„Rechts. Deutsch. Radikal.“

Investigativ-Reporter Thilo Mischke nach seiner Doku: „Ich bin wirklich fertig“

"Das macht müde": ProSieben-Reporter Thilo Mischke war für eine aufsehenerregende Doku in der rechten Szene unterwegs.
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„Das macht müde“: ProSieben-Reporter Thilo Mischke war für eine aufsehenerregende Doku in der rechten Szene unterwegs.

Er war unter den neuen Rechten: Unmittelbar nach Ausstrahlung seiner schlagzeilenträchtigen TV-Doku sprach ProSieben-Investigativ-Reporter in „Late Night Berlin“ über die härteste Recherche seines Lebens.

Er fühle sich „unfassbar erschöpft“, gestand ProSieben-Reporter Thilo Mischke, als er am späten Montagabend von Klaas Heufer-Umlauf in dessen Sendung „Late Night Berlin“ nach seinem Befinden gefragt wurde. Hintergrund der freundlichen Erkundigung waren zwei aufregende, schlagzeilenträchtige Fernsehstunden, die unmittelbar vorher auf ProSieben im Programm waren: Mischkes Investigativ-Doku „Rechts. Deutsch. Radikal.“ lotete die „neue Rechte“ in Deutschland in ihrer ganzen erschreckenden Breite und Diversität aus. Ein Film voller intensiver Momente und krasser Aussagen, und doch, so Mischke, sehe man „natürlich nur die Essenz aus den 200 Stunden Material, zehn Terrabyte, die wir produziert haben“.

„Ich bin wirklich fertig nach 18 Monaten Recherche und unzähligen rechten Demonstrationen, auf die man gegangen ist“, sagte Mischke im Gespräch mit Heufer-Umlauf. „Man konnte in der Doku ja auch sehen, welchen Leuten ich gesprochen habe“, so der Reporter. Er verwies auf „stundenlange Gespräche“ mit Rechten, die dabei „ja auch zu Menschen“ würden. „Das macht müde“, bekannte der Reporter, der seine Gedanken und Erfahrungen zu dem Thema nach eigenem Bekunden bis zur Ausstrahlung mit kaum jemanden teilen konnte.

Thilo Mischke hat schon diverse belastende Situationen als Reporter erlebt, unter anderem berichtete er für ProSieben über die Drogenmafia Mexikos oder aus dem Kriegsgebiet in Syrien. Dennoch war dies seine bislang intensivste und längste Recherche - und seine härteste Erfahrung. Nach einem Dreh aus einem Kriegsgebiet, so erklärte es Mischke in „Late Night Berlin“, „kommst du nach Hause und kannst erst mal aufatmen. In diesem Fall ist es anders: Da ist die Welt, über die ich berichtet habe, einfach unser aller Alltag. Das ist ein bisschen härter.“

„Es hat sich alles nach rechts verschoben“

Im ausführlichen Gespräch mit Klaas Heufer-Umlauf ging der Investigativ-Reporter auf viele einzelne Momente seines Films ein, stellte persönliche Bezüge her, gab Einschätzungen zur allgemeinen Lage ab und sprach über einige auch für ihn erschreckende Begegnungen und Erkenntnisse. Auf die Frage des Gastgebers, was heute anders sei als vor zehn Jahren, antwortete er: „Es hat sich alles nach rechts verschoben. Es ist lauter geworden. Und die AfD hat ordentlich dafür gesorgt, dass Dinge gesagt werden können, die vorher nicht gesagt werden durften.“ Der moralische Kompass habe sich verschoben - eine allseitige Wahrnehmung, die durch das Internet natürlich verstärkt werde. Mischke: „Ich glaube, dass wir es jetzt plötzlich sehen, jagt uns einen Schreck ein.“

Mischkes Sendung über die „neue Rechte“ in Deutschland macht reichlich Furore. Die AfD-Bundestagsfraktion sah sich am Montag genötigt, einem ehemals hochrangigen Funktionär im Zusammenhang mit Mischkes Film zu kündigen. Und die Mediengruppe RTL gab via Twitter eine „Einschaltempfehlung“ zum Programm des Erzrivalen - wann hat es so etwas schon mal gegeben?!

teleschau

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