Parkverbot selbstgemacht

Damit er Knöllchen schreiben kann: Polizist zerkratzt Verkehrsschild

Mutwillig zerkratzt ein Polizist ein Verkehrsschild, um einen vermeintlichen Falschparker an den Pranger zu stellen. Dumm gelaufen: Er wurde dabei gefilmt.

Hannover – Vorschriftsmäßig Parken und doch ein Knöllchen kassiert? Diese Erfahrung musste nun zwei Autofahrer in der Landeshauptstadt von Niedersachsen machen. Nur um ihnen einen Strafzettel aufs Auge drücken zu können, schwang sich ein Polizei-Kommissar im wahrsten Wortsinn ganz weit auf. Er zerkratze mutwillig ein Verkehrsschild – und kletterte für die Aktion extra auf seinen Streifenwagen.

Stadt in Niedersachsen:Hannover
Fläche:204 km²
Bürgermeister:Belit Onay
Vorwahl:0511

Vorschriftsmäßig Parken und trotzdem ein Knöllchen kassieren? Polizist will Autofahrer an den Pranger stellen

Mal eben für fünf Minuten bei der Apotheke rausspringen, ein Parkschild übersehen und schon ein Knöllchen kassiert? Wer schon einmal diese Erfahrung machen durfte, weiß, wie groß die Frustration über die sich ständig ändernden Parkbestimmungen in Deutschland ist. Wie von Zauberhand entstehen über Nacht zahlreiche Großbaustellen und legen hier und da innerorts beinahe vollständig den Verkehr lahm.

Was zwei Autofahrer nun allerdings in Hannover erlebten, grenzt beinah schon an Verkehrs-Irrsinn und Polizei-Willkür. Carsten L. und ein Freund wollten eigentlich nur ganz gemütlichen einen Kaffee in einem Kiosk am Schaperplatz trinken – gegenüber eines Taxistandes.

Vermeintliches Falschparken: Beamter macht seine eigenen Verkehrsregeln

„Dreh dich nicht um, der Kommissar geht um“, sang Falko einst. Und auch am Kiosk nährte sich ein Beamter den beiden Autofahrern: „Ein Polizist wollte ein Ticket ausstellen, weil mein Kumpel mit seinem Golf angeblich in der Taxizone stand. Die ist aber auf der anderen Seite des Platzes. Der Pfeil auf dem Schild zeigte das an.“

Trotz hitziger Diskussion bestand der Beamte darauf, im Recht zu sein: „Ich hatte auch versucht, ihm da zu erklären, dass ich da parken dürfte. Es gibt dort kein Schild, das Taxischild gilt für diese Seite nicht. Aber er war vollkommen der Meinung, dass ich dort falsch parke.“

In Hannover zerkratze ein Polizist ein Verkehrsschild, um ein Knöllchen auszustellen. (24hamburg.de-Montage)

Doch da hat der 33-jährige Polizist die Rechnung ohne Carsten L. gemacht. Bereits in der Vergangenheit hatte der Beamte ihn an der gleichen Stelle ein Knöllchen geschrieben, das Verfahren wurde allerdings eingestellt, da laut Behörde „keine Ordnungswidrigkeit“ vorlag. Das hätte ihn sonst teuer zu schulden kommen können. Apropos teuer: Auch die Parkgebühren in Hamburg wurden zuletzt ordentlich in die Höhe getrieben – besonders teuer: die Kosten für Anwohnerparken.

Damit er Knöllchen schreiben kann: Polizist zerkratzt Verkehrsschild – vor laufender Kamera

Für den Polizisten allerdings kein Grund, um klein beizugeben und von dannen zu ziehen. Stattdessen stieg er auf das Dach seines Streifenwagens und zerkratze augenscheinlich mit seinem Autoschlüssel den weißen, nach links zeigenden Pfeil auf dem Verkehrsschild - während Carsten L. mit seiner Handykamera draufhielt.

„Der Polizeikommissar sah sich veranlasst, den – nach seiner persönlichen Bewertung – nachträglich angebrachten Richtungspfeil zu entfernen, um den vermeintlich richtigen Zustand herzustellen“, lässt die zuständige Dienststelle des eifrigen Polizisten vermelden. Offenbar stolz soll er darauf verkündet haben: „So, jetzt gilt das Parkverbot überall“! Was nicht passt, wird eben passend gemacht. Auch die Hansestadt Hamburg geht mit neuen Blitzern und einem neuen Tempolimit vermehrt gegen Autofahrer vor.

Parkregel-Willkür hat nun Konsequenzen – für den Polizisten

Der Polizeidirektion Hannover teilte zum besagten Vorfall mit, dass der Beamte mit seiner Aktion in „guter Absicht“ die Eindeutigkeit der Verkehrsregeln wiederherstellen wollte. Dennoch wurde er in den Innendienst versetzt und wird zunächst nicht mehr als Anleiter tätig sein. Das zerkratzte Schild wurde ersetzt – wieder mit Pfeil. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Ralph Peters/IMAGO & Rolf Kremming/IMAGO

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