Risikogebiet Baskenland

Flughafen-Chef: Neue Corona-Regel wäre „der Tod der Reisebranche“ - Hilfeschrei an Niedersachsens Politik

Mit der Familie für drei Wochen in die Sonne. Nach der Rückkehr wird ein Corona-Test fällig. Damit soll bald Schluss sein, stattdessen wären längere Quarantäne-Zeiten nötig. Flughafen-Chef Raoul Hille richtet einen Hilferuf an die Politik.

  • Womöglich ist bald Schluss mit Plicht-Coronatests für Reisende aus Risikogebieten.
  • In Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen werden verschiedene Bußgelder bei Verstößen gegen die Quarantäne fällig.
  • Eine Corona-Testpflicht besteht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten seit dem 8. August.

Update vom 27. August: Hannovers Flughafen-Chef Raoul Hille appelliert an die Politik, die Corona-Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten aufrechtzuerhalten und keine schärfere Quarantäne als Ersatzlösung einzuführen. Sonst könnte die Verunsicherung von Urlaubern mit Blick auf die Herbstferien so groß werden, dass ein faktisches Reiseverbot drohe und damit der „Tod der Reisebranche“ riskiert werde, sagte Raoul Hille.

Man dürfe nicht die Gefahr in Kauf nehmen, „dass die Mobilität der Bürger grundsätzlich eingeschränkt wird und so ganze Industrie- und Wirtschaftsbereiche geschädigt oder vernichtet werden“, heißt es zudem in einem Positionspapier des Airports.

„Man muss zu anderen Lösungen kommen als zu einem faktischen Reiseverbot. Dieses wäre die Folge von Quarantänevorschriften statt fortgeführter Corona-Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten an den Flughäfen“, meinte Hannovers Flughafen-Chef Raoul Hille. „Wir müssen die Corona-Tests weiterführen - sonst wäre es ein zweiter Lockdown für die Luftverkehrsbranche.“ Der Airport forderte in seinem begleitenden Papier eine verbindliche Strategie, mit der Sektor wieder aufgebaut werden kann.

Flughafen Bremen: Corona-Testzentrum eröffnet

Update vom 25. August: Nach dem Ende der Sommerurlaub-Saison wollen sich Bund und Länder bei den Corona-Tests verstärkt auf Krankenhäuser und Pflegeheime konzentrieren. Kostenlose Tests für Urlauber und Pflichttests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten sollen dafür nach dem Willen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern wegfallen. Das vereinbarten sie am Montag in einer Schaltkonferenz.

7.000 Corona-Tests am Flughafen Bremen

Am Flughafen Bremen wird seit dem 31. Juli getestet. Laut Lukas Fuhrmann (Gesundheitsamt Bremen) wurden seitdem 7.000 Corona-Tests durchgeführt, davon seien 15 positiv ausgefallen. Am Flughafen sind zwei Teststraßen eingerichtet. Bei Reisenden, die keinen Direktflug gebucht haben, besteht in Bremen keine Testpflicht am Flughafen. Sie können sich auch bei ihrem zuständigen Gesundheitsamt oder über den Hausarzt testen lassen. Reisende, die per Direktflug aus einem Risikogebiet kommen, müssen durch die Teststation.

Update vom 15. August: Nicht nur in Bayern, auch in Niedersachsen ist es in den vergangenen Wochen zu Chaos rund um die Corona-Tests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten gekommen. Einige Urlauber wurden zum Beispiel in Hannover gar nicht überprüft - wer zum Beispiel aus Bulgarien nach Hause kam, musste sich mitunter selbst um die eigentlich verpflichtenden Test auf Covid-19 bemühen. Das berichteten zwei Urlauberinnen gegenüber kreiszeitung.de und stellten am Ende fest: Eine der beiden wurde tatsächlich poisitiv auf Covid-19 getestet.

Update vom 14. August: Nach freiwilligen Corona-Tests hatten die bayerischen Behörden 44.000 Urlauber nicht über ihre Ergebnisse informiert. „Anders als in Bayern, wo Personen-Karten offenbar manuell ausgefüllt wurden, erfolgt das gesamte Verfahren in Niedersachsen ausschließlich digital“, sagte Ministeriumssprecher Oliver Grimm. Die Kassenärztliche Vereinigung (KVN) betreibe neben dem Testzentrum am Flughafen Hannover landesweit neun weitere Testzentren. Letztere könnten derzeit noch ausschließlich über die Hausärzte besucht werden. Auch die Information über das Ergebnis erfolge über die Hausärzte. Geplant sei, das System zeitnah durch ein digitales Termin-Service-Tool abzulösen.

Wie schon am Flughafen Hannover würden die Getesteten dann auch in den Testzentren per Mail einen Zugangscode erhalten, mit dem sie ihr Ergebnis herunterladen könnten, erläuterte Oliver Grimm. Für Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) sei damit grundsätzlich sichergestellt, dass alle getesteten Personen zeitnah über ihre Ergebnisse informiert würden. „Die Probleme in Bayern zeigen aber, dass der Aufwuchs der Testkapazitäten auch organisatorische und materielle Grenzen hat“, sagte Reimann.

Niedersachsen setzt auf eine digitale Lösung bei der Mitteilung der Corona-Testergebnisse. (Symbolbild)

Das Bremer Gesundheitsressort empfiehlt allen Rückkehrern, die beim Grenzübertritt nach Bayern auf Corona getestet wurden, sich in Bremen erneut testen zu lassen. Das gelte für die Bremer, die noch nicht über die Ergebnisse ihrer Tests in Bayern informiert wurden. Dem Bremer Gesundheitsressort ist ein Fall bekannt, in dem eine Person aus Bremen an der Grenze positiv getestet wurde. Laut Buten un Binnen wurde das Ergebnis aber von den dortigen Behörden nicht an das Bremer Gesundheitsamt weitergegeben.

Corona: Reisewarnung für Madrid und das Baskenland

Update vom 13. August: Nach der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für die spanische Hauptstadt Madrid und das Baskenland wächst die Sorge um Urlaubsfreuden auf Mallorca. Noch ist die liebste Ferieninsel der Bundesbürger nicht von einer Reisewarnung aus Berlin betroffen. Aber auch auf den stark vom Tourismus abhängigen Baleareninseln steigen die Corona-Zahlen und damit die Angst, schon bald auch zum Risikogebiet erklärt zu werden, schrieb die „Mallorca Zeitung“.

Reiserückkehrer aus Risikogebiet...Schleswig-HolsteinHamburgNiedersachsenBremen
... empfängt Besuch300 bis 5.000 Euro300 bis 5.000 Euro300 bis 5.000 Euro300 Euro, bei nachgewiesener Infektion 400 Euro
...verstößt gegen die Quarantäne 500 bis 10.000 Euro500 bis 10.000 Euro500 bis 10.000 Euro300 Euro, bei nachgewiesener Infektion 400 Euro
… meldet sich nicht bei zuständiger Behörde nach der Einreise 150 bis 2.000 Euro150 bis 2.000 Euro150 bis 2.000 Euro-
… hat sich nach Einreise nicht unverzüglich in Quarantäne begeben 150 bis 3.000 Euro 150 bis 3.000 Euro150 bis 3.000 Euro-

Update vom 10. August: Seit dem 8. August gilt für viele Reiserückkehrer: Jeder Einreisende aus einem Risikogebiet ist verpflichtet, sich auf eine Corona-Infektion testen zu lassen. Wer negativ getestet wurde, kann in seinen Alltag zurückkehren. Auf diese Weise kann eine Quarantäne vermieden werden. Dafür wurden an Flughäfen, an Bahnhöfen und an weiteren gut erreichbaren Orten Corona-Testzentren eingerichtet. Die Tests sind laut Bundesregierung für die Reisenden kostenlos.

Ursprüngliche Meldung: Wer seinen Urlaub nicht innerhalb Deutschlands verbringen möchte, der wird auch in Zeiten von Coronavirus-Einschränkungen nicht davon abgehalten. Doch Vorsicht: Je nach Reiseziel können auf die drei Wochen im Ausland schnell noch zwei Wochen in häuslicher Quarantäne folgen. Ob das der Fall ist, hängt davon ab, ob die Reise in ein Risikogebiet ging. Risikogebiete sind jene Länder, in denen es eine erhöhte Wahrscheinlichkeit gibt, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Für Reisen innerhalb Deutschlands gelten die Länderregelungen.

Coronavirus: Einreise aus Risikogebiet bedeutet Quarantäne und Testpflicht

Grundsätzlich gilt: Wer aus einem Risikogebiet einreist, begibt sich in häusliche Quarantäne und informiert die für den eigenen Aufenthaltsort zuständige Behörde über die Einreise. Die Einhaltung der Quarantäne wird von der Gesundheitsbehörde überwacht. Die deutschen Gesundheitsminister hatten einen Corona-Test für heimkehrende Urlauber gefordert und wollten Maßnahmen auf den Weg bringen. Ab kommender Woche soll die Testpflicht für Urlauber, die aus Risikogebieten nach Deutschland einreisen, in Kraft treten, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ankündigte.

„Für eine zweiwöchige Reise in ein Risikogebiet sollten also vier Wochen Urlaub genommen werden“, rät Helfrich. Es gehe nicht, einfach einen „Corona-Urlaub“ hinten dranzuhängen. Auch auf einen negativen Test zu bauen, sei keine sichere Alternative, da er ja auch positiv ausfallen könnte. „Und selbst wenn Arbeitnehmer dann als krank gelten würden, können sie nicht ohne weiteres damit rechnen, dass der Arbeitgeber das auch als Krankheit anerkennt“, sagt Helfrich.


Vor der Rückkehr über Risikostatus und Quarantäne-Regeln informieren

„Menschen, die mit dem Flugzeug aus einem Risikogebiet hier ankommen, müssen auch damit rechnen, dass dem Gesundheitsamt alle Reisedaten übermittelt werden“, sagt Martin Helfrich, Sprecher der Hamburger Sozialbehörde der Deutschen Presse-Agentur. „Man muss also auch damit rechnen, Besuch vom Gesundheitsamt zu bekommen.“

Wer nach dem Urlaub in einem Corona-Risikogebiet zurück nach Norddeutschland reist, muss anschließend sofort in Quarantäne. (Symbolbild)

Welche Quarantäneverordnung gilt, hängt von den zuständigen Bundesländern ab. Diese bestimmen ebenfalls, wie hoch eine Strafe bei Verstößen gegen die geltenden Regeln ist. Zwischen 500 und 10.000 Euro würden fällig, wenn die Quarantäne nicht eingehalten werde, sagt Helfrich. Verstöße in Bremen können sogar mit Bußgeldern bis zu 25.000 Euro geahndet werden.

Wie lässt sich die häusliche Quarantäne beenden?

Das Bundesgesundheitsministerium hat für Reisende ein Merkblatt verfasst, mit den wichtigsten Regeln für eine Einreise nach Deutschland aus einem Risikogebiet. Neben dem Ende der vorgeschriebenen Isolationszeit werden dort Ausnahmen der Regeln erklärt, die eine Isolation verkürzen können oder nicht notwendig machen. Reisende können sie beispielsweise vermeiden, wenn sie durch ein ärztliches Zeugnis nachweisen, dass keine Infektion vorliegt.

Sollten also ein negativer molekularbiologischer Test vorliegen, gibt es keine Pflicht zur Quarantäne. Voraussetzung dafür ist, dass der Test höchstens 48 Stunden alt, er auf Deutsch oder Englisch verfasst und in einem vom Robert-Koch-Institut bekannt gegebenen Staat durchgeführt worden ist. Dies ist so auch in den Landesverordnungen Schleswig-Holsteins, Hamburgs, Niedersachens und Bremens angegeben.

Coronavirus: Eine überstandene Infektion bedeutet nicht Immunität

Der Nachweis von Antikörpern weist auf eine abgelaufene Infektion hin. Ob damit eine Immunität vorliegt, kann nicht sicher gesagt werden. In diesem Fall gilt keine Ausnahme und eine Quarantäne ist notwendig.

Eine Quarantäne ist nicht notwendig, wenn es sich nur um eine Durchreise handelt. Das beinhaltet aber auch, dass das Land auf direktem Weg wieder verlassen werden muss. Ausnahmen kann es auch für kurze Aufenthalte aus beruflichen oder medizinischen Gründen geben oder wenn der Aufenthalt im Risikogebiet nur kurz war. Der Reisende sollte sich vor der Einreise über zutreffende Bestimmungen und Ausnahmen informieren.

Risikogebiete können sich schnell ändern

Eine regelmäßig aktualisierte Liste der als Risikogebiet eingestuften Länder findet sich auf der Seite des Robert-Koch-Instituts. Die Einschätzung erfolgt zum einen auf Grundlage der Anzahl Neuinfizierter innerhalb einer Woche pro 100.000 Einwohner. Zum anderen werden unter anderem auch die Anzahl der durchgeführten Tests sowie die Maßnahmen zur Corona-Eindämmung innerhalb der Länder mit berücksichtigt.

Urlaubern wird geraten, sich kurz vor der Einreise nach Deutschland noch einmal zu informieren, ob sie sich innerhalb der vergangenen 14 Tage in einem Risikogebiet aufgehalten haben. Die Reisewarnung für Schweden ist beispielsweise seit dem 14. Juli aufgehoben und damit auch die 14-tägige Quarantänepflicht bei der Rückkehr von dort. Luxemburg andererseits wird seit diesem Tag als Risikogebiet eingestuft.

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich

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