Lea: Vakuum

Zwischen zart und verzärtelt

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Leas YouTube-Hit "Wo ist die Liebe hin?" ist schon acht Jahre alt. Für ihr erstes Album hat sich die heute 23-Jährige etwas Zeit gelassen.

Vom YouTube-Sternchen zur Profi-Musikerin: Mit Schmelz und Schmalz hat Lea es in den Mainstream geschafft.

Der erste Ton auf Leas Debütalbum gebührt dem Klavier. So wie damals, vor acht Jahren, als sie ihren ersten Song online stellte. "Wo ist die Liebe hin?" fragte die damals 15-Jährige mit typischer Teenager-Dramatik, aber einer erstaunlich ausgereiften Stimme. Der Clip hat mittlerweile über 2,7 Millionen Klicks und Lea einen Plattenvertrag bei Four Music. Ihr großes Thema bleibt aber die Liebe, die sie auf ihrem Erstling "Vakuum" in allen möglichen Facetten besingt. Nur leider nicht in allen möglichen Tonarten.

"Ich bring dich sicher aus diesem Sturm", verspricht die Sängerin mit klarer Stimme schon im Opener "Die Segel sind gesetzt", der mit sattem Klavier, sanftem Hall und zurückhaltendem Arrangement alles andere als stürmisch wirkt, stattdessen den Hörer zärtlich an die Hand nimmt. Das ganze Album ist sehr ruhig geraten, von sanften Synthies und sphärischen Background-Vocals geprägt.

Leas Gesang dazu gerät mal zart, mal verzärtelt, mal geheimnisvoll gehaucht, mal weinerlich verhuscht. Beim Drahtseilakt zwischen Empfindsamkeit und Befindlichkeiten rutscht die Debütantin immer wieder mal ab. Das ist vor allem deshalb verzeihlich, weil sie sich immer genauso schnell wieder fängt.

Was allerdings ein wenig an den Nerven zehrt, ist die Konstanz in der Inszenierung. Selbst ein Song wie "Du und ich", in dem Lea eigentlich von ihrem Geliebten und seiner Unterstützung in allen Lebenslagen schwärmt, wird - von melancholischen Klavierklängen begleitet - mit Zitterstimmchen dargebracht. Spätestens da schleicht sich ein etwas ungnädiger Gedanke ein: Kann die sich nicht einfach mal freuen?

Aber auch hier wird man schnell entschädigt: "Schwerelos" überzeugt etwa mit einem cleveren Arrangement aus pointierten Backgroundvocals und Synthiegebrumme. "Lichtermeer" gefällt durch Details wie den sanft klopfenden Beat, der immer wieder ins Stocken, Stolpern, Trudeln gerät. Bis der "Nachtzug" den Hörer ganz gemächlich und verführerisch einlullt. Ein streichelweiches Debütalbum, das nichts dagegen hat, im Hintergrund mitzulaufen, aber auch beim näheren Hinhören immer wieder was zu bieten vermag.

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