„Die Leute freuen sich, wenn sie mich sehen“

Helmfried von Lüttichau im Interview

Helmfried von Lüttichau stammt aus dem meißnischen Adelsgeschlecht Lüttichau. Er wurde am 20. November 1956 in Hannover geboren, 1977 begann er eine Schauspielausbildung in München. Nach einigen Bühnenengagements, unter anderem in Frankfurt, Berlin und Düsseldorf, lebt er inzwischen erneut in der bayerischen Hauptstadt.
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Helmfried von Lüttichau stammt aus dem meißnischen Adelsgeschlecht Lüttichau. Er wurde am 20. November 1956 in Hannover geboren, 1977 begann er eine Schauspielausbildung in München. Nach einigen Bühnenengagements, unter anderem in Frankfurt, Berlin und Düsseldorf, lebt er inzwischen erneut in der bayerischen Hauptstadt.

Mit der Kultserie „Hubert und Staller“ wurde er bekannt. Doch inzwischen ist Helmfried von Lüttichau „weitergegangen“. Ob er seinen Ausstieg manchmal bereut? Das verrät der 63-Jährige im Interview. Außerdem schwärmt der Schauspieler von einem neuen Film, für den er „jedes andere Projekt“ hätte sausen lassen.

Helmfried von Lüttichau hat viele Talente: Er malt, er musiziert, er schreibt. Ursprünglich wollte der inzwischen 63-Jährige sogar mal Designer werden, hat sich dann aber doch fürs Schauspielen entschieden. Zum Glück! Schließlich hat er mit der ARD-Krimiserie „Hubert und Staller“, die nach seinem Ausstieg und der Umbenennung in „Hubert ohne Staller“ beliebt wie eh und je ist, ein charmantes Stück Fernsehgeschichte mitgeschrieben. Für ihn persönlich geht die Reise derweil weiter: Demnächst ist der beliebte Schauspieler in zwei neuen Teilen der Reihe „Reiterhof Wildenstein“ (Freitag, 16. Oktober, und Freitag, 23. Oktober, jeweils um 20.15 Uhr im Ersten) zu sehen. Außerdem darf er sich einen Kindheitstraum erfüllen. Wie der aussieht, verrät Helmfried von Lüttichau im Interview.

nordbuzz: In „Reiterhof Wildenstein“ spielen Sie einen Tierarzt. Das klappt wohl nur, wenn man Tiere auch privat liebt!

Helmfried von Lüttichau: Ja, natürlich. Ich war schon immer sehr tieraffin. Als Kind habe ich mir immer einen Hund gewünscht.

nordbuzz: Aber es kam anders, oder?

Von Lüttichau: (lacht) Ja. Leider hatte ich nur Goldhamster! Und ich wollte unbedingt noch ein Pferd. Eigentlich war ich ein, wie man heute sagen würde, Pferdemädchen. Ich habe alle Pferdebücher gelesen, ich habe Pferde gemalt, gezeichnet, mit Laubsäge ausgesägt. Ich war beim Reiten und am allerliebsten im Pferdestall. Erst im Jugendalter wurde diese Leidenschaft von anderen Dingen abgelöst.

nordbuzz: Haben Sie heute Haustiere?

Von Lüttichau: Ja, eine Hündin namens Loni. Das ist ein bayerischer Name und leitet sich von Apollonia ab.

nordbuzz: Ungewöhnlich ...

Von Lüttichau: Die Idee gab mir der Film „Keiner geht verloren“, in dem ich 2010 eine Rolle übernommen hatte. Dieser spielte auf einem Loni-Hof. Und der Name hat mir gut gefallen.

nordbuzz: Wäre der Beruf des Tierarztes also auch was für den jungen Helmfried von Lüttichau gewesen?

Von Lüttichau: (überlegt) Ich glaube nicht. Allein schon, weil ich nicht studieren wollte. Den Beruf an sich hätte ich zwar nicht schlecht gefunden, aber als Alternative zum Schauspielberuf kamen mir dann doch eher Maler oder Designer in den Sinn.

nordbuzz: Das heißt Sie haben ein Talent fürs Malen?

Von Lüttichau: Ja, allerdings fand ich mein Talent nicht gut genug. Und da ich nicht als Zeichenlehrer enden wollte, habe ich mich dann doch für den Beruf des Schauspielers entschieden.

Corona-Sorgen und Hoffnungsschimmer

nordbuzz: Kürzlich wurden die Dreharbeiten für den fünften Teil von „Reiterhof Wildenstein“ beendet. Wie lief die Arbeit unter Corona-Bedingungen ab?

Von Lüttichau: Im Prinzip ist es nicht anders als im normalen Leben: Jede Produktion hat ihr eigenes Hygienekonzept. Wir halten, so gut es geht, Abstand und verlagern so viel wie möglich nach draußen. Drinnen wie draußen läuft das ganze Team maskiert herum. Das macht die Arbeit auch schwierig, weil man sich die Gesichter vieler Teammitglieder mit Masken noch schlechter merken kann. Dann werden alle in kurzen Abständen getestet. Außerdem muss jeder darauf achten, während der Dreharbeiten eine gewisse Art von Quarantäne einzuhalten. Denn wenn ein Corona-Fall auftritt, wird die Produktion gestoppt. Für die Produzenten wäre das finanziell schwierig, schließlich gibt es keine Ausfallversicherung.

nordbuzz: Sie arbeiten als freier Schauspieler. Wie groß ist Ihre finanzielle Not durch die Beschränkungen?

Von Lüttichau: Ich persönlich hatte noch Glück: Seit 2018 bin ich wieder als freier Schauspieler tätig. Zuvor war ich durch meine Rolle in der Serie „Hubert und Staller“ abgesichert. Daher habe ich natürlich ein kleines Polster, von dem ich jetzt leben konnte. Während der Zeit, in der gar nichts ging, habe ich ein Solo-Programm geschrieben. Als die Dreharbeiten wieder angelaufen sind, hatte ich ebenfalls Glück, denn ich konnte ein paar Produktionen hintereinander machen: Im Moment drehe ich in Spanien, sobald ich zurückkomme, geht es mit „Reiterhof Wildenstein“ weiter. Danach spiele ich in der Krimireihe „München Mord“, bevor - sofern Corona es zulässt - die Tour meines Solo-Programms „Plugged“ startet.

nordbuzz: Nicht jeder hat so viel Glück ...

Von Lüttichau: Natürlich weiß ich, dass es Kollegen gibt, denen es anders geht, gerade in der freien Szene: Viele kleine Theater müssen sehen, wie sie überleben, weil im Moment nirgendwo Vorstellungen stattfinden und die Leute auch keine Karten im Voraus kaufen. Das ist eine richtige Katastrophe!

„Ich habe das Gefühl, dass die Kultur hintenansteht.“

nordbuzz: Welche Gedanken gehen Ihnen angesichts der momentanen Lage Ihrer Kollegen durch den Kopf?

Von Lüttichau: Es muss dringend was passieren! Gerade die kleinen, nicht subventionierten Theater haben oft keine Rücklagen, mit denen sie die Zeit überbrücken können. Gleiches gilt für Künstler, die von Auftritten oder Lesungen leben. Ich habe das Gefühl, dass die Kultur hintenansteht. Die Politik hat sich noch nicht ernsthaft genug damit beschäftigt. Die Rettung anderer Wirtschaftszweige scheint wichtiger zu sein. Es gab natürlich hier und da Überbrückungshilfen, aber ein wirkliches Konzept von Regierungsseite vermisse ich bis heute.

nordbuzz: Wie lauten Ihre Forderungen an die Politik?

Von Lüttichau: Wir müssen offener darüber reden, wie gute Hygienekonzepte aussehen! Maßnahmen wie die Anschaffung oder Optimierung geeigneter Belüftungsanlagen sollten finanziell unterstützt werden. Und die Kommunikation muss sich verändern: Für mich ist es nicht ganz einleuchtend, dass Menschen im Flieger oder Zug ganz dicht beieinandersitzen, während es im Theater nicht möglich ist. Natürlich verstehe ich, dass man sogenannte Superspreader-Events vermeiden will. Es wäre ja auch extrem kontraproduktiv, wenn sich ausgerechnet aus einer Theatervorstellung ein Cluster entwickeln würde. Ich wünsche mir einfach, dass man mehr gemeinsam überlegt, unterstützt und kommuniziert.

nordbuzz: Sie sprachen von „Hubert und Staller“: Bereuen Sie, diesen sicheren Serienjob aufgegeben zu haben?

Von Lüttichau: Überhaupt nicht! Natürlich war es am Anfang nicht ganz leicht: Wenn man die Komfortzone eines Serien-Hauptdarstellers verlässt, ist es nicht unbedingt so, dass gleich am nächsten Tag ganz viele Leute anrufen und einen besetzen wollen. Es war ein Neustart, aber am Ende hat alles genau so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe: Ich kann jetzt ganz unterschiedliche Rollen spielen und bin nicht mehr in der Dauerschleife Serie gefangen. Ich kann mein eigenes Programm ausprobieren, und ich kann wieder Musik machen. Dafür bin ich sehr dankbar.

nordbuzz: Dennoch spielen Sie inzwischen wieder in einer Serie ...

Von Lüttichau: Die Amazon Prime Serie „Der Beischläfer“ war natürlich ein irrer Glücksfall! Schon beim Schreiben der Figur Paul haben die Autoren an mich gedacht. Die Dreharbeiten haben allen großen Spaß gemacht, und ich finde das Ergebnis sehr gelungen.

nordbuzz: Wird es denn weitergehen?

Von Lüttichau: Natürlich darf ich noch nichts verraten. Deshalb nur so viel: Es sieht gut aus.

Wäre eine Rückkehr zu „Hubert und Staller“ denkbar?

nordbuzz: Zurück zu „Hubert und Staller“: Werden Sie noch häufig auf der Straße angesprochen?

Von Lüttichau: Die Serie wird immer noch von sehr vielen Leuten angeschaut. Selbst Kinder, die zu dem Zeitpunkt der ersten Staffel noch nicht einmal geboren waren, sind jetzt Fans. Da wachsen Generationen nach. Deswegen werde ich immer noch mit dem Staller identifiziert. Egal, ob ich einen Bart trage oder nicht: Ich werde erkannt. Die Leute freuen sich, wenn sie mich sehen. Das ist natürlich ein tolles Gefühl.

nordbuzz: Wie erklären Sie sich diesen Erfolg über mehrere Generationen hinweg?

Von Lüttichau: Der Grund ist vielleicht, dass wir eine Art Gegenentwurf zu der bekannten Erwachsenenwelt darstellen: Wir verhalten uns wie Kinder. Und da Christian Tramitz und ich uns schon so lange kennen, finden da manche Dinge zwischen uns statt, die man sich nicht erspielen kann. Das ist entweder da oder nicht und trägt bestimmt zur Glaubwürdigkeit bei. So kommt die Serie vielleicht nicht so schnell aus der Mode.

nordbuzz: Verfolgen Sie denn die Nachfolger-Serie „Hubert ohne Staller“?

Von Lüttichau: Ich habe natürlich anfangs ein paar Folgen gesehen, dann hat mein Engagement diesbezüglich etwas nachgelassen. Aber jetzt schaue ich doch immer wieder mal rein.

nordbuzz: Aber eine Rückkehr ist für Sie ausgeschlossen?

Von Lüttichau: Ja, ich habe mich inzwischen weiterentwickelt, sodass es für mich komisch wäre, zurückzugehen. Ich liebe diese Rolle, und sie war ein wichtiger Teil in meinem Leben. Aber jetzt bin ich weitergegangen, und es zieht mich nicht mehr zurück.

„Ich hätte jedes andere Projekt für diesen Film sausen lassen.“

nordbuzz: Sie sagten, Sie drehen derzeit in Spanien. Dürfen Sie schon Genaueres zu dem Film verraten?

Von Lüttichau: Der Film heißt „Der junge Häuptling Winnetou“ und ist eine Neuinterpretation von Karl May. Ich bin natürlich der Sheriff (schmunzelt). Der Winnetou-Stoff, hier in Spanien, wo so viele andere Western gedreht wurden - das ist ein Kindheitstraum! Ich hätte jedes andere Projekt für diesen Film sausen lassen.

nordbuzz: Also waren Sie ein großer Karl-May-Fan?

Von Lüttichau: Karl May für mich sehr prägend in meiner Kindheit. Ich bin ohne Fernseher aufgewachsen, aber ich habe sehr viel gelesen. Die „Winnetou“-Bücher dann auch mehrmals. Da kannte ich alles auswendig.

teleschau

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