Expertengespräch

Sport nach Corona-Pause: So schützen Sie sich vor Verletzungen

Unsere Autorin hat sich beim ersten Basketball-Spiel nach der Corona-Pause verletzt. Wie lassen sich solche Verletzungen vermeiden? Das raten Experten. 

Bremen - Mehr als sieben Monate habe ich darauf gewartet, endlich wieder mit meinem Team Basketball trainieren zu können. Während nur Individualtraining möglich war, habe ich an meiner Wurftechnik gefeilt.

Vergangene Woche war es endlich so weit. Sonne, Hitze, Training auf dem Freiplatz. Doch nun ist das erst einmal für einige Wochen oder sogar Monate vorbei, denn ich bin umgeknickt und habe mir das Außenband angerissen.

Sportverletzungen sind aktuell keine Seltenheit. Fitnessstudios sind wieder geöffnet, Mannschaften dürfen endlich wieder zusammen trainieren. Viele Menschen sind motiviert, wieder richtig durchzustarten und dabei nicht wenig enthusiastisch. Schließlich war seit November 2020 kein Mannschafts- oder Gruppensport möglich und auch die Fitnessstudios geschlossen.

Die Verletzungsgefahr steigt nach einer längeren Sportpause - auch bei Profis. (Symbolbild)

Sport nach Corona-Pause: Das sind die häufigsten Fehler bei Wiedereinstieg

Dr. Peter Hoos, orthopädischer Teamarzt für die EWE Baskets Oldenburg sieht besonders für Menschen, die Amateursport betreiben ein Risiko für Verletzungen nach Corona-Pause. „Profis haben weiter trainiert und hatten trotzdem Wettkampfsituationen“, erklärt er im Gespräch mit kreiszeitung.de. „Die EWE-Baskets hatten normal Training und Spiele, nur eben ohne Besuch. Die Belastung war wie immer“, erläutert er. Besonders aufgefallen sei es ihm in seiner Praxis in Oldenburg: „Wir haben gerade besonders viele Patientinnen und Patienten mit Muskel- und Bandverletzungen. Das ist sehr auffällig.“

Während der Pause haben viele an Gewicht zugenommen, durchschnittlich etwa 5 Kilo. 

Dr. Peter Hoos, orthopädischer Teamarzt für die EWE-Baskets in Oldenburg

Die Gründe dafür sind seines Erachtens vielfältig: „Während der Pause haben viele an Gewicht zugenommen, durchschnittlich etwa 5 Kilo. Das ist eine potenzielle Verletzungsproblematik.“ Hinzu käme, dass die meisten sportlich direkt wieder dort einsteigen wollen, wo sie aufgehört haben. Die Muskulatur habe dann aber abgenommen und auch die Sehnen haben sich an die niedrige Belastung angepasst.

„Wenn jemand mit einer sehr hohen Intensität anfängt, kann es schnell zu Überlastung und Verletzungen kommen“, weiß der Orthopäde. Auch die falschen Schuhe können das Verletzungsrisiko erhöhen: „Laufschuhe etwa müssen alle zwei bis drei Jahre gewechselt werden“, rät der Sportmediziner.

In der Corona-Pause sind ihm andere Verletzungen aufgefallen. Die Menschen hätten bei Home-Workouts zu viel einseitig trainiert, vor allem durch die fehlende Anleitung und Kontrolle einer Trainerin oder eines Trainers. „Wir hatten viele Patientinnen und Patienten mit Schulter-Verletzungen oder Achilles-Sehnen-Problemen“, sagt Hoos.

So vermeiden Sie Verletzungen nach einer längeren Sport-Pause

  • Das rät Orthopäde und Sportmediziner Dr. Peter Hoos:

    - Loslegen: Trotz Verletzungen ist Sport und Bewegung unglaublich wichtig, gerade wenn Menschen viel sitzen.
    - Anfangen, aber langsam: Rad fahren, schwimmen gehen oder Walken und nicht direkt losjoggen.
    - Kraft- und Koordinationstraining: Koordination schulen und Muskeln langsam wieder aufbauen.
    - Nicht übertreiben: Auch bei Spielsportarten nicht direkt in die Spielsituation gehen und mit wenig Intensität beginnen.
    - Pausen: Dem Körper genug Zeit für Regeneration gönnen.

Sport nach der Pandemie: „Nach einer Pause einen komplett neuen Sport anzufangen, halte ich für schwierig“

Dr. med. Alberto Schek ist Sportmediziner und Orthopäde im sportmedizinischen Zentrum im Weser-Stadion in Bremen - der offizielle Partner von Werder Bremen. Generell rät der Mediziner von sportlichen Pausen ab. Wenn es doch einmal dazu gekommen ist, sei es wichtig, wieder in den gewohnten Sport einzusteigen.

„Nach einer Pause einen komplett neuen Sport anzufangen, halte ich für schwierig“, sagt der Sportmediziner. Auch die Frequenz sei wichtig: „Nicht direkt jeden Tag Sport machen und nicht übertreiben“. Das gelte auch fürs Fitnessstudio - Sportlerinnen und Sportler sollten die Intensität und Häufigkeit langsam steigern und nicht von 0 auf 100. Ein für die Sportart spezifisches Aufwärmtraining sei grundlegend und wichtig. Mit Kraftübungen den Körper vorzubereiten hält er auch für essenziell. Dazu empfiehlt er die Homepage www.fittoplay.org oder YouTube-Videos.

Wer nach der Corona-Pause wieder sportlich loslegen will, sollte vorsichtig sein.

Sport nach der Pandemie: Ideal ist eine Mischung aus Mannschaftssport, Lauf- und Krafteinheiten

„Auch Abwechslung ist wichtig. Eine Mischung aus Mannschaftssport, Lauf- und Krafteinheiten ist ideal“, sagt er. Pausen für die Regeneration des Körpers sind auch in seinen Augen besonders wichtig. Vom Bier nach dem Training rät er ab: „Alkohol hat einen negativen Einfluss auf die Regeneration von Muskelgewebe.“

Auch ihm ist aufgefallen, dass während des Lockdowns und danach die Sportlerinnen und Sportler mit unterschiedlichen Beschwerden in die Praxis kamen. „Während des Lockdowns haben viele Menschen das Joggen für sich entdeckt. Es ist ein sehr monotoner Sport.“ Schmerzen am Knie durch Überbelastung seien nicht selten ein Problem. „Momentan kommen mehr Mannschaftssportlerinnen, die umgeknickt sind und Probleme mit den Sehnen oder Bändern haben“, sagt Schek.

Wer eine Corona-Infektion oder Erkältung hatte, sollte vorsichtig sein: „Bevor jemand wieder mit Sport anfängt, sollte diese Person sich zu 100 Prozent fit fühlen“, rät er. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Anthony Anex/ dpa

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