Ergebnisse werden noch bewertet

Erster Corona-Reihentest in Niedersachsen: 3 von 1000 Personen infiziert - keine Entwarnung

Mehr als 2000 Menschen wurden im Landkreis Aurich (Niedersachsen) auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet. Erste Ergebnisse liegen vor, die Ärzte mahnen weiter zur Vorsicht.

  • Corona in Niedersachsen: Reihentest hilft bei Einschätzung der Corona-Pandemie
  • Drei Covid-19-Infizierte bei Reihentest im LK Aurich und Emden
  • Weiterer Covid-19-Reihentest in Bevölkerung geplant

Update, 8. Mai: Bei einem Corona-Reihentest von rund 1000 Menschen im Landkreis Aurich und in der Stadt Emden sind drei Infektionen mit dem Sars-CoV-2-Virus entdeckt worden. Dies teilte der Landkreissprecher am Freitag mit. Die betroffenen Menschen arbeiten demnach im medizinischen Bereich, keiner von ihnen hatte einen Hausarzt aufgesucht oder um einen Test gebeten.

Freiwilliger Corona-Test in Ostfriesland - medizinisches Personal getestet

Mit den freiwilligen Corona-Tests wollte der Landkreis Hinweise darauf erhalten, wie verbreitet das Virus in der hiesigen Bevölkerung ist. Ein weiteres Ziel der nicht repräsentativen Studie war, herauszufinden, ob freiwillige Tests für Fachkräfte im medizinischen Bereich realisierbar sind. Der Großteil der freiwillig getesteten Frauen und Männer arbeitet in Pflegeeinrichtungen und Kliniken.

Die beiden für die Studie verantwortlichen Ärzte verwiesen in einer Stellungnahme darauf, dass die Ergebnisse vorläufig seien und aufgearbeitet und abschließend bewertet werden müssten. Die niedrige Zahl an entdeckten Corona-Infektionen deute darauf hin, dass es möglicherweise keine kritische Häufung von unerkannten Fällen beim medizinischen Personal in Ostfriesland gebe. Ein freiwilliges Angebot für Tests sei möglich, die nötigen Mitarbeiter seien in kurzer Zeit gefunden worden. Aus Sicht der Ärzte sind viele und zielgerichtete Tests ein Beitrag zum Gesundheitsschutz der Menschen in Ostfriesland.

Nach Reihentest: Corona-Krise längst noch nicht überwunden

Vertreter des Landkreises Aurich und der Stadt Emden zeigten sich mit den Testergebnissen zufrieden. Sie seien eine gute Grundlage für politische Entscheidungen zu Kontaktbeschränkungen. Aber: „Die Zahlen sind so gut, weil die Regeln so gut waren und die Menschen sie befolgt haben“, sagte der Auricher Kreis-Gesundheitsdezernent Frank Puchert. Er warnte davor, die Gesamtlage zu positiv zu bewerten, denn die Corona-Krise sei noch längst nicht überwunden. Ihm zufolge ist entscheidend, wie sich die Lage zum Herbst hin entwickelt.

Der Landkreis Aurich übernimmt die Kosten von rund 60.000 Euro für den Reihentest. Das Geld sei sinnvoll investiert, sagte Landrat Olaf Meinen (parteilos). Voraussichtlich für Anfang Juni ist eine weitere Reihenuntersuchung geplant. Dann soll der Fokus nicht mehr auf risikobehafteten Bereichen wie Pflegeeinrichtungen und Kliniken liegen, sondern auf der Gesamtbevölkerung. Unter wissenschaftlicher Begleitung sollen rund 1000 Personen getestet werden. (dpa)

Erster Corona-Reihentest in Niedersachsen läuft an

Erstmeldung, 20. April: Aurich - Von Linda Vogt. Wie sich das Coronavirus in der gesamten Bevölkerung verbreitet, ist nicht wirklich klar. Die Fallzahlen geben nur die laborbestätigten Fälle in Niedersachsen wieder - und nicht jeder wird getestet. Der Landkreis Aurich führt nun Reihenuntersuchungen durch und will damit Licht auch in die Dunkelziffer bringen. Warum er dafür Zehntausende Euro ausgibt und was für Kritiker dagegen spricht.

Corona-Reihentest in Niedersachsen: Wer soll getestet werden?

Wohl mehr als 2000 Menschen in zwei Schritten: Seit Donnerstag bis in die folgende Woche hinein sollen im Landkreis Aurich und der Stadt Emden bei mindestens 1000 Freiwilligen Rachenabstriche gemacht werden. Der Fokus liege auf Mitarbeitern von Kliniken und Pflegeeinrichtungen, sagte der Gesundheitsdezernent des Kreises, Frank Puchert (parteilos). Für eine Vergleichsgruppe seien Firmen angeschrieben worden, deren Mitarbeiter sich testen lassen können.

In dem erst nachträglich beschlossenen zweiten Schritt sollen voraussichtlich im Mai auch mindestens 1000 Bürger auf das Sars-CoV-2-Virus getestet werden. Dabei soll ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung erreicht werden. Die Details müssten noch mit einem Statistiker geklärt werden, hieß es. Der Landkreis Aurich trägt gemäß aktueller Planung die Kosten. Allein die erste Phase soll den Angaben zufolge rund 60.000 Euro kosten.

Corona-Reihentest im Landkreis Aurich: Was versprechen sich die Verantwortlichen davon?

Die Corona-Tests können laut einem Kreissprecher eine Momentaufnahme liefern: „Wie valide sind denn die Zahlen, die uns vorliegen? Welche Grundlage haben wir für die Entscheidungen, die wir jetzt zu treffen haben bezüglich möglicher Lockerungen oder Nicht-Lockerungen?“ Der Landkreis Aurich an der Nordseeküste, zu dem auch die Inseln Norderney, Juist und Baltrum gehören, hatte besondere Regelungen aufgestellt: Über Wochen durften nur Menschen mit erstem Wohnsitz oder Arbeitende auf die Inseln. Externe Wohnmobile waren an Ostern im Kreis tabu.

Corona-Reihentest in Niedersachsen: Wie ist die Lage in der Region?

Im Landkreis Aurich waren es am Freitag (Stand 13.00 Uhr) 37,9 bestätigte Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohner, in Emden 30. „Die Zahlen bei uns sind unauffällig im Moment und wenn sich das bestätigt, kann das ja schon hilfreich sein bei den Entscheidungen, die wir künftig treffen müssen“, so Puchert.

Im Landkreis Aurich sollen mehr als 2000 Menschen auf eine Covid-19-Erkrankung getestet werden. Es gibt viele kritische Stimmen.

Corona-Reihentest im Landkreis Aurich: Was sagen Kritiker?

Beim niedersächsischen Gesundheitsministerium sieht man eine Durchführung derartiger Reihentests im ganzen Land laut einem Sprecher kritisch. Die Hauptkriterien für einen Test seien auf Grundlage der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) das Auftreten von Symptomen sowie der Kontakt mit Covid-19-Erkrankten. Es sei nur bedingt sinnvoll, im großen Maßstab Menschen ohne Symptome zu testen: „Jemand, der heute negativ getestet wurde, kann am nächsten Tag dennoch positiv werden.“ Reihentests würden erst eine größere Rolle spielen, wenn die ersten verlässlichen und exakten Antikörpertests verfügbar sind, um zu sehen, wie viele immun sind, berichtet kreiszeitung.de*.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen verweist auf die Vorgaben des RKI. „Es gibt immer die eine Seite des Sinnvollen und die andere Seite des Machbaren. Sinnvoll ist es natürlich, wenn man die gesamte Bevölkerung der Bundesrepublik testen könnte“, so ein Sprecher. Das sei aber „absolut utopisch“. Die Frage sei auch, was aus den Erkenntnissen resultiere. „Wenn man konsequent wäre, müsste man sagen, man müsste die Menschen dann auch in Quarantäne schicken.“

Corona-Reihentest im Landkreis Aurich: Was spricht dafür?

Die Wissenschaftsakademie Leopoldina hatte in einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Stellungnahme hingegen darauf hingewiesen, dass die bisher stark symptomgeleiteten Datenerhebungen zu einer verzerrten Wahrnehmung des Infektionsgeschehens führten. Es sei daher wichtig, die Erhebung zu verbessern, „insbesondere durch repräsentative und regionale Erhebung des Infektions- und Immunitätsstatus.“

Corona-Reihentest: Gibt es anderenorts vergleichbare Vorgehen?

In Nordrhein-Westfalen untersuchen Virologen, wie sich das Coronavirus im besonders betroffenen Kreis Heinsberg ausgebreitet hat. Getestet werden sollen rund 1000 Menschen. Die Studienmacher nehmen neben Rachenabstrichen auch Blutproben. In München wollen Forscher rund 4500 zufällig Ausgewählten Blut abnehmen, um es auf Antikörper zu untersuchen.

dpa

*kreiszeitung.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa

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