Corona-Impfungen

Impf-Skandal in Friesland: Betroffene treten zum Antikörper-Test an

Nach dem im Landkreis Friedland eine DRK-Mitarbeiterin statt des Impfstoffes von Biontech eine Kochsalzlösung verwendet hat, werden jetzt 117 Personen überprüft.

Update vom 5. Mai 2021, 8:35 Uhr: Jever/Varel (Niedersachsen*) Nach den Impfungen mit Kochsalzlösung im Landkreis Friesland sollen mögliche Betroffene an diesem Mittwoch, 5. Mai 2021, auf Antikörper getestet werden. Mit den Tests solle überprüft werden, ob die Personen bereits eine erste Impfung gegen Covid-19 bekommen haben, sagte eine Landkreissprecherin. Dazu hat der Landkreis 117 Personen zu einer Blutabnahme nach Jever (10:00 Uhr) und Varel (16:00 Uhr) eingeladen. Die Blutproben werden an das Landesgesundheitsamt geschickt. Ergebnisse werden in den kommenden Tagen erwartet.

Kreisstadt in Niedersachsen:Jever (Landkreis Friesland)
Fläche:42,12 Quadratkilometer
Einwohner:14.413 (Stand: 31. Dezember 2019)
Vorwahl:04461
Bürgermeister:Jan Edo Albers (parteilos)

Die Überprüfung der Impfung ist notwendig, da eine Mitarbeiterin des Impfzentrums eingeräumt hatte, sechs Spritzen statt mit Biontech-Impfstoff nur mit Kochsalzlösungen gefüllt zu haben. Nach Behördenangaben war ihr beim Anmischen des Vakzins ein Fläschchen mit Biontech heruntergefallen, was sie vertuschen wollte.

Eine Krankenschwester des Impfzentrums in Friesland hat gestanden, Spritzen nicht mit Biontech-Impfstoff, sondern mit Kochsalzlösungen gefüllt zu haben.

Update vom 27. April 2021, 12:08 Uhr: Jever (Niedersachsen) – Nachdem eine DRK-Mitarbeiterin des Impfzentrums in Friesland gestanden hat, Spritzen mit Kochsalzlösungen statt dem Biontech-Impfstoff gefüllt zu haben, wird der Fall aktuell aufgearbeitet.

Bis auf 13 Menschen hat der Landkreis Friesland alle der 416 möglichen Betroffenen kontaktiert, wie eine Kreissprecherin am Montagabend in Jever mitteilte. Diejenigen, die zu einer bestimmten Zeit im Impfzentrum waren, sollen am 5. Mai einen Antikörpertest bekommen. Das sind nach Angaben des Kreises 200 Menschen, bei denen so geprüft wird, wer keinen Impfstoff erhielt und bei wem die Impfung deshalb am 12. Mai nachgeholt werden muss.

Am Sonntag war bekannt geworden, dass die Impfzentrums-Mitarbeiterin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Schortens eingeräumt hatte, sechs Spritzen statt mit Impfstoff nur mit Kochsalzlösung gefüllt zu haben. Nach Behördenangaben war ihr beim Anmischen des Vakzins ein Fläschchen mit Biontech heruntergefallen, was sie vertuschen wollte.

Seit Bekanntwerden des Falles hätten sich bis Montagmittag etwa 100 Betroffene über eine eingerichtete Rufnummer des Landkreises beim Krisenstab gemeldet, sagte die Kreissprecherin. Die Personen seien in Sorge, aber auch dankbar, dass ihre Impfungen nun zeitnah überprüft würden.

Unterdessen gehen auch die Ermittlungen der Polizei weiter. Es gehe weiterhin um ein mögliches Körperverletzungsdelikt, sagte eine Polizeisprecherin in Wilhelmshaven. Erste Vernehmungen seien am Wochenende geführt worden. Deren Auswertung dauere an - welche weiteren Ermittlungsschritte, etwa weitere Vernehmungen, nun eingeleitet werden, solle in Absprache mit der Staatsanwaltschaft abgestimmt werden. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg prüfe auch die strafrechtliche Relevanz des Falles.

Von einer examinierten Krankenschwester kann erwartet werden, auch unter Druck richtige Entscheidungen zu treffen.

Sven Ambrosy (SPD), Landrat Friesland

Landrat Sven Ambrosy (SPD) spricht von einem tragischen Fall. „Von einer examinierten Krankenschwester kann erwartet werden, auch unter Druck richtige Entscheidungen zu treffen“, sagte der Politiker der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ am Dienstag. „Ihr Motiv war klar, den Vorfall zu vertuschen.“ Druck in der medizinischen Branche sei oft ein Problem, das bedeute aber nicht, dass sich Personal zu strafbaren Handlungen hinreißen lassen dürften: „Es bleibt ein Fehlverhalten.“ Eine examinierte Krankenschwester müsse wissen, „was sie im Zweifelsfall anrichtet“.

Die Polizei gehe von einem Einzelfall aus, von einer Krankenschwester, die spontan falsch gehandelt habe. „Doch so etwas können wir uns beim besten Willen nicht leisten, da es um die Gesundheit von Menschen geht“, sagt der SPD-Politiker.

Corona-Skandal in Friesland: Mitarbeiterin des Deutschen Roten Kreuz gesteht Impf-Austausch

Erstmeldung vom 25. April 2021, 11:19 Uhr: Schortens (Niedersachsen) – Im Landkreis Friesland ist eine DRK-Mitarbeiterin in einen Corona-Skandal verwickelt. Die Angestellte des Impfzentrums Friesland soll in sechs Fällen den Biontech-Impfstoff* mit einer Kochsalzlösung ausgetauscht haben.

Unglaubliches Detail: Nach Angaben der Polizei soll die Mitarbeiterin angegeben haben, dass ihr eine Ampulle des Impfstoffes heruntergefallen ist und sie diese durch Kochsalzlösung ersetzt habe.

DRK-Mitarbeiterin des Deutschen Roten Kreuz beichtet den Corona-Skandal in Friesland einer Kollegin

Ans Licht kam der bereits drei Tage zurückliegende Austausch im Impfzentrum erst, nachdem die Mitarbeiterin des Deutschen Roten Kreuz am Samstag einer Kollegin den Vorfall gebeichtet hat. Als die Polizei von der Aktion erfuhr, startete sie umgehend die Ermittlungen. Die Mitarbeiterin des Impfzentrums wurde genauso verhört wie eine Zeugin im Impfzentrum.

Corona-Skandal: Laut einer Polizeimeldung injizierte eine Mitarbeiterin bei mehreren Impfungen Kochsalzlösung.

Der Polizei gegenüber erklärte die verdächtige DRK-Mitarbeiterin, dass sie die Spritzen mit Kochsalzlösung aufgezogen habe, um über den Vorfall der heruntergefallenen Biontech-Ampullen* nicht zu informieren. Als medizinische Mitarbeiterin musste die Frau die Spritzen für die Corona-Impfungen vorbereiten.

DRK-Kreisverband kündigt der tatverdächtigen Frau fristlos

Erst Anfang des Jahres nahm die etwa 40-jährige Frau ihren Dienst für das Impfzentrum Friesland auf. Ihr Engagement im niedersächsischen Schortens findet nun allerdings ein schnelles Ende.

Nach Angaben des DRK-Kreisverbandes wurde der Mitarbeiterin fristlos gekündigt. Laut dpa-Informationen ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Oldenburg: Im Raum steht der Verdacht der Körperverletzung.

Impf-Skandal in Jever: Für die Geimpften besteht keine Gesundheitsgefährdung

Für die sechs Personen, die mit der Kochsalzlösung geimpft wurden, besteht keinerlei gesundheitliche Gefährdung oder gar Lebensgefahr.

Bisher konnte noch nicht ermittelt werden, welche Personen die Kochsalzlösung erhalten haben. Der Landkreis Friesland macht sich nun auf zum Großeinsatz: 200 Personen müssen kontaktiert und getestet werden. Mithilfe eines Antikörpertests soll festgestellt werden, welche Personen tatsächlich die Biontech-Impfung erhalten haben.

Impf-Skandal in Friesland: Gesundheitsministerin „fassungslos“

Auch Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens hat sich mittlerweile zum Impf-Skandal geäußert. „Ich bin fassungslos und erschüttert über die Handlungen dieser Frau. Es handelt sich um ein schweres Vergehen“, sagte die SPD-Politikerin zu diesem Corona-Skandal* am Sonntag in Hannover. Behrens bezeichnete die Tat als „abscheulich“.

Auch der friesländische Landrat Sven Ambrosy zeigte sich geschockt über den Vorgang und fordert stärkere Kontrollen in Impfzentren. Das Vier-Augen-Prinzip solle künftig sicherstellen, dass solche Vorfälle sich nicht wiederholen, sagte Ambrosy.

Unterdessen schlägt der Hamburger Senat Alarm*: Fast ein Drittel der positiven Schnelltest-Ergebnisse seien falsch, berichtet der Senat. * nordbuzz.de, merkur.de , hna.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/ dpa

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