„Hubert ohne Staller“-Star Katharina Müller-Elmau: „Ich bin ziemlich angefressen“

„Hubert ohne Staller“-Star Katharina Müller-Elmau im Interview

"Hubert ohne Staller' ist ein Antidepressivum erster Güte": Schauspielerin Katharina Müller-Elmau kennt das Erfolgsgeheimnis ihrer Vorabendserie.
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„Hubert ohne Staller' ist ein Antidepressivum erster Güte“: Schauspielerin Katharina Müller-Elmau kennt das Erfolgsgeheimnis ihrer Vorabendserie.

Hallo, Frau Kaiser: Die Rolle als Polizei-Chefin Sabine Kaiser im Chaos-Revier von „Hubert ohne Staller“ ist ein gefundenes Fressen für Schauspielerin Katharina Müller-Elmau. Im Interview herrscht dennoch nicht nur eitel Sonnenschein. „Wir sind die Bauernopfer“, zieht sie mit Blick auf die Situation ihres Berufsstands vom Leder.

Wäre Sabine Kaiser keine Serienfigur, sondern ein real existierender Mensch, sie wäre gewiss längst in der Geschlossenen gelandet. Den Job als Revierleiterin auf der chaotischsten Polizeidienststelle der Welt würde vermutlich niemand länger als einen Tag ohne nachhaltigen Schaden überstehen... Die Schauspielerin Katharina Müller-Elmau war vor etwas mehr als einem Jahr unerschrocken genug, das komödiantische Potenzial in dieser Rolle zu erkennen und sich diesem Wahnsinn von einem Comedy-Plot zu stellen. Bei „Hubert ohne Staller“ (neue Folgen ab Mittwoch, 9. Dezember, 18.50, im Ersten) trat sie nach dem Ausstieg von Serienurgestein Helmfried von Lüttichau kein leichtes Erbe an, doch, siehe da, aller Skepsis zum Trotz, lief die umgebaute Serie, die zuvor so viele Jahre unter dem Titel „Hubert und Staller“ Furore gemacht hatte, von Anfang an grandios. Im Interview spricht die 55-Jährige über eine der famosesten Polizistinnen-Rollen im deutschen Fernsehen und lässt tief in das Innenleben eines Berufsstands blicken, der es gerade besonders schwer hat.

nordbuzz: Frau Müller-Elmau, wenn Sie sich für einen entscheiden müssten, welchen Typ Mann würden Sie wählen: Hubert, Girwidz oder Riedl?

Katharina Müller-Elmau: (lacht sehr lange) Im Ernst jetzt? Es gibt keine weitere Alternativen?

nordbuzz: Also gut, holen wir Yazid noch mit in die Auswahl ...

Katharina Müller-Elmau: Okay, meine Antwort steht: Ich würde definitiv ein Leben im Kloster vorziehen (lacht). Ich denke, das ist die diplomatischste Antwort. Nee, im Ernst: Da willste keinen geschenkt, aber lieb hat man sie trotzdem alle gleich ... - Vielleicht haben wir damit schon das ganze Erfolgsgeheimnis der Serie verraten!

nordbuzz: Ihr Kollege Michael Brandner, der den gefallenen Ex-Polizeirat Girwidz spielt, fasste es wie folgt zusammen: „Alle sind irgendwie gestresst oder überfordert - da kommt so eine Stunde Entspannung mit ein paar Trotteln, die sich vor landschaftlich reizvoller Kulisse ein bisschen im Weg stehen, gerade recht.“ Pflichten Sie ihm bei?

Katharina Müller-Elmau: Unbedingt. Das trifft es - diesen Hang zum Eskapismus kennen wir schließlich alle, und er spielt vermutlich in Zeiten von Corona eine noch größere Rolle als ohnehin schon. Ich schaue selbst im Moment so viele Komödien wie selten. „Hubert ohne Staller“ ist ein Antidepressivum erster Güte, keine Frage.

nordbuzz: Wieso kann ein Krimi überhaupt als Komödie funktionieren? Immerhin sterben die Leute bei Ihnen wie die Fliegen ...

Katharina Müller-Elmau: Weil der Fall an sich eigentlich keine Rolle spielt. Und auch das Opfer nicht: Meistens liegt irgendeine Mutti mit Gucci-Klamotten gemeuchelt in der Starnberger-See-Villa ... Sei's drum. Nicht wer ermordet wird, ist hier wichtig, und im Grunde geht es auch nicht darum, warum überhaupt ermittelt wird, sondern in aller Regel nur darum, wie wir ermitteln. Und das ist so verrückt und chaotisch, dass es trägt (lacht).

„Ein Antidepressivum erster Güte“

nordbuzz: Die Zeiten sind gerade ernst, also passt das Timing gut mit der Ausstrahlung der neuen Folgen von „Hubert ohne Staller“, oder?

Katharina Müller-Elmau: Nun, reden wir nicht drumherum: Es ist gerade beschissen! Aber bevor wir alle nur noch da liegen und heulen, sollten wir doch lieber dagegen angehen - so eine Dosis „Hubert ohne Staller“ ist da bestimmt nichts Verkehrtes.

nordbuzz: Das Thema Corona ist omnipräsent, Ihre Branche gehört zu den von den Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung besonders stark betroffenen. Wie sehr beschäftigt Sie das?

Katharina Müller-Elmau: Ach, es geht. Ich habe mir vorgenommen, mich aus der Umklammerung der Nachrichtenflut zu diesem Thema zu befreien. Natürlich habe ich in der Zeit des ersten Lockdowns praktisch rund um die Uhr verfolgt, was Sache ist, und jeden Morgen noch im Bett am Handy die Newslage gecheckt. Aber ich habe mir seit Längerem eine Disziplin auferlegt - es gibt so viele andere Dinge, mit denen man sich beschäftigen kann. Wobei ich jetzt beim zweiten Lockdown, den vor allem Kunst, Kultur und Gastronomie so dramatisch erfahren, weit von Überschwang und guter Laune entfernt bin. Ehrlich gesagt, bin ich ziemlich angefressen. Wir sind die Bauernopfer!

nordbuzz: Richtet sich Ihre Wut gegen die Politik?

Katharina Müller-Elmau: Ja. Dass de facto Berufsverbote für Künstler und in der Gastronomie Beschäftigte ausgesprochen wurden, ist für mich purer Aktionismus. Angesichts solcher Entscheidungen ist es kein Wunder, dass man der Politik immer weniger vertraut. Die schießen sich gerade komplett ins Aus.

nordbuzz: Aber die Maßnahmen wurden nicht ohne Grund beschlossen.

Katharina Müller-Elmau: Das ist klar, einschneidende Maßnahmen waren notwendig - aber warum trifft es jetzt gerade diese bestimmten Branchen? Ich denke, die Politiker wollen einfach zeigen, dass sie überhaupt irgendetwas machen. Sie setzen die Schrauben an Stellen an, die ich für die komplett falschen halte. Da steht wohl auch die Idee des Wegs des geringsten Widerstands dahinter - nach dem Motto: Niemandem tut es akut weh, mal für eine Weile nicht ins Theater, ins Konzert, ins Museum oder in ein gutes Restaurant gehen zu können. Aber ich sehe das anders. Ohne die Kultur verkümmern wir - vermutlich schneller, als wir uns vorstellen können. Es geben bereits reihenweise Gastronomen und kleine Theater auf - uns bricht da etwas Wesentliches weg. Das lässt sich auch nicht mehr so leicht wiederaufbauen.

„Ich ergötze mich nicht so gerne an mir selber“

nordbuzz: Haben Sie selbst auch mit den Folgen der Pandemie-Maßnahmen zu kämpfen?

Katharina Müller-Elmau: Weniger. Mir geht es gut - aber ich kenne viele Schauspieler, die nicht fest an einem Theater oder wie ich bei einer Fernsehproduktion engagiert sind, die leiden. Musiker haben genauso zu kämpfen. Dabei gab es top-Hygienekonzepte an Theatern, in Kinos oder Museen ... Aber wo ist die Lobby? Man hört immer nur die direkt Betroffenen klagen. Wo ist die laute Stimme des Publikums? Dabei brauchen wir doch alle einen Ausgleich zu diesem Irrsinn. Wir sind doch Menschen! Na gut, immerhin gibt es das Fernsehen ...

nordbuzz: Werden Sie sich die Ausstrahlung der ersten Folge anschauen?

Katharina Müller-Elmau: Vermutlich nicht. Ich ergötze mich auch nicht so gerne an mir selber - und wenn ich doch mal einschalte, dann nur aus ganz professionellen Gründen. Wahrscheinlich mache ich das einfach schon viel zu lange ... Ich stehe seit den 80er-Jahren vor der Kamera und auf der Bühne.

nordbuzz: Auch „Hubert ohne Staller“ wurde lange Zeit unterbrochen, bevor unter besonderen Hygienebedingungen weitergedreht werden konnte. Befürchten Sie, dass es für Sie irgendwann eng werden könnte, wenn aufgrund der Pandemie noch weitere Produktionsstopps und Drehpausen erfolgen?

Katharina Müller-Elmau: Nein, eigentlich nicht. Ich kenne ohnehin keine Zukunftssorgen, weil ich im Hier und Jetzt lebe und mich mit dem auseinandersetze, was ist, und nicht mit dem, was vielleicht sein wird. Alles, was ich in der Hand habe, ist meine Arbeit, die ich im Moment zu erledigen habe - und die mache ich so gut und leidenschaftlich, wie ich nur kann. Was Morgen oder Übermorgen ist, wird sich zeigen. Jeder sorgenvolle Gedanke daran, jeder Druck ist pure Zeitverschwendung. Mein Motto lautet: Heute gilt's! Und was morgen ist, wird sich weisen.

nordbuzz: Empfanden Sie auch keinen Druck, als Sie vor zwei Jahren das schwere Erbe bei „Hubert ohne Staller“ antraten? Der Neustart hätte auch komplett schiefgehen können ...

Katharina Müller-Elmau: Druck? Ich? Null, ehrlich. Wenn unsere Idee bei den Fans der Serie nicht angekommen wäre, hätte ich es ja sowieso nicht ändern können. Das hätte ich überlebt.

nordbuzz: Sind Sie so cool, oder tun Sie nur so?

Katharina Müller-Elmau: (lacht) Ja, mei ... Ich habe in meiner Laufbahn eines gelernt: dass es immer Kritik gibt. Wenn ich mein Glück davon abhängig machen würde, was andere von meiner Arbeit halten, käme ich in Teufels Küche. Manche Sachen floppen, andere funktionieren ... Warum, das weiß ich nicht. Es ist aber so gut wie nie eine Frage der Qualität.

nordbuzz: Es lief für „Hubert ohne Staller“ sowieso vom Fleck weg wie geschmiert!

Katharina Müller-Elmau: Richtig - die Quoten waren in unserer Auftaktstaffel oft besser als bei der Originalserie. Eine Sensation, damit hatte keiner gerechnet. Mir ist schon auch bewusst, dass die Skepsis zunächst groß war.

nordbuzz: Welchen Reim machen Sie sich auf diesen Erfolg?

Katharina Müller-Elmau: Vielleicht war es einfach mal an der Zeit für eine Transformation - wir haben augenscheinlich die alten Fans nicht verprellt und einige neue Zuschauer hinzugewonnen. Die Quoten stimmten, was mich vor allem deshalb so gefreut hat, weil das bedeutete, dass ich mit diesem Format und diesen wunderbaren Leuten weiterarbeiten durfte. Ich verhehle nicht, dass es auch in finanzieller Hinsicht gut tut, einen festen Vertrag in der Tasche zu haben - gerade in diesen unsicheren Zeiten.

„Wir drehen quasi unter Freunden“

nordbuzz: Wie kamen Sie überhaupt zu dieser Rolle?

Katharina Müller-Elmau: Es war schon länger mein Wunsch, hier im Raum München eine feste Serienrolle zu übernehmen - am liebsten mit komödiantischem Einschlag. Darauf hatte ich so große Lust, dass mein Flehen offenbar erhört wurde (lacht). Ich hatte früher schon zwei Gastrollen bei „Hubert und Staller“, kannte bereits einige Kollegen und die Leute aus der Produktionsfirma von anderen Arbeiten - es war also ein bisschen wie „Coming home“. Wir drehen quasi unter Freunden - gute Voraussetzungen für eine Dynamik, die eine solche Produktion auch hinter der Kamera braucht, um zu funktionieren. Es passt.

nordbuzz: War diese bemerkenswerte Rolle der neu installierten Revierleiterin und Chefin über die Wolfratshausener Chaos-Polizeitruppe ein gefundenes Fressen für Sie?

Katharina Müller-Elmau: Sie werden wohl nicht überrascht sein: Diese Frauenfigur war nichts, was ich mir lange erarbeiten musste (lacht).

nordbuzz: Schwarze Lederjeans, Alfa Romeo als Dienstwagen ... - So richtig authentisch ist der Auftritt natürlich nicht.

Katharina Müller-Elmau: Hallo! Was bitte ist bei denen denn je authentisch gewesen! Die machen, was sie wollen, und zwar alles garantiert genau so, wie es die echte Polizei niemals machen würde. Da passe ich mich nur an. Also: Wir sind nicht beim Dokumentarfilm, und der schnittige Wagen sowie das Outfit sind auf meinem Mist gewachsen. Frau Kaiser ist halt keine Revierleiterin im herkömmlichen Sinn - und ab und an mal mit ein paar Sehgewohnheiten brechen, das sollte man sich auch am Vorabend trauen, finde ich.

nordbuzz: In Frau Kaiser steckt offenbar einiges von Ihnen?

Katharina Müller-Elmau: (lacht) Einerseits ja, andererseits könnte man, wenn es nach mir ginge, noch eine Schippe draufpacken. Ich bin wesentlich alberner als sie und viel wurstiger ...

nordbuzz: Wurstiger?

Katharina Müller-Elmau: Na ja: unernsthafter! Und ich bin auch nicht so streng wie Frau Kaiser.

nordbuzz: Aber das Strenge ist gerade das Lustige an der Rolle!

Katharina Müller-Elmau: Freut mich, dass Sie das so sehen - denn genau das wollten wir erzeugen: Sabine Kaiser ist die gestrenge Gouvernante, die über einer Horde schwer erziehbarer Kinder wacht und versucht, dem ganzen Wahnsinn eine gewisse Struktur zu verpassen... - Was ihr natürlich niemals gelingt. In der guten Komödie liegt der Witz ja immer sehr nah bei der Tragik.

nordbuzz: Sie meinen, nicht nur der von Michael Brandner gespielte abgestürzte Ex-Polizeirat Girwidz ist eine tragische Figur, sondern auch die neue Chefin selbst?

Katharina Müller-Elmau: Und ob! Wieso landet man denn als Polizeirätin in so einem Revier? - Da muss man schon einigen Mist gebaut haben ... Jede auch nur halbwegs ehrgeizige Polizistin in ihrem Alter hätte eine bessere Karriere hingelegt.

nordbuzz: Gibt es Reaktionen von echten Polizisten?

Katharina Müller-Elmau: Auf die Serie - ja. Die meisten sagen, dass wir erstaunlich nah dran sind am ganz normalen Alltagswahnsinn. Auf meine Rolle? Eigentlich viel zu selten, für meinen Geschmack. Auch Heiratsanträge gab es noch nicht - die trauen sich vermutlich nicht (lacht). Ich warte schon immer drauf, dass mal einer bei der Polizeikontrolle oder ein Streifenpolizist in der Stadt sagt: „Hallo, Frau Kaiser!“ Aber da kommt nichts. Keiner erkennt mich ...

„Wir verbocken es“

nordbuzz: Was wohl die Wenigsten wissen: Sie haben eine Vergangenheit als Rock- und Punkmusikerin. Unlängst haben Sie in der BR-Sendung von Hannes Ringlstetter sogar wieder ein bisschen Schlagzeug gespielt ...

Katharina Müller-Elmau: Ja, ich habe wieder angefangen. Wie so viele habe auch ich versucht, die Corona-Zeit für Kreatives zu nutzen. Mit ein paar Kumpels von meiner alten Band, den Freaky Fukin Weirdoz, treffe ich mich nun regelmäßig, um ein bisschen Musik zu machen... Ob wir das dann mal auf die Bühne stellen, wird man sehen. Ich sag's mal so: Ich möchte gerade nicht mit Musik mein Geld verdienen müssen.

nordbuzz: Also keine Sehnsucht nach dem alten Tour-Leben?

Katharina Müller-Elmau: Nein, das ist gelaufen. Das habe ich gemacht, und ich habe mich daran satt gegessen. Es war super, aber jetzt soll Musik allenfalls ein Zeitvertreib, ein Hobby sein.

nordbuzz: Vermissen Sie es, als Zuschauer zum Konzert zu gehen?

Katharina Müller-Elmau: Absolut. Ich liebe Konzerte in kleinen, stickigen Clubs - das gibt mir schon immer viel mehr, als im Olympiastadion zu stehen. Aber da war jetzt monatelang nichts. Ja, es fehlt mir, und es macht mich richtig traurig, wenn ich darüber nachdenke, wie sehr es mir fehlt - auf eine ganz tiefgehende Art. Ich würde sagen, das ist schon etwas, das mich ausmacht und dass es dabei um viel mehr geht, als nur darum, Livemusik zu genießen. Es geht um Begegnungen, um ein Lebensgefühl. Im Ernst: Wir erleben gerade eine Verarmung, die beispiellos ist.

nordbuzz: Wird 2020 am Ende ein verlorenes Jahr sein?

Katharina Müller-Elmau: Rein physikalisch kann man kein Jahr verlieren, aber ich werde es an Silvester voraussichtlich als ein Jahr der verlorenen Chancen bezeichnen.

nordbuzz: Inwiefern?

Katharina Müller-Elmau: Erinnern wir uns: Was wurde zu Beginn der Pandemie nicht alles in Aussicht gestellt, wie diese Zäsur vieles auch zum Besseren wenden könnte - von der Misere in den Pflegeberufen bis hin zur Hungerbekämpfung, zum Tier-, Umwelt- und Klimaschutz. Doch passiert ist rein gar nichts. Es frustriert mich zutiefst, dass wir offenbar einfach so weitermachen wollen: immer höher, schneller, weiter ... Wir leben über unsere Verhältnisse. Und zwar so lange, bis die Welt kaputt ist. Wir sind auf völlig falschen Pfaden unterwegs - in dicken Karren und auf fetten Reifen. Wir verbocken es.

nordbuzz: Empfanden Sie die Pandemie gewissermaßen auch als Schuss vor den Bug?

Katharina Müller-Elmau: Na ja, von ungefähr kommt sie sicher nicht über uns. Ich habe sie, so sehr man sie verfluchen muss, eben auch zuerst als möglichen Wendepunkt zum Guten für die Welt empfinden wollen. Aber in dieser Hinsicht bin ich geläutert: Offenbar wollen alle so schnell wie möglich zurück in das, was vor der Pandemie gewesen ist und das sie für die Normalität gehalten haben.

nordbuzz: Ist das nicht menschlich?

Katharina Müller-Elmau: Bestimmt. Für sehr viele in unserem westlichen Kulturkreis war das ein relatives Luxusleben im Elfenbeintürmchen - mag also sein, dass es nur menschlich ist, dass man das wiederherstellen möchte. Aber ich finde: Normal war das, was vorher war, nicht. Wir haben von der Schieflage, in der sich unser Planet seit langem befindet, nichts mitbekommen, weil wir lieber die Augen verschlossen haben.

nordbuzz: Was wünschen Sie sich für 2021?

Katharina Müller-Elmau: Dass wir vielleicht doch noch die Augen aufmachen. Dass wir endlich die Weichen stellen, die wir stellen müssen. Weniger Fleisch fressen, weniger Auto fahren, weniger Egoismus! Unsere Kinder wollen auch noch eine Welt haben, in der sie vernünftig leben können.

teleschau

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