Hohe Impfbereitschaft

Grippeimpfung 2020 besonders gefragt - Impfstoff-Nachschub ist schon unterwegs

Inmitten der Coronavirus-Pandemie ist die Nachfrage nach einer Grippeimpfung weitaus größer als sonst. Zum Teil wird der Impfstoff bereits knapp, aber Nachschub soll es bereits Mitte November geben.

  • Der Grippeimpfstoff wird zum Teil knapp, Nachschub wird aber bereits im November erwartet.
  • Mit der Einhaltung der Corona-Maßnahmen wird auch der Influenza vorgebeugt.
  • Apotheker werden theoretisch und praktisch geschult, um selbst Impfungen vornehmen zu können.

Hannover - Die Nachfrage nach einer Grippeimpfung ist im Jahr 2020 groß, der Impfstoff wird stellenweise schon knapp. Nachlieferungen seien unterwegs, kündigt die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) an. Bis Mitte November sollten zusätzliche Impfstoffdosen auf dem Markt sein, sagte ein Sprecher der KVN. Ursprünglich seien rund 1,4 Millionen Dosen bestellt worden, die ersten 1,2 Millionen bereits ausgeliefert. „Wer jetzt keine Impfung bekommt, sollte sich etwas gedulden - wir rechnen mit Nachschub.“

Kassenärztliche Vereinigung:Niedersachsen (KVN)
Sitz:Hannover-Oststadt
Vorstandsvorsitz:Mark Barjenbruch
Mitgliederzahl15.953

Zusätzlich könne Niedersachsen bis zu 1,2 Millionen weitere Impfdosen bis Mitte November über den Bund bekommen. Klare Angaben zur Menge und zum Lieferzeitpunkt gebe es aber bisher nicht, sagte der Sprecher. Auch Apotheker sollen künftig direkt in der Apotheke gegen die Grippe impfen können. Die Symptome von Grippe und Covid-19, aber auch einer einfachen Erkältung können im Übrigen sehr unterschiedlich sein.

Wie gefragt ist die Grippeimpfung in diesem Jahr?

Der stellvertretende Landesvorsitzende des Hausärzteverbandes, Jens Wagenknecht beschreibt die Nachfrage als „lebhaft“. Jeder zweite Anruf in seiner Praxis drehe sich um die Frage, ob Impfstoff da sei. Die Stimmung in den Praxen sei angespannt, weil die Lieferungen auf sich warten ließen. Die erste Charge sei schon Mitte Oktober aufgebraucht gewesen. Zuerst seien Bewohner von Pflegeheimen geimpft worden, damit diese Risikogruppe geschützt sei.

Die Nachfrage nach einer Grippeimpfung ist groß und der Impfstoff vereinzelt knapp.

Auch nach dem Eindruck der KVN gilt: Die Nachfrage ist enorm. Das Landesgesundheitsministerium geht davon aus, dass angesichts der Corona-Pandemie die Impfbereitschaft größer geworden ist. „Wir müssen uns angesichts der großen Nachfrage nun aber darauf konzentrieren, dass insbesondere diejenigen gegen die Grippe geimpft werden, die ein besonders hohes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben“, mahnte Ministerin Carola Reimann (SPD).

Wie ist die Lage bei der Impfstoffversorgung?

Nach Angaben der KVN sind die ersten 1,2 Millionen Impfstoffdosen im Land bereits ausgeliefert - von ursprünglich rund 1,4 Millionen Dosen. „Wer jetzt keine Impfung bekommt, sollte sich etwas gedulden - wir rechnen mit Nachschub“, sagte der Sprecher. Dem Bund sei es gelungen, noch Impfstoff aufzutreiben, bis Mitte November könnten damit insgesamt 2,5 bis 2,6 Millionen Impfstoffdosen zur Verfügung stehen. Klare Angaben zur Menge und zum Lieferzeitpunkt gebe es aber bisher nicht.

Zusätzliche Impfstoffdosen sind bereits unterwegs.

Wagenknecht vom Hausärzteverband sagte, man erwarte in Niedersachsen zusätzlich etwa eine Million Impfdosen bis Mitte oder Ende November. Laut Ministerium sind vom Bund beschaffte sechs Millionen Impfdosen für das gesamte Bundesgebiet noch nicht ausgeliefert worden.

Warum ist der Impfstoff knapp?

Bereits im Januar hätten die Arztpraxen den Impfstoff vorbestellt, sagte der Sprecher der KVN. Nur: Damals wusste noch niemand von der Coronavirus-Pandemie und davon, wie problematisch es sein könnte, Patienten mit Covid-19, der Grippe und Erkältungen gleichzeitig in den Praxen zu haben. Der Impfstoff ist daher in diesem Jahr besonders begehrt und regional knapp - und zwar eher in Städten als auf dem Land, wie der Sprecher sagte.

In der vergangenen Grippe-Saison seien rund 1,2 Millionen Menschen geimpft worden. Das bedeute, selbst wenn sich diese Zahl verdopple, sollte der Impfstoff ausreichen. Wagenknecht sagte, einige Hausärzte seien bei den Bestellungen zurückhaltend gewesen, weil es schon Regresszahlungen wegen nicht gespritzter Impfstoffe gegeben habe.

Wer sollte sich impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission des Bundes empfiehlt vor allem Menschen über 60, Schwangeren und chronisch Kranken, sich gegen die Grippe impfen zu lassen. Aber auch medizinisches Personal und Menschen, die Risikopatienten in ihrem Umfeld anstecken könnten, sollten sich impfen lassen, ebenso Menschen, die viel Kontakt zu anderen Menschen und damit ein höheres Risiko haben, sich und andere anzustecken.

Die Symptome von Grippe, Erkältung und Covid-19 sind zum Teil sehr unterschiedlich.

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten der Impfung für alle, denen sie von der Impfkommission empfohlen wird. Einige Krankenkassen bieten nach Angaben des Ministeriums allen Versicherten die Übernahme der Kosten an.

Und wenn man keine Grippeimpfung mehr bekommt?

Dann dürfte der Einzelne möglicherweise verunsichert sein, habe aber eigentlich keinen Grund dazu, sagte Wagenknecht. Bundesweit gebe es 27 Millionen Impfstoffdosen, würden alle gespritzt, hätte es das Virus schwer, sich auszubreiten, weil etwa ein Drittel der Bevölkerung geschützt sei.

Weil mehr Menschen als sonst wegen einer Grippeimpfung zum Arzt gegen, kommt es mancherorts zu Engpässen.

Und: „Wenn wir uns an die Corona-Maßnahmen halten, beugen wir auch der Influenza vor.“ Das habe der Lockdown gezeigt, Ende März habe es keine Grippewelle mehr gegeben. „Ich vermute mal, wir werden keine starke Grippewelle sehen“, sagte Wagenknecht.

Soll in Apotheken geimpft werden?

Das soll laut Ministerium voraussichtlich ab Mitte bis Ende November geschehen. Bereits im September hätten theoretische Schulungen für Apotheker begonnen, in dieser Woche starte der praktische Teil, sagte eine Sprecherin der Apothekerkammer. Weitere Schulungen seien für November und Dezember geplant.

Nach Einschätzung von Wagenknecht gibt es genug Impfstellen, die Apotheken werden dafür aus seiner Sicht nicht gebraucht. Die Verfügbarkeit des Impfstoffs werde damit nicht verbessert. Er räumte ein, dass das Thema zwischen Ärzten und Apothekern ein heißes Eisen sei - es gehe immer um die Zuordnung von Kompetenzen, Haftungsfragen und am Ende auch um Geld.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte / picture alliance / dpa

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