Rückruf von Fertig-Frikadellen

Nach Listerien-Befall: Behörde lässt weiteren Betrieb stilllegen

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Nach Bekanntwerden eines Listerienverdachts in Fertig-Frikadellen ruht die Produktion in dem betroffenen Betrieb. Bislang ist unklar, wie die Listerien in die Produktion gekommen sind.

In Niedersachsen ruft die Firma Fleisch-Krone-Feinkost GmbH  abgepackte Fertig-Frikadellen zurück, die an Supermärkte von Rewe und Norma geliefert wurden. Noch ist unklar, wie die Erreger in den Betrieb gelangt sind.

  • Listerien-Befall von Fertig-Frikadellen in Goldenstedt
  • Betrieb von Fleisch-Krone-Feinkost ruht nach Bakterienfund
  • Rückruf von Frikadellen von Rewe und Norma
  • Weiterer Betrieb in Essen (Oldenburg) stillgelegt

Update, 6. November: Bei Untersuchungen nach einem Listerien-Verdachtsfall in einer Fleischfirma in Goldenstedt (Landkreis Vechta) ist ein weiterer Betrieb vorläufig stillgelegt worden. 

Nach einer Kontrolle des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in der Firmenzentrale in Essen (Kreis Cloppenburg) habe die Behörde auch hier das Ruhen der Betriebszulassung angeordnet, sagte eine Sprecherin des Verbraucherschutzministeriums am Mittwoch in Hannover.

Niedersachsen: Keine Listeriose-Fälle im Zusammenhang mit Fleisch-Krone Feinkost

Ministerium und Landesamt prüften gemeinsam den Entzug der Betriebszulassung, weil die Zuverlässigkeit des Unternehmers in Frage gestellt werde. Der Unternehmer habe nicht belegen können, dass er bei Eigenkontrollen festgestellte Listerien-Funde der amtlichen Lebensmittelkontrolle gemeldet hatte. Dazu war er nach Verstößen gegen Hygienevorschriften verpflichtet worden.

Ob weitere belastete Produkte in den Handel gekommen sind, wird nach Angaben des Ministeriums noch geprüft. Nach wie vor seien für Niedersachsen keine Listeriose-Fälle im Zusammenhang mit der Firma Fleisch-Krone Feinkost aus dem Oldenburger Land bekannt.

Unter Druck der Behörden hatte das Unternehmen am vergangenen Freitag den Rückruf von Fertigfrikadellen wegen Verunreinigungen mit Listerien veranlasst. Die Betriebserlaubnis für die Produktionsstätte in Goldenstedt (Kreis Vechta) war deswegen vorübergehend ausgesetzt worden. Inzwischen hat das Landesamt gegen Verantwortliche der Firma bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige eingelegt.

Nach Listerien-Befall: Strafanzeige gegen gestellt

Update, 5. November:Die Staatsanwaltschaft in Oldenburg wird sich mit den Listerien-Verdachtsfällen der Fleischwarenfabrik Fleisch-Krone-Feinkost GmbH aus dem Kreis Vechta beschäftigen. Das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) habe eine Strafanzeige gegen das Unternehmen gestellt, teilte Niedersachsens Verbraucherschutzministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) am Dienstag mit.

Update, 17.30 Uhr: Der Listerienfall bei Fleisch-Krone-Feinkost im Kreis Vechta ist bei einer Routinekontrolle der Behörden aufgefallen. Der Kreis und das Landesamt für Verbraucherschutz entdeckten die mit den Bakterien belasteten Rückstellproben am Freitag bei einem Besuch, bei dem die Zulassungsvoraussetzungen für das Unternehmen überprüft werden sollten. Das sagte der Sprecher des Landkreises Vechta, Jochen Steinkamp, am Montag.

Lebensmittelkontrolleure untersuchen nun einen weiteren Betrieb des Unternehmens. Am Montagvormittag seien Mitarbeiter des Landkreises für Kontrollen an den Unternehmenssitz im oldenburgischen Essen gefahren, sagte ein Sprecher des Kreises Cloppenburg. 

"Gravierende Hygienemängel wurden nicht festgestellt", sagte ein Sprecher des Landkreises. Es sei bei der Unternehmenszentrale von Fleisch-Krone Feinkost auch kein belastendes Material gefunden worden. Allerdings waren den Behörden in den vergangenen Monaten die Betriebsstätten des Unternehmens in Essen und in Goldenstedt negativ aufgefallen. Der Landkreis hatte Anfang des Jahres die Goldenstedter Filiale auf dem "Hygiene-Pranger" des Landes veröffentlicht.

Listerien-Befall in Goldenstedt: Rückruf von Fertig-Frikadellen

Erstmeldung, 4. November: Nach Bekanntwerden eines Listerien-Befalls in Fertig-Frikadellen steht die Produktion bei Fleisch-Krone-Feinkost in Goldenstedt im Kreis Vechta still. Das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Niedersachsen ordnete das Ruhen der Zulassung für den betroffenen Betrieb an. Dort wurden Listerien nachgewiesen. Noch ist unklar, wie die Erreger in den Betrieb gelangt sind.

Fertig-Frikadellen aus Goldenstedt zurückgerufen

Die Firma Fleisch-Krone-Feinkost GmbH hatte am Freitagabend abgepackte Fertig-Frikadellen zurückgerufen, die an Supermärkte von Rewe und Norma geliefert wurden. Vom Verzehr der Produkte werde dringend abgeraten, hieß es. Um wie viele Packungen genau es sich handelt, konnte ein Vertreter der Firma am Sonntag nicht sagen.

Listerien (Listeria monocytogenes) sind in der Natur vorkommende Bakterien, sie können der Auslöser für Listeriose sein - daran erkranken aber nur wenige Menschen. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektionskrankheit meist unauffällig oder nimmt einen harmlosen Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen. Gefährlich ist die Infektion für abwehrgeschwächte Menschen und Schwangere.

Die Sprecherin des Landesamtes für Verbraucherschutz, Hiltrud Schrandt, sagte, bereits am Freitagabend sei das Ruhen der Zulassung für den betroffenen Betrieb angeordnet worden. „Damit ist gesichert, dass dort derzeit nichts raus geht“, sagte sie.

Betrieb in Goldenstedt steht still

Die Anordnung gelte für den Standort Goldenstedt (Kreis Vechta) der Fleisch-Krone-Feinkost GmbH, sagte die Sprecherin des niedersächsischen Verbraucherschutzministeriums, Sabine Hildebrandt. Der zweite Betrieb der Firma in Essen bei Oldenburg sei davon nicht betroffen.

Der Gesamtbetriebsleiter für Produktion der Firma Fleisch-Krone-Feinkost GmbH, Thomas Rolf, sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Wir haben am Freitag gemeinsam entschieden, die Produktion dort einzustellen, bis klar ist, über welchen Weg die Listerien in den Betrieb gelangt sind.“ Dabei werde eng mit den Behörden zusammengearbeitet. Der Vorfall sei bei Eigenkontrollen festgestellt worden. Nun werde versucht, den Bakterienstamm genauer zu bestimmen und zu identifizieren, wo dieser schon einmal aufgetreten sei.

Vergleichbare Rückrufe wegen Listerien habe sein Unternehmen bisher nicht gehabt, sagte der Produktionsleiter. Ein Rückruf von Hähnchenschnitzeln wegen möglicher Glassplitter im April diesen Jahres habe sich im Nachhinein als „fake news“ herausgestellt.

Das Unternehmen beliefert auch die Gastronomie. Der Produktionsleiter betonte aber, betroffen von dem Rückruf seien nur die an Supermärkte gelieferten Produkte einzelner Chargen.

Listerien-Befall: Diese Produkte sind betroffen

Dabei handelt es sich um „ja! Frikadellenbällchen“ (500 Gramm-Packung) mit den Mindesthaltbarkeitsdaten 05.11.2019 und 20.11.2019, die bei Rewe in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen verkauft wurden.

Außerdem betroffen sind die Artikel „Gut Bartenhof Frikadelle Klassik“ und „Gut Bartenhof Frikadellenbällchen“ (Chargen-Nummern 97812 und 97813, Mindesthaltbarkeitsdatum 05.11.2019). Diese wurden an Norma-Filialen in Aichach (Bayern), Rossau (Sachsen), Ahrensfelde (Brandenburg), Dettingen (Baden-Württemberg), Rheinböllen (Rheinland-Pfalz) und Kerpen (Nordrhein-Westfalen) geliefert.

Die Zahl der Fälle an invasiver Listeriose schwankt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts und lag zwischen 2005 und 2014 bei mehreren Hundert Fällen jährlich. Im Durchschnitt enden sieben Prozent der Erkrankungen tödlich.

Warum ist ein Rückruf bei Listerien so dringend?

Bei gesunden Menschen können Listerien grippeähnliche Symptome auslösen. Bei Risikogruppen können Listerien jedoch tödlich sein - zu den besonders gefährdeten gehören Ältere und Schwangere. Die Bakterien hatten zuletzt im Zusammenhang mit dem hessischen Wursthersteller Wilke Schlagzeilen gemacht. Dort waren Produkte ebenfalls mit Listerien belastet; drei Todesfälle werden damit in Verbindung gebracht.

dpa

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