Mathea

Der zweite Eindruck zählt

Auf „M“ dominieren Pop- und Synthesizerklänge mit einer Tendenz zu HipHop und Rap - etwas völlig anderes also als das, was Mathea 2016 bei der Castingshow „The Voice of Germany“ zum Besten gab.
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Auf „M“ dominieren Pop- und Synthesizerklänge mit einer Tendenz zu HipHop und Rap - etwas völlig anderes also als das, was Mathea 2016 bei der Castingshow „The Voice of Germany“ zum Besten gab.

Von der Rockgöre zur Pop-Rap-Queen: Die österreichische Sängerin und einstige „Voice of Germany“-Kandidatin Mathea feierte mit ihren ersten Singles schon große Erfolge und zeigt nun auf ihrem Debütalbum „M“ noch viel mehr von ihren Qualitäten.

Vielleicht kann sich der ein oder andere noch an Mathea Elisabeth Höller erinnern, die 2016 an der sechsten Staffel der TV-Castingshow „The Voice of Germany“ teilnahm. Sie kam zwar nicht bis in die Liveshows, gab aber trotzdem nicht auf: 2018 veröffentlichte sie ihre erste Single „2x“, die direkt die Spitze der österreichischen Charts erreichte. Es folgten der Einstieg in die deutschen Charts, Platin-Status und über 40 Millionen Streams auf Spotify. Nun erscheint mit „M“ das Debütalbum der heute 22-Jährigen. Also: Was kann die laut Presseinfo „aktuell meistgehörte Künstlerin Österreichs“ wirklich?

Zuerst lohnt sich ein Blick zurück: Bei „The Voice of Germany“ bewies Mathea mit ihrer voluminösen und kraftvollen Stimme, dass eine Menge Rockgewalt in ihr steckt. Schon bei den „Blind Auditions“ begeisterte sie mit ihrer Version von „Ex's & Oh's“ (im Original von Elle King) so sehr, dass die Coaches selbst alle die Mikrofone in die Hand nahmen, um sie in ihr Team zu locken. Wer nun allerdings glaubt, auch ihre eigene Musik käme vor allem mit rockiger Wucht daher, der liegt falsch.

Schon ihre fetzige Debütsingle „2x“, bei der Mathea ihre Zuhörer an den Folgen einer gescheiterten Beziehung teilhaben ließ, überraschte mit gutgelaunten Poptönen und deutschen Texten. Und dabei ist sie geblieben: Das Album ist komplett auf Deutsch gesungen und bietet vor allem Pop- und Synthesizer-Klänge mit einer Tendenz zu HipHop und Rap. Diesen Sound beherrscht Mathea richtig gut: Die Töne schwingen sich in alle Höhen und Tiefen; die Sängerin legt viel Experimentierfreude in die Melodien der Strophen und Refrains und zeigt großen Einfallsreichtum bei den Texten.

Deutsche Sprache ist „authentischer“

Diese Elemente beherrschen die meisten Songs der Österreicherin, deren großes musikalisches Vorbild Alicia Keys ist, wobei es auf „M“ durchaus nicht an musikalischen Variationen mangelt. In Liedern wie „Medium Rare“ beweist Mathea ihre Rap-Qualitäten, und in „Irgendeine Party“ und „Gib Bescheid“ stellt sie ihre Vocal-Range unter Beweis. Egal, ob lebhafte Stücke wie „Wollt dir nur sagen“ oder etwas Gemächliches wie „Kein Tutu“: Alles lädt zum Mitwippen ein.

Auffallend sind auch die fesselnden Geschichten, mit denen sie offen und ehrlich von positiven wie negativen Erlebnissen aus ihrem Privatleben erzählt. In „Chaos“ heißt es „Alles in mir Chaos, Chaos, weil ich nicht weiß, was du für mich bist, ein Freund oder kann da mehr sein?“, und in „Kein Tutu“ singt sie: „Letztens saßen wir beisammen in der Küche von meinen Eltern, haben auf dem VCR Filme von früher angesehen, ich sah mich flimmernd im Rüschenkleid im Kinderzimmer, mit meinem Spiegelbild unbeschwert im Kreis drehen“. Matheas Sprache ist durchgehend bildhaft und sehr lebendig.

Einen Ausflug ins Englische bietet das Album zwar nicht, doch das hat auch einen Grund. „Ich habe mich auf jeden Fall im Deutschen gefunden. Man kann sich einfach besser ausdrücken und die Worte verwenden, die man auch in der Sprache verwendet, im normalen Leben“, erklärte Mathea schon 2019 im Interview mit der österreichischen Zeitung „Heute“. „Ich empfinde es als authentischer.“

Am Ende ist die Sprache aber auch egal: Ihr Auftritt damals bei „The Voice of Germany“ und ihr Album zeigen, dass sie sich nicht auf ein Genre beschränken muss, sondern viele Qualitäten hat. Zwar ist es schade, dass es von der 22-Jährigen keine energischen Rocksongs mehr zu hören gibt, doch es macht auch Spaß, ihre vielschichtige Musik auf sich wirken zu lassen und ihren Geschichten zu lauschen. Auf „M“ kommt auf jeden Fall keine Langweile auf.

teleschau

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