Kabarettistin Sarah Bosetti:

„Ich bin nicht wirklich gemeint“: Kabarettistin Sarah Bosetti über Hasskommentare

Meinungsstark und pointiert beschreibt Sarah Bosetti in den Sozialen Medien, im TV, aber auch in ihrem Podcast die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse. So wird sie zur Zielscheibe von Hasskommentaren - die die Satirikerin wiederum für sich zu nutzen weiß.
+
Meinungsstark und pointiert beschreibt Sarah Bosetti in den Sozialen Medien, im TV, aber auch in ihrem Podcast die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse. So wird sie zur Zielscheibe von Hasskommentaren - die die Satirikerin wiederum für sich zu nutzen weiß.

Kabarattistin Sarah Bosetti avancierte in den letzten Jahren zu einer Senkrechtstarterin - auch im TV ist sie immer öfter zu sehen. Unter anderem ist sie dafür bekannt Hasskommentare in Liebeslyrik zu verwandeln. Wieso sie so cool auf die Anfeindungen reagiert, verriet sie nun in einem Interview.

„Frau Bosetti, ich hoffe, dass Sie bald mal ein Axtmörder besucht.“ - Mit teils offenem Hass und Anfeindungen weit unter der Gürtellinie sieht sich Kabarettistin und Senkrechtstarterin Sarah Bosetti beinahe täglich in den Sozialen Medien konfrontiert. Sicherlich nicht der schönste Teil ihrer Arbeit als Satirikerin, Autorin und Bühnenkünstlerin. Absurderweise helfen diese hasserfüllten Kommentatoren, die sich unter den geschliffenen, bitterbösen und meist hochpolitischen YouTube-Videos, Facebook- oder Instagram-Posts der Wahlberlinerin tummeln, ihr allerdings bei der Stoffsammlung für den kommenden Output auf ihren Social-Media-Kanälen. Denn die Spezialität der 36-Jährigen ist es, diese Hasskommentare in Liebeslyrik zu verwandeln. Wie Sie es dennoch schafft, diese - oft frauenfeindlichen - Anfeindungen nicht an sich heranzulassen, verriet sie nun im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau.

„Ich bin nicht wirklich gemeint“, so Sarah Bosetti, die sich als Privatperson überhaupt nicht als Adressatin dieser Angriffe versteht. „Ich bekomme solche Kommentare ja nicht von Menschen, die mir nahestehen, sondern von Leuten, die mich unmöglich wirklich hassen können, weil sie mich gar nicht persönlich kennen“, beschreibt die Satirikerin nüchtern ihre Sicht auf die emotionalen Reaktionen.

„Sie hassen also nicht mich, sondern alle, die nicht ihrer Meinung sind“, befindet Sarah Bosetti, die durch ihre scharfzüngigen Pointen immer wieder zur Zielscheibe von Hasskommentaren wird. Unter dem Strich scheint es sie jedoch kalt zu lassen, wenn größtenteils anonyme Internet-Nutzer ihr allerhand Abscheulichkeiten wünschen: „Das trifft mich nicht“, fasst sie gegenüber der teleschau zusammen.

Mitleid für die Verfasser

Stattdessen bringt die Mutter einer Tochter eher Mitleid für Personen auf, die in diversen Kommentarspalten ihren Hass in die Tastatur hämmern. „Es stimmt mich ein wenig traurig, dass es Menschen gibt, denen es emotional so schlecht geht, dass sie solche Kommentare schreiben“, sagte sie im teleschau-Interview. Therapierbar seien die Verfasser durch ihre Arbeit allerdings kaum, glaubt sie: „Ich bezweifle, dass ich durch meine Antworten auf Hasskommentare ein Umdenken bei den Verfasserinnen und Verfassern bewirken kann.“

Aber das ist auch nicht die vordergründige Absicht. „Das Ganze hat in erster Linie ein anderes Ziel: Dadurch, dass ich die Hasskommentare in lustige Liebeslyrik verwandele, habe ich zusammen mit dem Publikum Spaß damit - was wohl das Gegenteil dessen ist, was die Kommentare bezwecken sollten.“ Auf diese Weise werde deren Intention ad absurdum geführt. „Das nimmt ihnen ihre Macht“, so Bosetti.

Egal, ob in Ihrer eigenen Rubrik in der NDR-Satire-Show „extra 3“, auf der Bühne oder in einem neuen Buch- die gebürtige Aachenerin verdient unter anderem mit ihren Hatern ihren Lebensunterhalt. Aber liest sie sich wirklich immer all den Dreck durch, der über ihr ausgekübelt wird? „Ich schaffe es nicht immer. Aber ich lese ziemlich viele Kommentare.“ Der überwiegende Teil ist schließlich sehr wohlwollend und bald kann man bestimmt auch wieder vor Live-Publikum, ganz ohne Hasstiraden, auftreten: „Ich mag die Menschen ja gar nicht immer, aber jetzt fehlen sie mir doch. Wer hätte das gedacht?“

teleschau

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare