Rasanter Wolfszuwachs

Wölfe: In Niedersachsen leben mehr Tiere als in Alaska

Die mit dem Wolf tanzen: Mit 250 registrierten Wölfen sind in Niedersachsen derzeit mehr Tiere als in Alaska beheimatet. Die Situation ist äußerst angespannt.

Niedersachsen – In keinem anderen Bundesland leben so viele Wölfe wie in Niedersachsen. Immer mehr Weidetiere fallen den Raubtieren zum Opfer. Rinder und auch Pferde erleiden schwere Verletzungen, häufig führt der Wolfsriss sogar zum Tod – Bauern fordern die Tötung der aggressiven Wölfe. Wie Schätzungen des niedersächsischen Naturschutzbundes (Nabu) ergeben haben, sind alleine in Niedersachsen um die 250 Wölfe beheimatet.

Bundesland in Deutschland:Land Niedersachsen
Fläche:47.709,82 Quadratkilometer
Einwohner:7.993.608 (Stand: 31. Dezember 2019)
Landeshauptstadt:Hannover
Regierungschef:Stephan Weil (SPD)

In Niedersachsen leben hochgerechnet mehr Wölfe beheimatet als in Alaska

Pro Quadratkilometer leben in Niedersachsen etwa 0,005 Wölfe. Auf dem erst Blick eine geringe Zahl. Doch setzt man den Wert ins Verhältnis mit einer Region wie Alaska, die bekannt ist für ihre hohe Wolfspopulation, wirkt die Zahl auf einmal dramatisch: In Niedersachsen leben verhältnismäßig genauso viele Wölfe wie in Alaska. Allerdings auch nur dann, wenn man von einer maximalen Wolfspopulation von 10.000 in Alaska ausgeht. Nimmt man den Verglich mit den exakten Zahlen, ist die Wolfsdichte in Niedersachsen gar höher als im nördlichsten und größten Bundesstaates der Vereinigten Staaten von Amerika.

Hochgerechnet leben in Niedersachsen mehr Wölfe als in Alaska. (nordbuzz.de-Collage)

Doch es gibt einen großen Unterschied zwischen Niedersachsen und Alaska: In Alaska leben pro Quadratkilometer gerade einmal 0,4 Einwohner, während es in Niedersachsen bei der gleichen Relation 168 sind. Außerdem weist Niedersachsen 19 Städte mit mehr als 50.000 Einwohner auf – in Alaska hört die Aufzählung schon nach der Stadt Anchorage auf.

Niedersachsen: Dramatischer Wolfsanstieg – Jedes Jahr steigt das Wolfsvorkommen um 60 Prozent

In den letzten Jahren stieg das Wolfsvorkommen in Niedersachsen kontinuierlich um 60 Prozent an – und ein abruptes Ende des Wachstums ist nicht in Sicht. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt vermehrt sich die Wolfspopulation pro Jahr um 30 Prozent. Also nur halb so viel wie in Niedersachsen.

Debatten rund um Wölfe gehören in Niedersachsen mittlerweile zur Tagesordnung. Auf der Suche nach neuen Territorien begegnen gerade im Frühling viele der Raubtiere immer öfter Menschen: Egal ob beim Joggen, als eine Frau und ihr Hund durch einen Wolf in Gefahr gebracht wurden oder bei einem Stadt-Spaziergang. So wurde zuletzt sogar ein wilder Wolf in der Innenstadt von Lohne gesichtet.

„Wilder Westen“ – Wölfe in Niedersachsen stehen bei Bauern auf der Abschussliste

Als scheue Tiere meiden sie in der Regel Menschen – doch schrecken sie nicht vor Angriffen auf Nutztiere zurück, wie Niedersachsens Bauern zum Bedauern feststellen müssen. Erst kürzlich eskalierte in Uelzen ein Wolfsstreit – schließlich musste der Umweltminister Olaf Lies persönlich in den Fall eingreifen. Landwirte greifen schon mal nach der Methoden des „wilden Westens“ – der niedersächsische Naturschutzbund (Nabu)-Chef Holger Buschmann kritisiert das Vorgehen der niedersächsischen Bauern scharf. „Nach Gutdünken“ würden Wölfe abgeknallt werden – doch viele leider auch fälschlicherweise oder aus reiner Willkür.

Im Emsland hat alleine ein Wolfsrudel 500 Schafe gerissen – Abschuss alternativlos?

Sind Niedersachsen Bauern etwa im Wolfs-Blutrausch? Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies sieht die Kontroversen jedenfalls differenzierter. Alleine das sogenannte „Herzlaker Wolfsrudel“ habe im Emsland etwa 500 Schafe zerrissen. Wenn selbst Schutzzäune und Herdenschutzhunde den Wölfen nicht von ihren blutrünstigen Taten abhalten können, sei nach dem Bundesnaturschutzgesetz keine Alternative gegeben, als die Wölfe zu erlegen. Eine Identifizierung der Wölfe sei nur schwer möglich. Sollten sich andere Rudelmitglieder zur gleichen Zeit am gleichen Ort befinden, sei ihre Tötung unumgänglich. Der richtige Umgang mit den wilden Tieren ist also weiterhin genauso wenig geklärt, wie die Frage, ob Wolfstötungen in Niedersachsen sogar illegal sind. * nordbuzz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa, Swen Pförtner/dpa, Mark Thiessen/dpa und Sina Schuldt/dpa

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