Wolfsrüden leben weiter

Wölfe in Niedersachsen: Sind die Tötungen der Fähen legal?

Wolfsrudel sorgen in Niedersachsen für viel Diskussion. Nun wurden mehrere weibliche Tiere (Fähen) abgeschossen. Sind diese Abschüsse legal?

Hannover – Eine Wölfin, auch Fähe genannt, des Rodewalder Rudels ist in der Nacht auf Mittwoch, 7. April 2021, in der Nähe der Stadt Nienburg/Weser erschossen worden. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, erfolgte der Abschuss auf Grundlage einer Ausnahmegenehmigung des Landes Niedersachsen. So soll es sich laut Umweltministerium in Hannover nach ersten Erkenntnissen um ein Tier handeln, das ein bis zwei Jahre alt war. Die eigentliche Abschussgenehmigung war jedoch auf den Leitwolf des Rodewalder Rudels ausgestellt.

Bundesland in Deutschland:Land Niedersachsen
Fläche:47.709,82 Quadratkilometer
Einwohner:7.993.608 (Stand: 31. Dezember 2019)
Landeshauptstadt:Hannover
Regierungschef:Stephan Weil (SPD)

Wölfe in Niedersachsen: Rodewalder Wolf reißt Nutztiere wie Schafe und Pferde

Jetzt soll das Tier genetisch mithilfe einer Gewebeprobe untersucht werden. Dazu wurde der Tierkadaver durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) geborgen. Laut Umweltministerium soll das Ergebnis der Untersuchung Ende kommender Woche vorliegen. Der NLWKN führt genau Buch darüber, wann und wo ein Wolf in Niedersachsen abgeschossen wird oder anderweitig ums Leben kommt.

Wie das Ministerium weiter mitteilte, ist es seit dem Frühjahr 2018 im Territorium des Rodewalder Rudels vermehrt zu Übergriffen von Wölfen auf Nutztiere gekommen, wie kreiszeitung.de* berichtet. Neben Schafen wurden demnach auch Rinder und Pferde angegriffen. Die so durch das Rudel entstandenen Kosten beziffert die Behörde auf rund 1,25 Millionen Euro. Aus DNA-Analysen und Rissbildern ist ermittelt worden, dass der Leitwolf des Rudels an den Rissen überwiegend beteiligt war – die Ausnahmegenehmigung für den Abschuss gilt deshalb für dieses Tier. Laut Umweltministerium und Minister Olaf Lies (SPD) ist der Abschuss der Wölfin dennoch durch das Bundesnaturschutzgesetz gedeckt.

Wolfs-Abschüsse in Niedersachsen: Genehmigungen sind auf Wolfsrüden ausgestellt

Mit einer Ausnahmegenehmigung wurde bereits Ende Februar 2021 eine Wölfin im Raum Ebstorf im Landkreis Uelzen erlegt*. Mitte Februar war bei Löningen im Landkreis Cloppenburg ein anderes weibliches Tier abgeschossen worden, berichtet kreiszeitung.de*. Das in der Gegend ansässige sogenannte Herzlaker Rudel hatte seit September 2018 etwa 500 Schafe gerissen. Die Ausnahmegenehmigung zum Abschuss bezog sich allerdings auch damals auf einen Wolfsrüden, dem die Risse überwiegend zugeordnet werden konnten. „Die wirkliche Identifizierung des einzelnen Wolfes ist in diesem Gelände kaum möglich“, gab Umweltminister Olaf Lies (SPD) damals zu.

Bis Mittwoch, 7. April 2021, sind in Niedersachsen 135 Wölfe ums Leben gekommen. Der größte Teil kam bei Verkehrsunfällen ums Leben.

Laut Ministerium seien seit dem Jahr 2017 bis zum Zeitpunkt der Ausstellung der Abschussgenehmigung im Territorium des Rodewalder Rudels insgesamt 82 Schafe, 2 Ziegen, 1 Alpaka, 3 Ponys, 2 Pferde, 17 Kälber und 5 Rinder zu Schaden gekommen. Die letzten Nutztierschäden seien im März 2021 aus dem Heidekreis gemeldet worden, berichtet das Fachportal jagderleben.de.

Wolfsstreit in Niedersachsen: Bauer legt Rinderkadaver bei Wolfsberaterin in Einfahrt ab

Gerade Landwirte fordern zunehmend die Abschüsse der auffälligen Wölfe, da sie ihr Vieh auf den Weiden in Gefahr sehen. Zuletzt eskalierte der Wolfsstreit in Niedersachsen im Landkreis Uelzen. Dort legte ein Bauer bei einer Wolfsberaterin einen Rinderkadaver in der Hofeinfahrt ab. Vermutlich wurde das Tier von einem Wolf gerissen. Der Fall nahm ein solches Ausmaß an, dass schließlich der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) eingriff.

Doch darüber hinaus werden Wölfe immer wieder in der Nähe von Menschen gesichtet. So lief jüngst ein Wolf durch die Lohner Innenstadt (Landkreis Vechta). Wie selbstverständlich rannte das wilde Tier durch die Innenstadt. Die Menschen um ihn herum interessierten das Tier überhaupt nicht. Erst am Dienstag, 6. April 2021, wurde ein Wolf in Ottersberg gesichtet. Die Stippvisite des Wildtiers bestätigte Wolfgang Mohr, Wolfsberater für den nördlichen Teil des Landkreises Verden, berichtet kreiszeitung.de*.

Aber auch Kuriositäten treten bei Sichtungen von Wölfen immer wieder auf. So entdeckte eine Streifenwagenbesatzung der brandenburgischen Polizei Ende Februar einen Wolf auf der Autobahn A15 im Landkreis Spree-Neiße, berichtet 24auto.de*. Spontan gab man dem Tier auf der Autobahn Geleitschutz. Generell führen Sichtungen in der Bevölkerung zu Verunsicherung, auch wenn laut Wolfsexperten die Tiere nicht die Nähe zum Menschen suchen, sondern vor diesen eher Angst haben. * nordbuzz.de, kreiszeitung.de, az-online.de und 24auto.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa

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