Kultur und Zusammenleben in Corona-Zeiten

„'Systemrelevant' ist ein Unwort“: Peter Maffay fürchtet Spaltung der Gesellschaft

Wie viele andere Musiker musste auch Peter Maffay seine Tour verschieben.
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Wie viele andere Musiker musste auch Peter Maffay seine Tour verschieben.

Wie viele seiner Kollegen leidet auch Peter Maffay unter den derzeitigen Beschränkungen in der Kulturbranche. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau drückte der 71-Jährige seine Sorgen über die Entwicklung der Gesellschaft aus.

Künstler sein ist dieser Tage nicht leicht. Davon kann auch Peter Maffay ein Lied singen. Unter dem Motto „50 Jahre Peter Maffay“ wollte er in diesem Jahr durch insgesamt 22 Städte touren. Doch ein Band-interner Unfall und vor allem das Coronavirus machten diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung. Wie schwer ihn die Absage traf und was er über den momentanen Zustand seiner Branche und der Gesellschaft denkt, verriet der 71-Jährige in einem Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau.

„Die Absage der Tour war wie eine Amputation“, erklärt Maffay. Anfangs habe er noch gehofft, die Tour in den Sommer verlegen zu können. Dann kam das Virus und nun lägen er und seine Kollegen wie alle anderen Künstler „seit acht Monaten an der Kette“. Doch obwohl die aktuelle Situation enorm frustrierend sei, möchte der gebürtige Rumäne die Hoffnung auf „eine gewisse Normalität“ nicht aufgeben. Seine verpassten Konzerte plant er aktuell im Sommer 2021 nachzuholen.

Die derzeitigen Entwicklungen in Deutschland sieht Maffay unterdessen sehr kritisch: „Die Schere geht immer weiter auseinander.“ Es gebe Wirtschaftszweige, die mit den Umständen gut zurechtkämen, andere, wie die Unterhaltungsbranche, lägen hingegen „am Boden“. Zudem würden die Einschränkungen des öffentlichen wie privaten Lebens die Stimmung in negativer Weise anheizen: „Es kommt zu Eskalationen, einer gewissen Radikalisierung und auch zu einer gefühlten Entmündigung aufgrund der vielen Reglementierungen.“

Peter Maffay hofft, „dass der Mundschutz nicht zum Maulkorb wird“

Maffay betrachtet die Einschränkungen größtenteils durchaus als gerechtfertigt: „Corona gibt es und dem muss mit Maßnahmen begegnet werden“, betont er. Auch, dass bei den Maßnahmen immer wieder nachgebessert werden müsse, sieht der „Tabaluga“-Schöpfer ein. Allerdings geschehe das „oft nicht mehr so transparent“. Insbesondere die vergangenen Schul- und Kindergartenschließungen sieht der dreifache Vater kritisch: „Da fragt man sich, ob das nicht Auswirkungen hat, die wir gar nicht erahnen können.“ Er hoffe zudem, „dass der Mundschutz nicht zum Maulkorb wird“.

Ziemlich gereizt reagiert Maffay auf das Attribut „systemrelevant“: Nach Auffassung des Künstlers passe es nicht zum Prinzip der Gleichheit: „Wie kann es angehen, dass man mit einem Wort einen solchen Keil in die Gesellschaft treibt und sagt 'du gehörst dazu, du nicht'?“ Eine solche Trennung empfindet der Musiker als diskriminierend. „'Systemrelevant' ist ein Unwort“, findet Maffay, und würden sich solche Differenzierungen innerhalb der Gesellschaft fest verankern, „dann haben wir wirklich ein Problem“.

Das Interview fand anlässlich der Veröffentlichung einer Kollaboration mit dem Dresdner Kreuzchor („Das große Adventskonzert“) und des neuen Duette-Albums „Peter Maffay und ...“ statt. Beide sind ab sofort im Handel erhältlich.

teleschau

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