„Sie hat um Hilfe gebettelt“

Nach Raubüberfall mit zwei Toten in Celle: Juwelier-Inhaber meldet sich erstmals zu Wort

In einem Juweliergeschäft mitten in der Altstadt von Celle stehen plötzlich zwei Bewaffnete - dann fallen Schüsse. Der Inhaber soll die beiden Angreifer tödlich getroffen haben - nun äußert sich der Inhaber erstmals zu dem Vorfall.

  • Nach einem mutmaßlichen Raubüberfall auf einen Juwelier in Celle starben die beiden mutmaßliche Räuber.
  • Gegen den Juwelier-Inhaber laufen polizeiliche Ermittlungen.
  • Der Juwelier-Inhaber meldet sich seit dem Vorfall erstmals zu Wort.

Update vom 16. September: Der Inhaber des Juweliers in Celle bricht nach dem Raubüberfall auf sein Geschäft - bei dem er zwei Räuber getötet hat - erstmals sein Schweigen. Die „Bild“ zitiert den mutmaßlichen Schützen, er habe seine Frau retten wollen. Einer der Räuber habe sich auf die Frau gestürzt, nachdem sein Komplize ihn im Rollstuhl gegen den Tresen geschoben hätte. „Sie hat um Hilfe gebettelt – dass er sie loslässt, dass er sie nicht weiter würgt.“ Dem 71-jährigen Inhaber tue es leid, dass die jungen Angreifer nun tot seien. Ob der Inhaber die Wahrheit sagt und wirklich in Notwehr handelte, ist noch Teil der Ermittlungen.

Erstmeldung vom 15. September: Celle - Nach einem mutmaßlichen Raubüberfall auf einen Altstadt-Juwelier in Celle ist auch ein zweiter Räuber gestorben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Geschäftsinhaber wegen des Verdachts auf Totschlag. Nach den bisherigen Erkenntnissen sei klar, dass der 71-Jährige auf die beiden mutmaßlichen Räuber geschossen und sie tödlich verletzt habe, sagte die Sprecherin der Anklagebehörde Stefanie Vogler am Dienstag.

Gesperrt: Zwei Polizisten sichern den Eingang des Antik-Gold-Juweliers in Celle nach einem bewaffnetem Raubüberfall.

Demnach ist der 71-Jährige Inhaber einer gültigen Waffenbesitzkarte und durfte die Schusswaffe benutzen. Die Ermittler prüfen, ob der Mann in einer Notwehrsituation war. „Auf den ersten Blick sieht es nach Notwehr aus, das muss nun im Einzelnen geprüft werden“, so Vogler. Der genaue Tathergang ist bislang unklar, da es keine Überwachungskamera in dem Geschäft gibt.

StadtCelle
Fläche 176 km²
Bevölkerung178.936
BürgermeisterJörg Nigge

Der genaue Tatablauf sei nach wie vor unklar, erklärte eine Sprecherin. Die Polizei Celle bittet Zeugen, sich zu melden. Die Ermittler hoffen vor allem auf touristische Fotos, die zufällig am Ort des Geschehens in der Altstadt entstanden sein könnten.

Nach den bisherigen Erkenntnissen betraten die beiden Männer das Juweliergeschäft in der Fußgängerzone am Montagnachmittag bewaffnet - laut Polizei Celle planten sie einen Überfall. In den Geschäftsräumen befand sich in dem Moment nur das Inhaber-Ehepaar im Alter von 71 und 72 Jahren. Das Geschehen in dem alteingesessenen Geschäft geriet dann offenbar außer Kontrolle, es fielen mehrere Schüsse. Wer genau die beiden mutmaßlichen Täter sind, stand zunächst nicht fest. Es gebe aber erste Hinweise auf deren Identität, erklärten die Ermittler.

Kräfte der Spurensicherung arbeiten an dem Tatort in der Celler Innenstadt.

Weitere Einzelheiten wollte eine Polizeisprecherin am Tatort aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen. Mit einem Flatterband wurde ein größerer Bereich der Fußgängerzone abgesperrt, Polizeibeamte waren im Innern des Juweliergeschäfts im Einsatz. Von außen deutete nichts auf den Überfall hin. Die Scheiben des Geschäfts, in dem auch teures Porzellan angeboten wird, wurden von den Schüssen nicht beschädigt.

Mutmaßliche Juwelier-Räuber von Celle waren im Rollstuhl unterwegs

Am Dienstagmorgen hieß es zudem, es gebe Hinweise darauf, dass sich die mutmaßlichen Täter mit einem Rollstuhl fortbewegt hätten. Ob dieser medizinisch notwendig oder etwa eine Tarnung gewesen sei, stehe noch nicht fest.

Eine Mitarbeiterin der Spurensicherung und ein Polizist sprechen über den Tatort in der Celler Innenstadt.

Immer wieder werden Juweliere Ziel bewaffneter Überfälle, in einigen Fällen wurden Inhaber oder Mitarbeiter verletzt oder kamen ums Leben. Dass die Inhaber daher zum Schutz auch selber über eine Waffe verfügen, sei nicht ungewöhnlich.

So feuerte im niederrheinischen Moers 2014 ein von zwei maskierten Männern überraschter Juwelier auf die Eindringlinge, einer der beiden starb an seinen Verletzungen. Bei einem anderen Überfall 2004 in Siegen war es die Frau des Inhabers, die nach einem Gerangel zwischen einem Räuber und ihrem Mann zur Pistole griff. Der Kriminelle wurde angeschossen.

Rubriklistenbild: © dpa/Moritz Frankenberg

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