„Ich wollte nie sexy sein“

Zum 70. Geburtstag von Suzi Quatro

Mit Leder und Bassgitarre wurde Suzi Quatro weltberühmt. Noch heute ist die Rocklady der 70er-Jahre auf der ganzen Welt unterwegs. Am 3. Juni feiert sie ihren 70. Geburtstag.
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Mit Leder und Bassgitarre wurde Suzi Quatro weltberühmt. Noch heute ist die Rocklady der 70er-Jahre auf der ganzen Welt unterwegs. Am 3. Juni feiert sie ihren 70. Geburtstag.

Suzi Quatro bringt seit über 55 Jahren die Bühnen der Welt zum Beben. Auch heute noch zeigt die Rocklegende regelmäßig, welche Energie in ihr steckt. Am 3. Juni vollendet sie ihr 70. Lebensjahr.

Wenn Suzi Quatro mit Bassgitarre und Leder-Jumpsuit ihre Rocksongs zum Besten gibt, bebt die ganze Bühne - und das seit den 70er-Jahren: Mit Songs wie „Can The Can“, „Daytona Demon“ und „48 Crash“ mischte sie die bis dato männerdominierte Rockmusik mächtig auf und wurde zu einem der größten weiblichen Rockstars. Sie veröffentlichte ein Dutzend Alben und begeisterte ein Millionenpublikum auf der ganzen Welt. Am 3. Juni feiert die 1,58 Meter kleine Powerfrau, die nach wie vor regelmäßig auf der Bühne steht, ihren 70. Geburtstag. Ruhestand? Im Moment kein Thema.

„Ich werde mich zur Ruhe setzen, wenn ich auf die Bühne gehe, mit dem Hintern wackle und Stille herrscht.“ Den Wahrheitsgehalt dieser Worte unterstreicht die Bildergalerie auf ihrer Internetseite - die Fotos zeigen, wieviel Motivation nach wie vor in Suzi Quatro steckt.

Wobei: Eigentlich hatte sie 2015 bereits ihre Karriere mit einer Abschiedstournee für beendet erklärt. Doch das war schnell wieder vergessen. Mit dem 1984 geborenen Sohn Richard Leonard, der aus der Ehe mit ihrem ehemaligen Gitarristen Len Tuckey hervorging, schrieb sie ihr jüngstes Album „No Control“, das zu den Wurzeln der Hardrock-Riffkultur zurückkehrte. Es war ihre zweite Platte seit 2006 („Back To The Drive“) und ihre erste seit 2011 („In The Spotlight“). Nach der Veröffentlichung im Jahr 2019 startete sie ihre „It's Only Rock'n'Roll“-Tour, bei der zuletzt allerdings wegen der Corona-Pandemie einige Termine verschoben werden mussten.

„Offenbar wollte das Schicksal, dass ich eine gute Bassistin werde“

Suzi Quatro kam vom rauen Rock'n'Roll ihrer Heimatstadt, wo sie zunächst mit ihren Schwestern in einer Mädchenband spielte. „Woher ich komme, werde ich nie vergessen“, erklärte die Musikerin 2019 im Interview mit der Agentur teleschau. „Du kannst Detroit verlassen, aber die Stadt bleibt immer in dir drin.“ Ab 1973 ebnete ihr der bis heute verehrte Riffmonster-Hit „Can The Can“ den Weg zur Rocklegende mit Bassgitarre. Dabei war die Wahl des Instruments tatsächlich Zufall. „Ich fragte meine Schwester Patti, was ich denn spielen solle, und sie meinte: Bass. Ich sagte: okay - und habe es nie bereut“, so Quatro. „Offenbar wollte das Schicksal, dass ich eine gute Bassistin werde.“

Damals war auch das Musikerleben ganz anders als heute. „Wolltest du als Musiker dein Geld verdienen, lautete die Devise: spielen, spielen, spielen. Als ich jung war, stand ich für bis zu fünf Shows pro Tag auf der Bühne“, erinnerte sich Quatro im Interview. „Meine Generation war die letzte Generation Musiker, die gut spielen können musste, um das Publikum zu überzeugen. Heute geht es um andere Sachen - und das beeinflusst auch den Charakter.“ In den späten 70-ern („Stumblin' In“) und 80-ern verirrte sich der Star unzähliger deutscher „Bravo“-Cover bisweilen in softere Klang-Gefilde und pausierte zwischen 1991 und 2006 gleich ganz. Doch inzwischen ist die zweifache Mutter mit den italienischen und ungarischen Wurzeln wieder voll da. Bis heute hat Suzi Quatro über 55 Millionen Platten verkauft; 2016 erhielt sie von der Anglia Ruskin University in Cambridge sogar einen Ehrendoktortitel. Heute lebt sie in England, ihr Mann hat seinen Hauptwohnsitz in Hamburg. „Aber ich habe nie wirklich in Hamburg gelebt und spreche leider auch kein Deutsch.“

Zuletzt zeigte Quatro, nachdem sie lange als musikalische Einzelkämpferin unterwegs gewesen war, auch ihre Fähigkeiten als Teamplayer: Gemeinsam mit Andy Scott (The Sweet) und Don Powell (Slade) brachte sie im Oktober 2017 unter dem Namen Quatro, Scott & Powell (QSP) ein Debüt-Album heraus. Die drei Legenden vereinten darauf ihre geballte Rock'n'Roll-Power, die auch heute noch unerschöpft scheint. „Ich liebe QSP. Und ich weiß, dass es ein weiteres Album gibt, das darauf wartet, herauszukommen“, schreibt Quatro auf ihrer Internetseite.

„Leder ist zeitlos, ich trage das Outfit noch heute“

Im Lauf ihrer Karriere entwickelte sich Suzi Quatro auch abseits der Rockbühne zum Star - und offenbarte zahlreiche Talente, etwa als Schauspielerin. Bereits zwischen 1977 und 1979 spielte sie neben Ron Howard in der TV-Serie „Happy Days“, zuletzt trat sie 2007 bei „Inspector Barnaby“ auf. 1988 hostete Suzi Quatro sogar ein Jahr lang ihre eigene Talkshow „Gas Street“. 1999 moderierte sie zwei Jahre lang die Radio-Show „Rockin' with Suzi Q“ bei BBC Radio. Ihre Autobiografie erschien 2007, 2014 folgte der Gedichtband „Through My Eyes“, der ihre „tiefsten und intimsten Gefühle“ offenbarte.

Doch berühmt ist sie vor allem für ihre Musik - und für ihr markantes Auftreten. Noch heute schwingt Suzi Quatro ihre Bassgitarre, und sie steht weiterhin gerne mit einem Lederoutfit auf der Bühne. „Leder ist zeitlos, ich trage das Outfit noch heute. Man ist nie hip damit, aber auch nie falsch angezogen“, erklärte Quatro im teleschau-Interview. „Ich trug, als ich jung war, niemals Make-up. Meine einzigen Kleidungsstücke waren der Bass, der Lederanzug und ein Paar Schuhe.“

Für ihren Welterfolg hat Quatro jenseits der Musik und der Outfits aber auch noch eine andere, originelle Erklärung. „Ich glaube, es lag daran, dass ich mich weder für Frauenthemen eingesetzt habe noch besonders weiblich rüberkam. Ich wurde eher als 'einer der Kerle' akzeptiert, die den Job machen. Ich war nie jener Typ Frau, der sagte: Schaut mal, ein Mädchen kann das auch“, so die Sängerin. „Ich wollte nie sexy sein. Ich glaube, das war die Voraussetzung für die Akzeptanz als Musikerin.“

teleschau

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