„Glück bedeutet bestimmt nicht, viel Geld zu haben“

Interview mit Claudia Kohde-Kilsch

"Ich würde lügen, wenn ich sage: Ich bin nicht nervös": Claudia Kohde-Kilsch ist nach eigenen Angaben "wirklich mega gespannt, wie ich in bestimmten Situationen reagiere, auf welche unterschiedlichen Charaktere ich im 'Promi Big Brother'-Haus treffen werde".
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„Ich würde lügen, wenn ich sage: Ich bin nicht nervös“: Claudia Kohde-Kilsch ist nach eigenen Angaben „wirklich mega gespannt, wie ich in bestimmten Situationen reagiere, auf welche unterschiedlichen Charaktere ich im 'Promi Big Brother'-Haus treffen werde“.

„Promi Big Brother' ist für mich wie ein Abenteuerurlaub“, beteuert Ex-Tennisstar Claudia Kohde-Kilsch (56) im Interview. Na, dann auf einen schöne Zeit. Ab Freitag, 7. August, 20.15 Uhr, ist auf SAT.1 zu sehen, wie sie sich auf dem ungewohnten Terrain schlägt.

Sie gehörte zu den besten Tennisspielerinnen der Welt, stand auf Platz vier der Weltrangliste, siegte in Wimbledon im Doppel, holte 1988 mit Steffi Graf bei den Olympischen Spielen in Seoul Bronze. Im Interview verrät die Saarbrückerin Claudia Kohde-Kilsch (56), warum Sie bei „Promi Big Brother“ einzieht (SAT.1, ab Freitag, 7. August, 20.15 Uhr), spricht über verschwundene Millionen-Gagen und das schöne Gefühl, ihr persönliches Glück gefunden zu haben.

nordbuzz: Ihren Namen verbindet man nicht unbedingt mit leichten Unterhaltungsshows. Was hat Sie gereizt, bei „Promi Big Brother“ mitzumachen?

Claudia Kohde-Kilsch (lacht): Zum Glück nicht, sonst wäre es ja auch keine Überraschung. Ich habe schon viele TV-Sendungen mitgemacht, aber dies ist für mich etwas völlig Neues. Ich würde lügen, wenn ich sage: Ich bin nicht nervös. Ich bin wirklich mega gespannt, wie ich in bestimmten Situationen reagiere, auf welche unterschiedlichen Charaktere ich im „Promi Big Brother“-Haus treffen werde.

nordbuzz: Wie schätzen Sie sich denn ein?

Kohde-Kilsch: Ich bin sehr offen und ein Teamplayer. Für Intrigen bin ich nicht zu haben. Es ist schon eine Herausforderung, wenn jemand rumblökt oder andere mobbt - wie reagiere ich da? Ich kenne mich ja ganz gut, aber ich bin gespannt, ob so eine Show auch ganz neue Seiten an mir herauskitzelt. Ich bin positiv aufgeregt und habe mir gesagt: Es wird für mich ein Abenteuerurlaub! Das Geld nimmt man natürlich auch gern mit, das ist eine schöne Beigabe, das geht ja allen so. In erster Linie aber bin ich neugierig - auf mich und auf die anderen Bewohner. Ich freue mich darauf, sonst hätte ich auch nicht zugesagt.

nordbuzz: Wie hat denn Ihr 20-jähriger Sohn reagiert, als Sie ihm sagten: Mama geht jetzt mal auf Abenteuerurlaub zu „Promi Big Brother“?

Kohde-Kilsch: Der hat total cool reagiert und hat mir nur eins mit auf den Weg gegeben: „Mama, alles in Ordnung, aber lauf bitte nicht nackt durchs Bild.“ Mir war wichtig, dass mein Umfeld hinter mir steht und nicht sagt: Um Gottes willen, wie kannst Du nur? Mein Lebenspartner Sven findet es okay, und selbst meine fast 80-Jährige Mutter ist begeistert. Aber klar, 24 Stunden am Tag laufen die Kameras, das ist schon eine sehr spezielle Situation.

nordbuzz: Wie lange brauchen Sie morgens im Bad?

Kohde-Kilsch: Das geht bei mir ziemlich schnell, ich muss mich nicht ständig aufbrezeln. 15 Minuten reichen mir eigentlich. Das ist ja auch das Gute an uns Sportlern, dass man uns eher natürlich kennt.

nordbuzz: Sie wurden bereits als 15-Jährige Tennisprofi. Haben Sie manchmal das Gefühl, bei all dem harten Training, den Reisen und den vielen Spielen Ihre Jugend verpasst zu haben?

Kohde-Kilsch: Rückblickend kann ich voller Überzeugung sagen: Ich habe meine Jugend nicht verpasst, und ich habe mich auch durch das Training nicht eingeschränkt gefühlt. Ich habe wirklich nichts vermisst!

nordbuzz: Während Sie genau durchgetaktete Trainingspläne erfüllen mussten, gingen Gleichaltrige fröhlich feiern ...

Kohde-Kilsch: Das hat mich wirklich nie gestört. Ich war sowieso nicht der Typ für Discos. Ich würde das auch im Nachhinein immer wieder so machen. Ich habe durch den Sport viele wichtige Werte kennengelernt, die mich weitergebracht haben. Disziplin, Teamgeist, Ehrgeiz, Durchhaltevermögen, nach Niederlagen wieder aufstehen, den Glauben an sich selbst nicht verlieren. Das war eine gute Schule, davon habe ich im späteren Leben profitiert.

nordbuzz: 2011 mussten Sie Regel-Insolvenz anmelden. Als Weltranglisten-Spielerin haben Sie Millionen verdient, wo war all das Geld geblieben?

Kohde-Kilsch: Das Verfahren wurde bereits nach acht Monaten glücklicherweise wieder aufgehoben. Ich bin da unverschuldet reingeraten und das war für mich eine ganz bittere Erfahrung. Ich musste nach meinem Karriereende feststellen, dass mein 2004 verstorbener Stiefvater, der auch mein Manager war, von den Millionen fast nichts übriggelassen hatte. Ich bin mit 15 Jahren Tennisprofi Profi geworden, und er hat sich von Anfang an um meine Finanzen gekümmert.

nordbuzz: Und Sie waren nie misstrauisch?

Kohde-Kilsch: Nein. Er war Anwalt, er war in dem aufregenden Tenniszirkus immer an meiner Seite, und ich habe ihm vertraut - er war schließlich mein Vater. Wenn ich ihm nicht vertrauen kann, wem denn sonst? Ich habe das alles erst sehr viel später bemerkt. Es ist mir jedoch wichtig zu sagen: Wir hatten 20 Jahre lang auf der Tennis-Tour tolle Zeiten. Leider gab es kein Happy End, aber ohne meinen Vater - und auch meine Mutter - wäre ich im Tennis nie das geworden, was ich geworden bin!

nordbuzz: Im Jahr 2000 kam es zum Prozess ...

Kohde-Kilsch: Den ich am Ende in allen Instanzen gewonnen habe, ich war ja im Recht. Was er mit dem Geld gemacht hat, ließ sich im Einzelnen nicht mehr nachverfolgen.

„Ich habe viel Kraft gelassen, aber sie auch wiedergefunden“

nordbuzz: Erst der Prozess gegen den eigenen Vater, dann die Insolvenz - wie geht man mit solchen Niederschlägen um?

Kohde-Kilsch: Ich habe damals einige Häme erfahren müssen, aber mir haben auch sehr viele Menschen den Rücken gestärkt, das hat mir Auftrieb gegeben. Ich glaube, dass ich anderen Betroffenen auch Mut machen konnte, weil ich gezeigt habe: Es gibt Wege, da wieder rauszukommen und sich nicht von der Brücke zu stürzen. Man kann schnell dazu tendieren, sich in solchen Situationen minderwertig zu fühlen und in Depressionen zu fallen.

nordbuzz: Was hat Ihnen Mut und Kraft gegeben?

Kohde-Kilsch: Letztlich haben mir meine Erfahrungen als Sportlerin geholfen: aufstehen, kämpfen, an sich selbst glauben und nach vorn blicken. Das Leben geht immer weiter, und bin ich zum Glück seit vielen Jahren wieder schuldenfrei. Mein Sohn Fynn war damals noch sehr klein, er hat mir auch viel Energie gegeben. Letztlich musste ich ja für ihn da sein. Ich habe viel Kraft gelassen, aber sie auch wiedergefunden und bin gestärkt aus der Krise hervorgegangen.

telschau: Wie haben diese Erfahrungen Sie verändert?

Kohde-Kilsch: Ich bin ernsthafter und nachdenklicher geworden, und ich habe viele Dinge viel mehr geschätzt sowie neu bewertet. Zum Beispiel die Frage: Was ist Glück?

nordbuzz: Wie lautet Ihre Antwort?

Kohde-Kilsch: Glück bedeutet bestimmt nicht, viel Geld zu haben. Glück, das sind viele andere Dinge. Zum Beispiel Menschen, auf die ich mich verlassen kann. Meine Familie, meine Mutter, meine Schwester, mein Sohn, mein Lebenspartner Sven, unser Hund Filou. Eine tolle Familie zu haben, Gesundheit, privat und beruflich zufrieden zu sein, das ist Glück.

„Habe den Traum, mal einen Fallschirmsprung zu machen“

nordbuzz: Beruflich leiden Sie nicht an Langeweile. Sie arbeiten als Bundestrainerin für den Deutschen Tennisbund sowie den Deutschen Behindertensportverband, waren fünf Jahre Pressesprecherin der Fraktion Die Linke im saarländischen Landtag und wechselten 2019 zur SPD, für die Sie im Saarbrücker Stadtrat sitzen. Wie sind Sie zur Politik gekommen?

Kohde-Kilsch: Ich war mein Leben lang immer schon sehr sozial engagiert. Ich bekam die Möglichkeit, mich einzubringen. Ich wollte nicht immer nur diejenige sein, die rummeckert, sondern auch etwas bewegen. Außerdem war ich neugierig und wollte wissen, was in der Politik hinter den Kulissen so abgeht.

nordbuzz: Wenn Sie nach vorn schauen, welche Ziele und Träume haben Sie? Vielleicht nach „Promi Big Brother“ eine Hochzeit mit Sven, mit dem sie seit neun Jahren zusammen sind?

Kohde-Kilsch: Wir waren beide schon verheiratet, eine Trauung würde jetzt keine Veränderung bringen. Wir sind total glücklich, wie es jetzt ist. Wenn sich die ganze Corona-Situation beruhigt hat, würde mich eine Kreuzfahrt reizen, die habe ich noch nie gemacht. Und ich habe den Traum, mal einen Fallschirmsprung zu machen. Aber bisher fehlte mir dafür der Mut. Ich würde mir wünschen, ich würde mich trauen (lacht).

nordbuzz: Haben Sie so etwas wie ein Lebensmotto?

Kohde-Kilsch: Eins? Da fällt mir spontan einiges ein. Zum Beispiel: „Wenn es hart auf hart kommt, machen die Harten weiter.“ Oder: „Wer hinfällt, muss auch wieder aufstehen.“ Und, ganz wichtig: „'Wenn man glücklich bleiben will, muss man auch mal gegen den Strom schwimmen und seine Segel immer wieder neu setzen.“

teleschau

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