauspieler, sondern den 'Rosenheim-Cop' Korbinian Hofer. Und damit glauben sie, dass ich auf einem Bauernhof lebe und viel Weißbier trinke. Wenn man doch mal beisammen sitzt, merkt man, wie irritiert die Leute sind, wenn ich die Bestellung aufgebe: Mineralwasser oder eine Apfelschorle. Und wenn Weißbier, dann nur alkoholfrei mit Zitronensaft und vielen Eiswürfeln. Du siehst förmlich, wie die Leute dann denken: 'Bäh, so a greisligs Zeug trinkt doch der Korbi net.“

Es spricht für diese wuchtige Rolle und die herausragende schauspielerische Leistung dahinter, dass die öffentliche Wahrnehmung kaum mehr trennte zwischen Cop und Star. Fürs Publikum war das eine gefühlte Einheit. Doch Joseph Hannesschläger wurde nicht müde zu betonen, dass es sich tatsächlich um zwei verschiedene Charaktere handelt: hier der Künstler, dort der Fernsehkriminaler. „Ich bin Schauspieler, kein Bauer und kein Kommissar. Vor meinem Engagement spielte ich alles Mögliche, viel am Theater, Shakespeare und andere Klassiker. Ich machte Musicals, Rockoper ... alles. Ich war in den früheren Rollen auch meistens der Bösewicht und selten der knuffige Kumpeltyp. Privat war ich allerdings schon immer eher der Hallodri.“

Ein Hallodri mit dem ausgeprägten Bedürfnis nach Harmonie, muss man sagen: Wer je mit Hannesschläger zu tun hatte, hat gespürt, wie wichtig ihm gegenseitiges Vertrauen war. Und dieses musste man sich bei ihm durchaus erst erarbeiten. Das Gekünstelte, das professionelle Joviale war nicht seine Art, auch nicht im Interview und wohl auch nicht bei der alltäglichen Arbeit. Doch wenn er sich einmal öffnete, dann konnte es plötzlich richtig tief gehen. Hannesschläger war kein Mann der Belanglosigkeiten, er gab sich entgegen dem eher groben Oberbayern-Klischee aus der Serie eher sensibel und nachdenklich.

Entsprechend gespalten war Hannesschlägers Verhältnis zum Leben in der Öffentlichkeit, welches, dessen war er sich sehr gewahr, der Preis für all den Erfolg war. „Es ist toll, wenn man mit seiner Arbeit den Leuten so viel Freude bereitet, dass sie überall auf einen zukommen und das mitteilen wollen“, erklärte Joseph Hanneschläger. Er sagte, er könne auch „gut damit leben, ein kleiner Plausch oder ein Handyfoto - immer gerne. Doch es gibt Orte und Situationen, in denen man gerne seine Ruhe hätte. Aber man soll in jeder Situation für den Fan zur Verfügung stehen, sonst heißt es schnell: 'Schau, da hockt der arrogante Schauspieler!' Und ich merke schon, dass bei mir ganz genau hingeschaut wird. Alles, was ich sage und tue, wird bewertet. Ich habe immer die volle Aufmerksamkeit, damit muss man umgehen lernen.“

„Meistens kommt nichts Besseres“

Dass er in all den Jahren dennoch nie an einen Ausstieg dachte, sagt einiges aus über das Schicksalhafte dieser besonderen Beziehung zwischen Schauspieler und Rolle. „Ich erlag nie der Verführung, die auf alle Serienstars wartet, wenn der Erfolg da ist: zu glauben, dass man sich dann in vermeintlich anspruchsvolleren Formaten beweisen muss. Eine Falle, in die ich manchen Kollegen habe laufen sehen. Meistens kommt nichts Besseres“, wusste Joseph Hannesschläger. Er liebte seinen Beruf und ganz besonders den Part bei den „Cops“, „weil er einfach Spaß macht - und das liegt am Team“, so der Schauspieler: „Alles ist sehr harmonisch und ungewöhnlich familiär, weil wir so viele Herzensmenschen dabei haben. Ich denke, etwas von dieser Atmosphäre kommt auch beim Zuschauer an - ein Geheimnis des Erfolgs, neben anderen.“ Also sagte er sich: „Einmal 'Rosenheim-Cop', immer 'Rosenheim-Cop', und fahre, denke ich, gut damit“, ließ sich Hannesschläger zitieren, der in den vergangenen beiden Jahren auch immer wieder unterstrich, dass er mit sich und seiner Lebensrolle im Reinen sei. Er fühle sich „angekommen“, und das wiederum, auch daraus machte er keinen Hehl, habe mit der Liebe zu seiner Frau zu tun.

Im Sommer 2018 heiratete Hannesschläger Bettina Geyer. „Es fühlt sich gut an, wenn man sagen kann: 'Meine Frau.' Es bedeutet wirklich etwas. Weil es passt“, schwärmte der Schauspieler vor einem Jahr. Sie war in den vergangenen Monaten immer an seiner Seite, begleitete ihn auch beim Schritt, seine Erkrankung publik zu machen. Joseph Hannesschläger litt an einem neuroendokrinen Tumor im Magen-Darm-Bereich, der bereits die Leber befallen hatte. Er könne nur noch palliativ behandelt werden, erklärte er im Oktober 2019, als er seinen Kampf gegen das Leiden öffentlich gemacht hatte.

In den Medien, vor allem aber von den vielen treuen Fans seiner Serie, erhielt er von diesem Moment an bis zuletzt enormen Zuspruch. Man kann sich gut vorstellen, wie er all die Berichte, die aufmunternden Kommentare und Posts las und in sich aufnahm, wie ihm die vielen tausend guten Wünsche zuletzt sicherlich auch immer wieder Kraft gegeben haben dürften. Doch gegen diese Krankheit hatte er am Ende keine Chance.

ZDF: „Trauern um einen großen Volksschauspieler“

Nach über 400 Folgen „Rosenheim-Cops“ hat der Schauspieler nachhaltig Spuren hinterlassen - in Erinnerung bleibt vor allem ein Kommissar, der prototypisch war für Oberbayern: „Der Hofer“, sagte Hannesschläger selbst, „liebt das Land, ist heimatverbunden, traditionsbewusst, aber hinterfragt auch, welche Traditionen noch Sinn machen. Er ist Neuem gegenüber durchaus aufgeschlossen und kreativ, prüft aber auch hier, ob das Neue nicht nur eine kurzfristige Mode ist. Er hat ein gutes Gespür für die Menschen und eine gesunde Portion trockenen Humors. In den ersten Büchern war er mir etwas zu hinterwäldlerisch geschrieben. Ich habe versucht, ihn als modernen Menschen vom Land darzustellen.“ Joseph Hanneschläger ist das und noch viel mehr gelungen. Er wird als „Herzensmensch“ für immer im kollektiven Gedächtnis bleiben.

„In seiner charismatischen Rolle als Korbinian Hofer wurde Joseph Hannesschläger vom Publikum geliebt. Unzählige Fans wie auch alle Kolleginnen und Kollegen, die mit ihm arbeiten durften, trauern um einen großen Volksschauspieler, den auch wir sehr vermissen werden“, erklärte ZDF-Programmdirektor Dr. Norbert Himmler am Montag. Mit seiner unvergleichlichen Mischung aus bayerischem Charme und hintergründiger Schlitzohrigkeit habe Joseph Hannesschläger „der Figur des Korbinian Hofer einen einzigartigen und unverwechselbaren Charakter verliehen“.

teleschau

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