Schweiz bleibt neutral

Weihnachtsurlaub 2020 im Schnee: Trotz Corona gibt es Optionen

Der seit November geltende Teil-Lockdown verbietet Urlaubsreisen. Zwischen Weihnachten und Neujahr fahren viele gerne in den Schnee zum Skifahren. Im Corona-Jahr ist es nicht so einfach eine Piste zu finden. Uneinigkeit herrscht bei den Alpen-Ländern.

  • Liftbetreiber: Bewegung an der frischen Luft sei gesund.
  • Schweiz will die Pisten für den Weihnachtsurlaub öffnen.
  • Österreich ist gegen eine europäische Lösung.

Die Liftbetreiber in Deutschland lehnen die von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorgeschlagene Schließung aller Skigebiete ab. Ein Wintersportverbot wäre für die betroffenen Regionen katastrophal und zudem unverständlich, sagte Matthias Stauch, Vorstand des Verbandes Deutscher Seilbahnen (VDS), am Donnerstag. Bewegung an der frischen Luft sei gesund und das Infektionsgeschehen in Ischgl sei nicht vom Skibetrieb ausgegangen. „Es kommt nicht vom Skisport. Wir wollen bei uns kein Halligalli.“

Winterferien Niedersachsen19. Dezember (ab 17.12. auf Antrag)
Winterferien Bremen23. Dezember (21. u. 22.12. freiwillig)
Winterferien Hamburg19. Dezember
Winterferien Schleswig-Holstein19. Dezember

Ein Wintersportverbot würde viele Betreiber an ihre Grenzen bringen. „Das ist für unsere Betriebe existenzbedrohend“, sagte Matthias Stauch. „Wenn uns jetzt zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem 10. Januar das Geschäft wegbricht, ist das katastrophal.“ Die Liftbetreiber forderten eine einheitliche Regelung mit dem europäischen Ausland. „Es muss eine europäische Lösung geben: Dass alle aufmachen oder alle zu bleiben.“ Im Gespräch ist, die Skigebiete ab dem 10. Januar zu öffnen.

Sollte es tatsächlich ein Verbot geben, seien Klagen nicht ausgeschlossen, sagte der erste VDS-Vorstandsvize Peter Lorenz. „Man muss alle Optionen am Ende des Tages in Betracht ziehen.“ Klagen müssten dann einzelne Betreiber, nicht der Verband. Trotz aller Ungewissheit sollen die Pisten beschneit werden, wenn die Temperaturen dies zulassen - um einen schnellen Start zu ermöglichen.

Einen solchen Saisonabschluss in Ischgl wird es wegen Corona diesen Winter nicht geben.

Für die geforderte europäische Lösung setzt sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ein. „Es naht die Skisaison“, sagte die CDU-Politikerin am Donnerstag im Bundestag. Touristische Reisen sollten nicht stattfinden, jeder nicht notwendige Kontakt sollte vermieden werden. „Wir werden uns in Europa um eine Abstimmung bemühen, ob wir alle Skigebiete schließen könnten. Es sieht leider nicht so aus, wenn man die österreichischen Verlautbarungen hört, dass uns das so einfach gelingen könnte, aber wir werden es noch einmal versuchen.“

Weihnachtsurlaub 2020 in Ischgl könnte möglich sein

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz lehnt eine länderübergreifend spätere Öffnung der Wintersportgebiete in der Corona-Krise ab. Österreich setzt darauf, mit Lockdown und Massentests die Corona-Zahlen im Dezember zu senken. „Ich kann Ihnen nur sagen, wenn jemand alleine laufen geht im Moment, dann ist das ähnlich gefährlich, wie wenn jemand alleine eine Skitour geht“, so Sebastian Kurz. „Wenn jemand einen Lift verwendet, dann ist das ähnlich, wie wenn er ein öffentliches Verkehrsmittel verwendet. Anhand dieser Gesichtspunkte muss man Entscheidungen treffen.“

Dass es internationale Abstimmungen dazu gebe, sei „übertrieben“, sagte Sebastian Kurz. Einige Länder hätten lediglich einen Wunsch geäußert. „Ich hab sowohl mit dem Kommissionspräsidenten als auch dem Ratspräsidenten darüber gesprochen und ich hatte da den Eindruck, dass die Europäische Union jetzt nicht die Aufgabe sieht, hier Details für gewisse Länder vorzugeben.“

Der Skiort Ischgl in Österreich hat rund um die Corona-Pandemie eine traurige Berühmtheit erlangt. Er gilt als einer der ersten Hotspots. Noch bis zum 6. Dezember ist Österreich noch im Lockdown. Alle Pisten sind zurzeit geschlossen.

Schweiz erlaubt Weihnachtsurlaub 2020 im Schnee

Für die Schweiz ist eine Schließung der Skigebiete in diesem Winter kein Thema. „In der Schweiz sind Bundesrat, Behörden und die Tourismusbranche überzeugt, dass der Schweizer Weg - für den Moment - richtig ist und die Wintersaison sicher stattfinden kann“, sagte Markus Berger, Sprecher von Schweiz Tourismus am Donnerstag. „Der Ansatz einer europaweit koordinierten Betriebszeit/Saisoneröffnung der Wintersportdestinationen wurde im Kreise der Alpenländer informell bereits im Spätsommer diskutiert und als ungeeignet nicht weiter verfolgt“, teilte Markus Berger mit. „Wir gehen daher davon aus, dass dieser Ansatz auch jetzt nicht mehr Erfolg haben wird.“

Wie Schweiz Tourismus äußert sich auch die Sprecherin des Skigebiets Grindelwald. Die Zermatt Bergbahnen lehnen den Vorstoß ebenfalls ab. „Wir sind der Meinung, dass Skifahren in Bezug auf die Corona-Situation sicher ist“, sagte deren Sprecher Mathias Imoberhof. „Der Spaßfaktor im Après-Ski, welcher sich im Frühjahr als sehr problematisch erwiesen hat, wird sicher nicht in der gewohnten Form vorhanden sein, meinte Mathias Imoberhof. Deshalb sei eine Schließung der Skigebiete nicht nötig. „Ob die EU eine Schließung der Skigebiete bei ihren Mitgliedsländern durchsetzen kann, wird sich zeigen“, meinte Mathias Imoberhof. „Dass die Schweiz dazu gezwungen werden kann, darf zurecht bezweifelt werden.“

In Frankreich stehen die Lifte im Weihnachtsurlaub 2020 still

In Frankreich sollen die Skilifte während der Festtage geschlossen bleiben - die Wintersportorte selbst aber offen sein. „Natürlich wird es für jeden (...) möglich sein, in die Ferienorte zu gehen, um die reine Luft unserer schönen Berge, die Geschäfte, die geöffnet sein werden - außer Bars und Restaurants -, zu genießen“, sagte Premierminister Jean Castex am Donnerstag in einer Pressekonferenz. Es sei aber ganz einfach: „Alle Skilifte und öffentlichen Einrichtungen werden für die Öffentlichkeit geschlossen sein.“

In vielen Skigebieten stehen die Lifte vorst noch still.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte sich am Dienstag gegen eine Öffnung von Wintersportorten an den Festtagen ausgesprochen. Frankreich hat wichtige Wintersportzentren in den Alpen und in den Pyrenäen. Unter den Alpenländern hatte es zuletzt Streit über die Öffnung der Skigebiete über die Festtage gegeben.

Die Alternative zum Schnee sind warme Sandstrände. Einige Kreuzfahrtanbieter haben Touren für den Weihnachtsurlaub im Programm. Beispielsweise fährt die „Mein Schiff 1“ über Weihnachten und Silvester in der Karibik, wie Kreuzfahrtexperte Thorsten Castle im Podcast verraten hat. dpa/awt

Rubriklistenbild: © Harald Hinze / TVB Ischgl

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