Experten alarmiert

Klimawandel führt zu Waldsterben im Harz „Situation ist verheerend“

Der Harz gehört zu den am stärksten gefährdeten Wäldern Deutschlands, sagen Forst-Experten. Generell haben Wälder in Deutschland mit vielen Problemen zu kämpfen.

  • Der Nationalpark Harz und weitere Wälder in Deutschland sind laut Experten stark bedroht.
  • Die Hauptursache für das Waldsterben ist der fortlaufende Klimawandel.
  • Schäden durch Borkenkäfer sind für Wälder eines der deutlichsten Symptome des Klimwandels.

Göttingen - Der Harz gehört nach Ansicht von Forstleuten zu den am stärksten bedrohten Wäldern in Deutschland. Außerhalb von Niedersachsen sollen auch das Sauerland, der Frankenwald und der Thüringer Wald dazu zählen. „Im Harz sieht es mittlerweile verheerend aus“, sagte Ulrich Dohle vom Bund Deutscher Forstleute. Grund dafür sei der immer weiter fortschreitende Klimawandel.

NationalparkNationalpark Harz
Fläche247 km²
Eingerichtet1. Oktober 1990
LageNiedersachsen und Sachsen-Anhalt

Durch die Dürren der vergangenen Jahre seien die Bäume im Harz immer trockener und instabiler geworden. Bei vermehrt auftretenden starken Stürmen würden sie deshalb schnell umkippen. Auch der schädliche Borkenkäfer habe sich immer weiter vermehrt. Deutschlandweit seien in den vergangenen drei Jahren rund 300.000 Hektar Wald abgestorben. Das ist eine Fläche, die größer ist als das Saarland.

Besucher im Wald sind laut Forstleuten kein Problem, sondern ein Mehrwert

Von einem Betretungsverbot für Besucher hält Dohle allerdings nichts: „Das würde dem Wald nichts nützen. Besucher im Wald sind kein Problem, sondern ein Mehrwert“. Beispielsweise würden die meisten Brände in Wäldern durch Spaziergänger gemeldet. Liegengelassener oder illegal entsorgter Müll sowie brennende Zigaretten seien zwar ein Problem, aber kein Massenphänomen. Die Forstleute würden auch merken, dass sich seit einigen Monaten mehr Menschen im Wald aufhalten als vorher. „In Coronazeiten ist der Wald einer der wenigen Orte, in denen man sich frei bewegen kann“, sagt Dohle.

Spaziergänger haben für den Nationalpark Harz laut Experten einen Mehrwert.

Um die Wälder zu retten, ist laut Dohle jeder Einzelne gefragt, in dem er beispielsweise sein eigenes Konsumverhalten hinterfrage. Bei einem Treffen des Bundes der Forstleute in Göttingen wurden kürzlich unter anderem Strategien besprochen, wie man die Waldkrise bewältigen kann. „Waldpflege ist eine Generationenaufgabe, das geht nicht von heute auf morgen“, erklärt Dohle.

Trotzdem sei der Klimawandel nicht komplett aufzuhalten. Deshalb müsse man sich irgendwann in den kommenden Jahren von dem Wald, den man heute kenne, verabschieden. Aus Sicht des Bundes fehle es vor allem an Forstpersonal, das die bestehenden Wälder umbauen und fit für die Zukunft machen könne. In Deutschland gibt es derzeit rund 11,4 Millionen Hektar Wald. Damit sind etwa ein Drittel der Landesfläche mit Bäumen bedeckt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: Klimawandel trotz Corona ernstnehmen

Auf die schlechte Situation der deutschen Wälder machte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aufmerksam. Steinmeier hat dazu aufgerufen, trotz der Corona-Krise andere weltweite Herausforderungen wie den Klimawandel nicht aus den Augen zu verlieren. „Mit einem Rückfall in nationale Nabelschau werden wir den Kampf gegen die Pandemie nicht gewinnen, denn dieses Virus macht nicht an Grenzen halt - genauso wenig wie der Klimawandel“, sagte Steinmeier am Sonntag in einer Videobotschaft bei der Verleihung des Deutschen Umweltpreises in Hannover.

Die kleinliche Suche einiger Länder nach ihrem nationalen Vorteil und die zögerliche Umsetzung des Pariser Klimaabkommens seien ein Grund zur Sorge, betonte Steinmeier. Der Klimawandel mache keine Pause, auch nicht in der Pandemie. „Hier in Deutschland haben wir erneut einen zu trockenen Sommer erlebt, und die Folgen sind vielerorts nicht zu übersehen.“ Die Böden seien vielfach ausgetrocknet, die Wälder schwer geschädigt, der Grundwasserspiegel mancherorts besorgniserregend gesunken. Die Lage sei ernst. „Deshalb darf Corona kein Argument für Zurückhaltung oder Lethargie sein“, sagte Steinmeier.

Naturschutzbund Deutschland: Borkenkäfer sorgt für Fichtensterben im Harz

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) Sachsen-Anhalt weist derweil auf die Problematik durch den Borkenkäfer hin. Auf der Internetseite des Landesverbandes heißt es: „Im Nationalpark und gesamten Harz sterben Fichtenforste in großem Umfang ab, zumeist in der letzten Stufe durch die Borkenkäfer dahingerafft. Diese Entwicklungen führen zur Sorge um Zustand der Wälder, Fragen nach den Ursachen werden gestellt, und viel wird über erforderliche Maßnahmen diskutiert.“

Der Borkenkäfer verursacht im Nationalpark große Schäden.

Der Nationalpark äußert sich ebenfalls zu der Borkenkäfer-Problematik auf seinem Internetauftritt: „An die großflächigen, vom Borkenkäfer geschaffenen Waldbilder mit hohem Totholzanteil müssen sich manche Besucherinnen und Besucher des Nationalparks Harz erst gewöhnen.“

Nationalpark Harz hat eine Strategie gegen Borkenkäfer

Im Kampf gegen den Borkenkäfer hat der Nationalpark Harz eine Strategie. Zum Schutz der Nachbarforstbetriebe werde der Borkenkäfer in einem 500 Meter breiten Sicherheitsstreifen an der Außengrenze des Harz bekämpft. Dabei setze der Nationalpark Harz ausschließlich auf eine rein mechanische Bekämpfung ohne Chemikalien und Giftstoffe.

Die Schäden durch den Borkenkäfer im Nationalpark Harz sind deutlich sichtbar.

In der sogenannten Naturentwicklungszone werden große Fichtenkomplexe gezielt geschützt. In der sogenannten Naturdynamikzone würden keine gezielten Maßnahmen eingesetzt werden. In der Naturdynamikzone ist sich der Wald ausschließlich selbst überlassen. Dort gebe es keinerlei Eingriffe mehr durch den Menschen.

Rubriklistenbild: © dpa/Klaus-Dietmar Gabbert

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