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Überraschend: So stark verändern sich Pflanzen durch eine einfache Berührung

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Einmal über die Rose im Garten streichen? Berührungen sind von Pflanzen nicht so gern gesehen.

Mancher Hobbygärtner hegt und pflegt seine Pflanzen wie ein Neugeborenes. Streicheleinheiten sind allerdings nicht gefragt, wie eine Studie feststellte.

Wer seinen Pflanzen über Blätter und Blüten streicht, verschreckt sie wohl eher, als dass er sie in Sicherheit wiegt. Dabei gibt es keinen Unterschied, ob es sich um Pflanzen für den Ackerbau oder Gartenbau handelt. Dies erklärt eine Studie, die Anfang des Jahres 2019 veröffentlicht wurde.

Empfindlich bei Berührung: Pflanzen verändern sogar ihr Genom

Was kann eine kleine Berührung schon ausmachen? Eine ganze Menge, erklärt ein Forschungstext der Universität La Trobe in Melbourne, die im Magazin The Plant Journal erschienen ist. Darin bestätigt Professor und Leiter der Studie Jim Whelan, dass Pflanzen extrem berührungsempfindlich sind.

"Die leichteste Berührung von Menschen, Tieren, Insekten oder sogar Pflanzen, die sich im Wind berühren, löst eine umfangreiche Genreaktion in der Pflanze aus", heißt es. "Innerhalb von 30 Minuten nach der Berührung werden zehn Prozent des Genoms der Pflanze verändert."

Dabei verbrauchen Pflanzen so viel Energie, dass sie im Wachstum gehemmt werden. Bei wiederholten Berührungen reduziert sich demnach das Pflanzenwachstum um ganze 30 Prozent. Die Tests wurden der Acker-Schmalwand (Arabidopsis thaliana) durchgeführt: Das Genom des Unkrauts ist seit dem Jahr 2000 vollkommen entschlüsselt und deshalb besonders interessant für Forschungszwecke.

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Warum reagieren Pflanzen so empfindlich auf Berührungen?

Dazu haben die Forscher verschiedene Meinungen. Die Abwehrreaktion könne demnach als Schutz vor Krankheiten dienen. Allerdings sei es auch möglich, dass die Wachstumseinschränkung den Pflanzen zum Vorteil gereichen soll - so wird Pflanzen bei der Berührung mit anderen Pflanzen eventuell signalisiert, dass der Platz zu beengt ist. Um trotzdem noch genügend Sonnenlicht zu bekommen, reduzieren manche das Wachstum.

Oder aber es handelt sich um einen Abwehrmechanismus gegenüber anderen Lebewesen: "Wir wissen, dass, wenn ein Insekt auf einer Pflanze landet, Gene aktiviert werden, die die Pflanze darauf vorbereiten, sich gegen das Gefressenwerden zu wehren", erklärt Co-Autor der Studie, Dr. Yan Wang. "Aber Insekten bringen den Pflanzen auch viele Vorteile, also wie unterscheiden sie zwischen Freund und Feind?"

Um den wahren Grund für die empfindliche Reaktion von Pflanzen auf Berührungen herauszufinden, müssen erst noch weitere Forschungen angestellt werden. So wollen die Wissenschaftler vor allem wissen, ob es sinnvoll wäre berührungsresistente Pflanzen zu züchten - oder ob ihnen dann eine wichtige Abwehrreaktion fehlt, die sie vor Krankheiten schützt.

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