16-Jähriger tot im Kanal

Sigmar Gabriel rettet Syrer: Doch für den Flüchtling ist es zu spät

In Hannover verschwand ein Flüchtlingsjunge aus Syrien. Sigmar Gabriel hatte den 16-Jährigen nach Niedersachsen geholt. Jetzt gibt es traurige Gewissheit.

  • Der 16-jährige Rajeh verschwand spurlos in Hannover im Stadtteil Bemerode
  • Ex-Außenminister Sigmar Gabriel hatte den Flüchtlingsjungen und seine Familie in Niedersachsen unterstützt
  • Eine Woche lang suchte die Polizei Hannover nach Rajeh aus Syrien - jetzt herrscht traurige Gewissheit

Hannover - Große Trauer in Niedersachsen. Vor einer Woche verschwand der 16-jährige Rajeh aus Hannover spurlos. Der Flüchtlingsjunge aus Syrien, den Ex-Außenminister Sigmar Gabriel aus einem Auffanglager in Jordanien nach Deutschland geholt hatte, saß im Rollstuhl. Eine Woche lang suchten Familie, Freunde und Nachbarn vergeblich nach dem Jugendlichen, der im Stadtteil Bemerode in Hannover wohnte. Die Polizei veröffentlichte sogar ein Foto und startete in Hannover einen Zeugenaufruf. Jetzt herrscht jedoch traurige Gewissheit über das Schicksal des vermissten Flüchtlingsjungen aus Syrien. Über den schrecklichen Vorfall in Niedersachsen berichtet nordbuzz.de*.

Hannover: Vermisster Flüchtlingsjunge - Sigmar Gabriel rettete 16-jährigen Syrer

Die Geschichte des 16-jährigen Rajeh aus Hannover ist eine unendlich traurige. Ein Zwischenfall vor vier Jahren veränderte das Leben des Flüchtlingsjungen ganz dramatisch und unwiderruflich. Die Familie war damals in ihrer Heimatstadt in Syrien auf dem Rückweg vom Einkaufen gewesen, als wie aus dem Nichts eine Rakete vor ihrem Auto explodierte - der hinterhältige Anschlag traf unschuldige Zivilisten in einem erbarmungslosen Krieg. Der Flüchtlingsjunge Rajeh verlor ein Auge, beide Unterschenkel und an der linken Hand alle Finger bis auf den kleinen. Auch sein Vater Mohamad wurde bei dem grausamen Anschlag in Syrien schwer verletzt, verlor einen Unterschenkel, wie die Bild berichtet. 

Der damalige Vize-Kanzler Sigmar Gabriel traf die sechsköpfige Familie 2014 in einem Flüchtlingscamp in Jordanien. Rajeh hatte damals noch keinen Rollstuhl, die Wunden des Flüchtlingsjungen aus Syrien waren nur notdürftig versorgt worden. Ein einschneidendes Erlebnis für den ehemaligen SPD-Chef. "Manche Familien muss man eigentlich hier herausholen. Es gibt keine Chance für die, hier am Leben zu bleiben", hatte Sigmar Gabriel laut tagesspiegel damals sichtlich erschüttert von der Begegnung mit Rajeh und seiner Familie erklärt. 

Tatsächlich setzte Sigmar Gabriel alle Hebel in Bewegung, verschaffte dem Flüchtlingsjungen aus Syrien und seiner Familie die notwendigen Papiere und holte sie nach Deutschland. Hier sorgte der ehemalige SPD-Chef auch dafür, dass Rajeh und seine Familie in einer Wohnung in Hannoverim Stadtteil Bemerode untergebracht wurden. Doch damit hörte das Engagement von Sigmar Gabriel noch längst nicht auf. Der ehemalige SPD-Chef kümmerte sich auch um Prothesen für Rajeh - der Flüchtlingsjunge aus Syrien bekam einen Rollstuhl - hielt weiter Kontakt zu der Familie, die er aus der Kriegshölle in Syrien ins sichere Niedersachsen geholt hatte.

Sigmar Gabriel: Vermisster Flüchtlingsjunge aus Syrien in Hannover spurlos verschwunden

Doch dann sorgte das Verschwinden des 16-Jährigen für große Sorge in Hannover. Am Donnerstag, 10. Oktober 2019, verließ Rajeh am Abend gegen 20.30 Uhr die Wohnung im Stadtteil Bemerode, die er mit seinen Eltern und den drei Geschwistern bewohnte. Danach hatte niemand mehr den Schützling von Sigmar Gabriel gesehen. Seine Eltern meldeten den Flüchtlingsjungen aus Syrien am nächsten Tag in Niedersachsen als vermisst. 

Die Polizei Ha nnover bat die Bevölkerung um Mithilfe. Die Beamten in Niedersachsen befürchteten, der Flüchtlingsjunge im Rollstuhl könnte sich in einer für ihn gefährlichen Lage befinden. Tagelang suchten Familie, Freunde und Nachbarn nach dem 16-jährigen Rajeh - vergeblich. Auch der Einsatz von Personenspürhunden brachte in Niedersachsen keinen Erfolg. Schließlich veröffentlichte die Polizei Hannover ein Foto des Flüchtlingsjungen aus Syrien. Im Zuge der Ermittlungen ergaben sich für die Beamten in Hannover Hinweise darauf, der 16-Jährige habe sich in Niedersachsen etwas antun wollen.

Sigmar Gabriel: Vermisster Flüchtlingsjunge aus Syrien wird in Hannover vermisst

Inzwischen herrscht jedoch traurige Gewissheit in Hannover. Knapp eine Woche nach dem Verschwinden des Flüchtlingsjungen aus Syrien, den Sigmar Gabriel aus dem jordanischen Flüchtlingscamp gerettet hatte, wurde am Mittwochvormittag (16. Oktober) im Stadtteil Anderten in Hannover ein lebloser Körper aus dem Mittellandkanal geborgen. Die männliche Leiche wurde an der Hindenburgschleuse in Niedersachsen entdeckt. Schnell bestätigten sich die schlimmsten Befürchtungen: Bei dem Toten handelt es sich um den vermissten Rajeh. Die Polizei Hannover nimmt an, dass der Flüchtlingsjunge aus Syrien seinem Leben selbst ein Ende gesetzt hat.

Sigmar Gabriel: Vermisste Flüchtlingsjunge aus Syrien wird tot aus Mittellandkanal in Hannover gezogen

Kurz bevor der leblose Körper des Flüchtlingsjungen aus Syrien aus dem Mittellandkanal in Hannover geborgen wurde, hatte seine Mutter noch zur Bild gesagt: "[Sigmar] Gabriel hat Glück über unsere Familie gebracht. Ich hoffe so, es hält an - und, dass Rajeh nur die Bahn in eine andere Stadt genommen hat und bald wiederkommt ..." Nun haben die Eltern und Geschwister des 16-Jährigen jedoch traurige Gewissheit. Rajeh hat in Niedersachsen keinen Ausflug gemacht. Der Flüchtlingsjunge aus Syrien, um den sich Sigmar Gabriel entscheidend gekümmert hatte, traf eine Entscheidung. Der 16-Jährige wird nie mehr zu seiner Familie nach Hannover kommen. Auch in Bremen meldete eine Frau ihren Vater als vermisst. In der Nachbarwohnung macht die Polizei eine grausige Entdeckung. Und ein weiterer mysteriöser Todesfall stellt die Hamburger Polizei vor ein Rätsel.

Hinweis der Redaktion: Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depression leiden, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110222. Hilfe bietet auch der Krisendienst Hannover unter 0511-61643284. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.krisendienst-psychiatrie.de.

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Rubriklistenbild: © picture alliance/Silas Stein/dpa

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