Vom coolen Cop zum demenzkranken Großvater: Bad Boy Nick Nolte wird 80

Hollywood-Draufgänger

Charakterkopf Nick Nolte wird am 8. Februar 80 Jahre alt.
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Charakterkopf Nick Nolte wird am 8. Februar 80 Jahre alt.

Es war stets ein Auf und Ab: Nick Noltes Karriere verlief, ähnlich wie sein Privatleben, mit so einigen Höhen und Tiefen. Am 8. Februar wird der einstige Hollywood-Bad-Boy 80 Jahre alt.

1992 kürte ihn das People Magazine zum „Sexiest Man Alive“, 2017 gab's den Stern auf dem Walk of Fame, zwischendrin einen Golden Globe und mehrfache Oscar- und Emmy-Nominierungen: Nick Nolte zählt in Hollywood seit Jahrzehnten zu den ganz Großen. Während andere es in seinem Alter schon mal ruhiger angehen lassen, steht Nolte aber auch heute noch gerne vor der Kamera: Zuletzt lieh der zweifache Vater, der am 8. Februar 80 Jahre alt wird, in der „Star Wars“-Serie „The Mandalorian“ einem außerirdischen Farmer seine Stimme und gab im Action-Thriller „Angel Has Fallen“ einen Vietnam-Veteran und Überlebenskünstler.

Jüngst durfte Nolte im Apokalypse-Drama „Last Words“ (2020) einen weihnachtsmannbärtigen Überlebenden namens Shakespeare spielen. Auch sein neuestes Projekt, „Blackout“, in dem der selbst Rauschmitteln nicht ganz abgeneigte Nolte die Rolle eines Drogenfahnders an der Seite von Josh Dushamel übernehmen wird, zeigt: Es ist ein breit gefächertes Repertoire, das der Schauspieler sich im Laufe seines Lebens angeeignet hat.

Die Biografie des dreimal geschiedenen Nick Nolte weist Höhen und Tiefen auf: Wenn der einst unglamouröseste Star Hollywoods gescheiterte Typen auf der Leinwand zum Leben erweckte, dann schöpfte er auch immer ein wenig aus seinem persönlichen Erfahrungsschatz. Bereits als Schüler mehrfach wegen Trunkenheit am Steuer festgenommen und aus fünf Universitäten geworfen, trampte der ehemals aufstrebende Footballspieler kreuz und quer durch die USA und kannte bald die Gefängnisse sämtlicher Bundesstaaten von innen. Als er während des Vietnamkriegs gefälschte Freistellungsbescheinigungen an junge Männer verhökerte, belegte das Gericht den mittellosen 21-Jährigen mit 75.000 Dollar Geldstrafe. Der Rest klingt wie das Drehbuch zu einem Hollywood-Epos: Durch Zufall kam er zum Theater, tingelte zwölf Jahre über Provinzbühnen und wurde schließlich bei einem Gastspiel in Los Angeles für die Miniserie „Reich und Arm“ entdeckt.

Drei Wochen auf der Straße

Glatte, unbeschädigte Charaktere waren nie sein Metier. Nolte verkörperte einen coolen Bullen in „Nur 48 Stunden“ (1982), einen sensiblen Beatnik in „Herzschläge“ (1979) und einen cleveren Obdachlosen in der Komödie „Zoff in Beverly Hills“ (1986). Noltes exzessive Vorbereitung ist dabei legendär: Nachdem er vor seiner Rolle als Jerry Baskin in „Zoff in Beverly Hills“ drei Wochen auf den Straßen gelebt hatte, stank er angeblich dermaßen, dass sich seine Filmpartnerin weigerte, ihn anzufassen.

Ein wenig exzentrisch und eine ganze Zeit lang auch exzessiv dem Alkohol zusprechend, lebte Nolte viele Jahre lang sein Image als knallharter Typ aus. In den 90-ern entfaltete der Amerikaner dann sein ganzes Können im Charakterfach. Sein damals größter Clou: Footballtrainer Tom Wingo in Barbra Streisands Rührstück „Herr der Gezeiten“ (1991). Erstmals nämlich spielt Nolte einen weichen, fast gebrochenen Mensch, der durch seine Therapeutin von längst verdrängten, traumatischen Kindheitserlebnissen befreit wird. Zum Lohn für den Mut gab's die zweite Oscarnominierung.

Heute ist er „relativ clean“

Es folgte Paul Schraders karges Drama „?Der Gejagte“? (1997), in dem der Schauspieler einen vom Leben enttäuschten, alkoholsüchtigen Kleinstadtpolizisten verkörperte und dafür mit einer Oscarnominierung belohnt wurde. Anfang des neuen Jahrtausends lobten Kritiker Nolte für seine Darstellung in „Der Dieb von Monte Carlo“ (2003); das Filmdrama „Clean“ (2004), in dem er an der Seite von Maggie Cheung spielte, wurde in Cannes für die Goldene Palme nominiert.

Seither scheint der aus Nebraska stammende Schauspieler sein Glück überwiegend in Nebenrollen gefunden zu haben. Ausnahmen bildeten die Komödie „Picknick mit Bären“, für die er 2015 mit Hollywood-Legende Robert Redford vor der Kamera stand, und natürlich das phänomenal gescheiterte Alzheimer-Drama „Head Full of Honey“ (2018). In Til Schweigers englischsprachigen Remake von „Honig im Kopf“ (2014) übernahm Nick Nolte den Part des demenzkranken Großvaters, den im Original Dieter Hallervorden verkörpert hatte. Noltes damals 11-jährige Tochter Sophie durfte die Enkelin ihres eigenen Vaters spielen. Der Film erhielt vernichtende Kritiken und wurde in den USA nach nur sechs Tagen vorzeitig aus den Kinos genommen.

Privat wurde es zuletzt etwas ruhiger um den Altstar. 2018 erklärte der von Alkohol und Zigaretten gezeichnete Nolte in einem Interview mit der US-amerikanischen Webseite „Saturday Evening Post“, er sei schon seit Jahren „relativ clean“. So ganz scheint sich Nick Nolte also auch im Rentenalter nicht von seinem einstigen „Bad Boy“-Image trennen zu wollen.

teleschau

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