Dritter globaler Klimastreik

„Ein starkes Zeichen“: Zehntausende Fridays-for-Future-Unterstützer demonstrieren

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Zahlreiche Demonstranten protestieren in Hannover.

Zehntausende Unterstützer der Fridays-for-Future-Bewegung sind am Freitag auf Niedersachsens Straßen unterwegs gewesen. Aber nicht nur Schüler, auch Eltern, Lehrer und Großeltern forderten ein Umdenken in der Klimapolitik. 

Hannover - Sie wollten ein deutliches Zeichen vor dem UN-Klimagipfel setzen: Zehntausende Menschen in Niedersachsen sind am Freitag dem Aufruf der Fridays-For-Future-Bewegung (FFF) gefolgt und haben wie in vielen anderen deutschen Städten ihrem Unmut über eine lasche Klimapolitik Luft gemacht, wie kreiszeitung.de* berichtet.

Sportliche Sprechchöre

Schon zu Beginn ihres Sternenmarsches in Hannover wurden die Demonstranten laut. „Hoch mit dem Klimaschutz, runter mit der Kohle“, skandierten sie - und unterstrichen dies mit energischem Auf- und Abschwenken ihrer Schilder. „Lasst uns die ganze Stadt zusammenschreien!“ Die Polizei zählte bis zum Nachmittag mehr als 26.000 Teilnehmer in der Landeshauptstadt, wie sie per Twitter meldete. Laut den Veranstaltern waren es sogar 30.000 Menschen. 

Absage an Gewalt 

Beim gemeinsamen Einschwören auf die Ziele machten die Organisatoren klar: „Dies ist ein friedlicher Protest, von uns geht keine Gewalt aus.“ Die umstehenden Polizisten nahmen das wohlwollend zur Kenntnis - zumal sogar das Landeskriminalamt gewarnt hatte, linksextreme Gruppen könnten die Veranstaltung kapern. 

Auch Ältere sind dabei 

Schüler aller Altersgruppen bevölkerten den Startpunkt am Altenbekener Damm. An Unterstützung reiferer Jahrgänge mangelte es nicht: Lehrer, Eltern und Großeltern mischten sich in die Menge. Manche hatten Blumen in der Hand, andere unmissverständliche Botschaften auf den Transparenten: „Kinder, vergebt ihnen nicht, denn sie wissen, was sie tun.“ Auch „Opas For Future“ waren dabei. Die Parents For Future riefen in Göttingen Erwachsene zum Mitmachen auf. 

Internationale Solidarität

FFF - angestoßen von der Schwedin Greta Thunberg - versteht sich als weltweites Netzwerk, das sich aus den Initiativen Tausender lokaler Gruppen speist. In Hannover erinnerten die Veranstalter daran, dass der Klimawandel in anderen Ländern schon weitaus drastischere Folgen hat als in Deutschland. „Wir sind ein Teil der Menschen, die heute an 1500 Orten auf die Straße gehen.“ 

Schon gelesen? Auch in den Landkreisen Diepholz, Verden und Oldenburg waren Fridays-for-Future-Demos auf den Straßen.

Kirchlicher Beistand

Landesbischof Ralf Meister stellte sich hinter die Demonstranten - und äußerte Selbstkritik an der eigenen Generation. „Macht weiter! Ihr habt ein so starkes Zeichen gesetzt, wie wir Alten von den Jungen lernen können“, rief er den Teilnehmern zu. „Ich gehöre zu einer Generation, die nicht genug getan hat. Bleibt hartnäckig! Bleibt geduldig, barmherzig, widerständig!“ 

Die 23-jährige Jule aus Hannover glaubt, dass FFF immerhin große Aufmerksamkeit erreicht hat: „Ich finde es auf jeden Fall gut, dass anscheinend die Stimmen der jungen Menschen auch gehört werden.“ 

Aktionen im ganzen Land

Nicht nur die Landeshauptstadt war ein Schauplatz. In Braunschweig waren mindestens 7000 Demonstranten unterwegs. Auch in Wolfenbüttel, Hildesheim, Göttingen, Osnabrück, Oldenburg, Wilhelmshaven, Wolfsburg oder Vechta gab es Kundgebungen. In Lüneburg zählte die Polizei über 3000 Teilnehmer. In Buxtehude schlossen sich den etwa 800 Schülern spontan Passanten an, so dass am Ende rund 1000 Menschen teilnahmen. 

Die Demonstranten kämpfen für mehr Klimaschutz.

Blockade in Bremen

In der Hansestadt beteiligten sich laut Polizei 31.000 Menschen. Nach einem Marsch vom Hauptbahnhof durch die Stadt durften aus Sicherheitsgründen nicht alle von ihnen zum Marktplatz am Rathaus

Bei der Kundgebung kritisierte eine Rednerin das neue Regierungsbündnis im Bundesland, das „angeblich so progressiv“ sei. Zeitweise blockierten Demonstranten eine Weserbrücke

Nicht jeder geht zu Fuß

Beim Klimaprotest sind Fahr- und Liegeräder gern gesehen. Die ganz Kleinen kamen im Kinderwagen. „Man kann sich nicht früh genug für Klimaschutz einsetzen“, erklärte eine Mutter, die mit ihrem Säugling am Maschsee in Hannover demonstrierte. 

Politische Dichtung

Schüler verteilten in Hannover eine „Sprüchesammlung“, die ihre Anliegen auf den Punkt bringen sollte. Das Angebot reichte von simplen Reimen wie „Alle Leute, Groß und Klein, reiht euch in die Demo ein!“ bis zu klaren Protestaufrufen: „Wehrt euch, leistet Widerstand, gegen die Braunkohle, hier im Land.“

Fridays for Future: Hier geht‘s zu den Fotos. 

Leonardo Di Caprio marschiert mit

Der Hollywood-Star ist bekennender Klimaaktivist, er setzt sich seit Jahren für weniger CO2-Emissionen ein. Nicht persönlich, aber doch auf Pappe marschierte er in Hannover mit. Die Fans stellten einen Satz zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit dazu: „Dieser Planet wird heißer als der junge Leonardo.“

Und dann kamen die Meldungen zum Klimakabinett

Als am frühen Nachmittag erste Meldungen über einen Durchbruch im Klimakabinett der Bundesregierung kamen, waren die Reaktionen der Demonstranten eher skeptisch. „Mal sehen, ob das wirklich so umgesetzt wird“, sagte ein Schüler aus Celle. „Das ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung“, meinte ein anderer. 

Ein Verbot neuer Ölheizungen ab 2026, billigere Zugtickets oder ein ausgeweiteter Emissionshandel dürften im Sinne vieler Teilnehmer sein - aber manch einer hätte sich eine CO2-Steuer und noch weitergehende Maßnahmen der Politik gewünscht.

Familie auf Langeoog kämpft für Klimaziele

Für mehr Klimaschutz sind am Freitag auch Bewohner der ostfriesischen Inseln auf die Straße gegangen. Allein auf Langeoog zählten die Veranstalter rund 200 Teilnehmer

Unter ihnen war auch Maike Recktenwald, die 2018 mit ihrer Klage für schärfere Klimaziele vor dem EU-Gericht gescheitert war

Ihre Familie wohnt seit vier Generationen auf Langeoog und besitzt dort eine Gaststätte. Recktenwald sieht ihre Heimat und den Familienbetrieb durch den steigenden Meeresspiegel bedroht. Sie werde nach der Abweisung der Klage durch die Luxemburger Richter nicht aufgeben, sagte sie am Freitag der dpa. „Wir haben Rechtsmittel eingelegt und hoffen in sechs bis acht Wochen auf eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) über eine neue Verhandlung.“ 

Insgesamt zehn Familien aus der EU, Kenia und Fidschi hatten vor einem Jahr wegen direkter Betroffenheit durch den Klimawandel gegen das Europäische Parlament und den Rat der EU-Länder geklagt. Das EU-Ziel, bis 2030 die Treibhausgase um 40 Prozent unter den Wert von 1990 zu drücken, reiche als Schutz vor den Risiken nicht aus, argumentierten sie. Sie wurden von Germanwatch und anderen Umweltverbänden unterstützt.

dpa

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