Mögliches Comeback im November

Corona-Sorgentelefon vorerst beendet: Von Verzweiflung bis Suizidgedanken

Eine Frau nutzt ein Festnetz-Telefon.
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Das Angebot des Corona-Sorgentelefons endet vorerst.

Viele Menschen in Niedersachsen hat die Corona-Krise stark getroffen. Die christlichen Kirchen haben deswegen eine spezielle Corona-Telefonseelsorge eingerichtet. Doch aktuell wird es pausiert.

Hannover - Das Corona-Sorgentelefon der Kirchen in Niedersachsen hat viel Zulauf erhalten. Das Angebot jetzt seit einigen Tagen beendet - bei einer weiteren Verschärfung der Gesamtlage kann sich das Seelsorger-Team allerdings auch vorstellen, die Hotline im November und Dezember erneut anzubieten. Das Angebot wurde vor dem Hintergrund gestiegenen Infektionszahlen und Erkrankungen von Altersheimbewohnern ins Leben gerufen.

Doch mit was für Sorgen melden sich Menschen aus Niedersachsen dort? Und sind es tatsächlich vor alle die Älteren, die unter Corona leiden? Anita Christians-Albrecht ist Pastorin in der Landeskirche Hannover, Projektleiterin und arbeitet selbst als Seelsorgerin am Hörer.

Frau Christians-Albrecht, wer ruft denn bei der Hotline an?
Das ist querbeet. Wir haben auch viele Jüngere. Zum Beispiel hatten wir einen jungen Familienvater, der in der Corona-Krise in Kurzarbeit ist und bei dem es zu Hause Konflikte in der Familie gibt. Gerade jetzt auch aktuell in den Herbstferien, wenn alle aufeinander hocken in relativ begrenzten Wohnverhältnissen.
Und mit was für Sorgen kommen die Leute zu Ihnen? 
Es gibt alte Menschen, die vor allen Dingen unter Einsamkeit leiden. Aber auch junge Menschen, die genauso darunter leiden. Es gibt psychisch Kranke, die anrufen und jetzt in der Corona-Zeit viel weniger Möglichkeiten haben, ihre Sorgen zu besprechen. Es gibt auch Trauernde. Und es gibt Leute, die Angehörige im Heim haben und diese nicht oder nur noch sehr eingeschränkt besuchen durften. Da kommen eigentlich alle Lebensfragen vor.
Gibt es ein Beispiel, das sie besonders berührt hat?
Da war dieser Mann, der in Kurzarbeit war. Die Kinder waren auch zu Hause und seine Frau war psychisch angeschlagen. Und die mussten jetzt irgendwie versuchen, ihr Leben zu organisieren. Dass da Konflikte aufbrechen, ist ganz klar. Das hat mich schon sehr berührt. Und dann gab es eine Lehrerin, die gesagt hat: „Woher kriege ich eigentlich die Kraft?“ Sie musste ganz viel investieren an Kraft für ihre Familie, ihre Schüler und für die Eltern der Schüler. 
Was ist mit jungen Leuten?
Es gibt auch junge Menschen, die anrufen und im Moment keine Perspektive sehen. Da war Verzweiflung bis zur Suiziddrohung zu spüren.
Was macht man in einer Situation, in der ein Anrufer mit Suizid droht?
Das ist nicht so pauschal zu beantworten. Man hört erst mal zu. Und meistens erlebt man, dass im Gespräch schon so eine Entlastung stattfindet. Wenn man weiß, dass eine längere Betreuung nötig ist, dann vermittelt man die. Die Anrufe sind aber anonym. Deswegen können wir jetzt nicht die Polizei da hinschicken, wenn derjenige das nicht will - aber auch das kann man natürlich versuchen, zu vereinbaren. Wir können erstmal allen Anrufern nur zuhören und versuchen, eine Entlastung zu schaffen.
Das Angebot ist vorerst beendet. Gibt es schon Pläne, dass die Hotline weitergeführt wird?
Wir können uns ganz gut vorstellen, dass wir im November und Dezember noch mal die Aktion aufleben lassen, wenn sich die Situation noch verschärft.
Pastorin Anita Christians-Albrecht ist die Projektleiterin der Corona-Telefonseelsorge

Zur Person

Anita Christians-Albrecht ist Pastorin, hat drei erwachsene Kinder und ist Beauftragte für Altenseelsorge bei der Landeskirche Hannover. Sie ist Projektleiterin der Corona-Telefonseelsorge.

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