„Im Grunde ist es völlig egal, wo man herkommt. Mensch bleibt Mensch“

Dennis Mojen im Interview

Ossi (Dennis Mojen, neben Lisa Vicari) ist ein Boxer, dessen Mutter hochverschuldet ist. „Das große Herz habe ich definitiv auch. Und die Verhältnisse, aus denen ich komme, waren auch nicht immer die einfachsten, ähnlich wie bei Ossi“, bekennt der Schauspieler.
+
Ossi (Dennis Mojen, neben Lisa Vicari) ist ein Boxer, dessen Mutter hochverschuldet ist. „Das große Herz habe ich definitiv auch. Und die Verhältnisse, aus denen ich komme, waren auch nicht immer die einfachsten, ähnlich wie bei Ossi“, bekennt der Schauspieler.

Er gehört zu den spannendsten Jungschauspielern in Deutschland: Dennis Mojen, der in dem ersten deutschen Netflix-Film „Isi & Ossi“ die Hauptrolle spielt, spricht im Interview über Sport, Leonardo DiCaprio und die Liebe.

Von ihm wird man bestimmt noch viel hören: Jungschauspieler Dennis Mojen war 2019 in „Traumfabrik“ in seiner ersten Kinohauptrolle zu sehen, nun folgt bereits die nächste große Premiere. Im ersten deutschen Netflix-Film „Isi & Ossi“, der pünktlich zum Valentinstag ab Freitag, 14. Februar, verfügbar ist, übernahm er die Rolle des verarmten Boxers Ossi - es ist seine erste Netflix-Hauptrolle. Der 27-jährige Blondschopf, der bereits als der deutsche Leonardo DiCaprio bezeichnet wird, ist bereit für noch viele weitere, ganz verschiedene Rollen. Im Interview erzählt der gebürtige Hamburger von seinen sportlichen Interessen, welche Fußballmannschaft er unterstützt und warum eine Liebe, bei der beide aus unterschiedlichen Verhältnissen kommen, trotzdem eine Chance hat.

nordbuzz: Ossi lebt in ärmlichen Verhältnissen, hat ein großes Herz und hilft seiner hochverschuldeten Mutter. Wie ähnlich sind Sie beide sich?

Dennis Mojen: Das große Herz habe ich definitiv auch. Und die Verhältnisse, aus denen ich komme, waren auch nicht immer die einfachsten, ähnlich wie bei Ossi. Daher hatte ich von Anfang an einen ganz guten Bezug zu der Rolle.

nordbuzz: Wäre so eine Liebe wie die zwischen Isi und Ossi, die aus völlig unterschiedlichen Verhältnissen stammen, im echten Leben realistisch?

Mojen: Wenn beide in der Realität so wären wie Oskar und Isi im Film, dann ja, auf jeden Fall. Im Grunde ist es völlig egal, wo man herkommt. Mensch bleibt Mensch. Wenn man sich in jemanden verliebt, dann sollte es überhaupt keine Rolle spielen, aus welchem Umfeld er oder sie kommt.

nordbuzz: Ist das in der heutigen Gesellschaft nicht etwas komplizierter?

Mojen: Da gebe ich Ihnen Recht. Das ist heutzutage schwieriger, weil man in seinem Umfeld bleibt und weniger über den Tellerrand hinausschaut, als es vielleicht noch vor ein paar Jahren der Fall war. Aber ich bleibe dabei: Wenn man sich verliebt, dann sollte es wirklich keine Rolle spielen.

Trotz Verletzung: „Für mich war klar, ich will Ossi spielen“

nordbuzz: Glauben Sie, dass die Beziehung zwischen Isi und Ossi langfristig eine Chance hat?

Mojen: Ja, definitiv. Eigentlich könnte man noch einen zweiten Teil machen, und einen dritten, einen vierten, einen fünften und die ganze Zeit nur davon erzählen, wie Isis und Ossis Liebe immer tiefer wird. (lacht)

nordbuzz: Gibt's da etwa schon Pläne?

Mojen: (lacht) Da müssen Sie mit Netflix sprechen, oder mit unserem Regisseur Oliver Kienle, das kann ich Ihnen nicht sagen. Aber ich weiß bisher von keinem zweiten Teil.

nordbuzz: Aber Sie wären dabei, oder?

Mojen: Ja, das wäre gut. (lacht)

nordbuzz: Im Film stehen Sie als Boxer im Ring. Haben Sie privat auch mal geboxt?

Mojen: Nein, noch nie. Allerdings war mein Großvater früher ein paarmal hintereinander Hamburger Amateur-Boxmeister, daher hatte ich schon einen gewissen Bezug dazu. Als ich ihm erzählte, dass ich in meinem nächsten Film einen Boxer spielen werde, war er Feuer und Flamme und hat mir alle möglichen Tricks verraten, wie man den Gegner richtig trifft und auch Treffer einsteckt. Ich habe immer gesagt: „Großvater, ruhig bleiben, es ist nur ein Film.“

nordbuzz: Sie haben für den Film auch trainiert. Ging da mal was schief?

Mojen: Eine vorherige Verletzung, ein Kreuzbandanriss im linken Knie, hat mir leider etwas zu schaffen gemacht. Wir haben sehr intensiv trainiert, am Ende sechs Tage die Woche, teilweise auch zweimal am Tag. Die Einheiten wurden pro Training natürlich länger und intensiver, und irgendwann achtet man nicht mehr darauf, ob die Fußstellung richtig ist. Da bin ich ein paarmal umgeknickt. Einmal war es so schlimm, dass wir überlegt haben, ob das so überhaupt Sinn macht. Aber für mich war klar, ich will Ossi spielen. Und wo ein Wille ist, ist ein Weg.

nordbuzz: Wie wichtig ist Ihnen Sport?

Mojen: Sehr wichtig. Es muss nicht gleich Kraftsport oder Leistungssport sein, aber man sollte zumindest joggen oder spazieren gehen. Das ist zwar nicht unbedingt Sport, aber Bewegung, und die halte ich für enorm wichtig für Körper und Geist.

nordbuzz: Machen Sie denn regelmäßig Sport?

Mojen: Keinen Leistungssport, aber ich gehe viel ins Fitnessstudio.

nordbuzz: Sie wollten früher auch mal Fußballprofi werden. Warum haben Sie sich für die Schauspielerei entschieden?

Mojen: Das hat sich mehr oder weniger ergeben. Ich hatte parallel zum Fußball ein großes Interesse an Filmen. Die Schauspielerei hat mich schon immer gefesselt. Dann habe ich mir mit zwölf oder 13 Jahren meinen Meniskus angerissen und musste für ein Jahr pausieren. In dieser Zeit habe ich angefangen, Filme zu drehen.

nordbuzz: Spielen Sie heute noch Fußball?

Mojen: Nein, aktuell habe ich leider keine Zeit zum Kicken. Aber ich würde gerne mal wieder spielen und werde das auch irgendwann wieder machen.

nordbuzz: Haben Sie denn einen Lieblingsverein?

Mojen: (lacht) Ja, schon, den FC Schalke 04. Fragen Sie mich bitte nicht, warum. Denn ich habe keine Ahnung, das hat sich einfach irgendwann so ergeben.

„Mein Ziel ist einfach, dass es so weitergeht wie bisher“

nordbuzz: In dem Film „Traumfabrik“ spielten Sie zum ersten Mal eine Hauptrolle in einem Kinofilm und bezeichneten das als „Königsdisziplin im Filmgeschäft“. Wo stufen Sie es nun ein, dass Sie die erste Hauptrolle in einem deutschen Netflix-Film spielen durften?

Mojen: Streaming-Formate sind was ganz anderes als Kino. Es kann sein, dass wir in zwei Jahren reden und ich sage, das ist die neue Königsdisziplin. Für mich war klar: Wenn ich fürs Kino spiele, werden mein Gesicht und alles, was ich tue, auf einer großen Leinwand zu sehen sein. Da sieht man jedes Augenzwinkern, darum ist es enorm wichtig, dass man die Rolle authentisch spielt. Das war eine sehr gute Schule und auch bei Netflix habe ich großen Wert darauf gelegt, dass ich meine Rolle authentisch spiele. Die Reichweite, die man mit Netflix hat, ist natürlich der Wahnsinn. Ich möchte möglichst viele Menschen mit meinen Filmen unterhalten, deshalb fand ich das von Anfang an mega.

nordbuzz: Haben Sie ein Ziel, das das noch toppen könnte?

Mojen: Ich habe kein konkretes Ziel, wie beispielsweise in fünf Jahren einen Oscar zu gewinnen. Manche stecken sich so klare Ziele. Mein Ziel ist einfach, dass es so weitergeht wie bisher. Mein Leben ist gerade richtig schön, es könnte nicht besser sein.

nordbuzz: Sie wurden bereits als der deutsche Leonardo DiCaprio betitelt. Wie finden Sie diesen Vergleich?

Mojen: Leonardo DiCaprio ist definitiv einer der besten Schauspieler unserer Zeit, aber er hat eine andere Art zu spielen. Mir ist es wichtig, dass man sieht, dass ich meine ganz eigene Art zu spielen habe. Von daher ist der Vergleich natürlich schmeichelhaft, ich würde ihn allerdings nicht unbedingt als treffend bezeichnen.

nordbuzz: Wie haben Sie reagiert, als Sie zum ersten Mal den Vergleich gehört haben?

Mojen: Da habe ich mich gefreut, ganz ehrlich. Was Leonardo DiCaprio vor der Kamera macht, ist beachtlich. Wenn man hört, dass man mit ihm verglichen wird, nicht nur optisch, sondern auch aufgrund dessen, was man kann, ist das natürlich sehr schön.

nordbuzz: Haben Sie denn ein Vorbild im Filmgeschäft?

Mojen: Nein. Als Kind hatte ich aber diverse Idole: Brad Pitt und Johnny Depp, Lucky Luke, Asterix und Obelix kamen auch vor, die Bandbreite war breit (lacht).

„Mein Interesse ist unendlich. Ich bin offen für alles“

nordbuzz: Sie standen bereits neben Iris Berben, Heiner Lauterbach und vielen anderen großen deutschen Schauspielern vor der Kamera. Waren Sie am Anfang noch aufgeregt?

Mojen: Ein bisschen Aufregung gehört immer dazu, für mich ist das positiver Stress. Der lässt mich immer mein Bestes geben und konzentriert bleiben. Wenn ich mit Kollegen drehe, die schon lange im Filmgeschäft tätig sind, dann weiß ich, ich muss noch konzentrierter sein. Das Interessante aber ist, wenn ich sie dann treffe, ob es Iris Berben oder Heiner Lauterbach ist, stelle ich immer fest, dass sie super entspannte, nette und freundliche Menschen und absolute Profis auf ihrem Gebiet sind.

nordbuzz: Sie spielten bereits im „Tatort“ den Täter, in „Nirgendwo“ einen coolen Draufgänger, in „Traumfabrik“ zeigen Sie sich eher romantisch - das sind alles sehr unterschiedliche Rollen. Was macht Ihnen am meisten Spaß?

Mojen: Eben genau dieser Facettenreichtum. Ich will auf keinen Fall, dass ich immer den gleichen Charakter spiele. Ich empfände es als langweilig, mich immer in der gleichen Rolle zu sehen. Ich liebe die Herausforderung, aus jeder Rolle einen eigenen Charakter zu machen, mit ganz eigenen Überzeugungen und Wünschen.

nordbuzz: Gibt es denn eine Traumrolle, die Sie gerne noch spielen würden?

Mojen: Ne, eigentlich nicht, da müsste ich mir jetzt was zusammenspinnen. Aber mein Interesse ist unendlich. Ich bin offen für alles.

nordbuzz: Ihre Eltern sind ebenfalls im Filmgeschäft tätig. Stand es daher schon immer im Raum, dass Sie Schauspieler werden könnten?

Mojen: Das muss ich ein bisschen korrigieren: Mein Vater ist Professor an der Filmakademie in Ludwigsburg, und meine Mutter hat heute mit Film nichts mehr zu tun. Es heißt ja bekanntermaßen, dass die Schauspielerei eine brotlose Kunst ist. Das wurde mir mit auf den Weg gegeben, und deshalb wurde mir dringlichst davon abgeraten, das zu machen. Aber ich habe gemerkt, dass ich das sehr gut kann und dass es mir großen Spaß macht. Deshalb bin ich meinen eigenen Weg gegangen.

teleschau

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare