Karen O & Danger Mouse

Yeah Yeah Crazy

+
Karen O und Danger Mouse kommen musikalisch aus sehr unterschiedlichen Ecken. Auf ihrem gemeinsamen Album „Lux Prima“ präsentieren sie sich dennoch als harmonisches Gespann.

Indie-Rockröhre trifft Alternative-DJ: Karen O und Danger Mouse gelten in ihren jeweiligen Metiers als stilprägend und können sich auf ihrem gemeinsamen Album deswegen alles erlauben.

Crazy Yeah Yeah Yeahs. Es macht Spaß, das zusammenzubringen, wofür die Sängerin Karen O und der Produzent und DJ Danger Mouse jeweils stehen. „Crazy“ (2006), der Riesenhit des Projekts Gnarls Barkley, dessen eine Hälfte Danger Mouse ist, machte den Klangtüftler zum Star. Der Song ist zeitlos, wird noch immer gespielt, ist womöglich einer der größten Songs der Nuller-Jahre. Vorher produzierte Danger Mouse auch Beats für den HipHop-Untergrund, für Rapper wie MF Doom.

Karen O ist mit ihrer Band Yeah Yeah Yeahs hingegen immer Untergrund geblieben, auch wenn die Musik erfolgreich war. Ihr Art-Punk verstörte, doch man konnte zu ihm auch in der Indie-Disko tanzen. Nun haben sich Karen O und Danger Mouse zusammengeschlossen, um ein Album zu veröffentlichen. Sie kennen sich schon länger. Dementsprechend intim könnte „Lux Prima“ klingen. Oder krawallig. Oder crazy.

Nudeln kochen oder „Lux Prima“ hören

Neun Minuten. In dieser Zeit könnte man Nudeln kochen, zwei Zigaretten rauchen, Wäsche aufhängen, neun Tweets posten, dreieinhalb Songs aus einer Playlist bei Spotify hören. Oder man hört „Lux Prima“, den ersten Song des gleichnamigen Albums von Karen O und Danger Mouse. 9:03 Minuten ist er lang, Streicher- und Synth-Drones überlagern sich und eine Stimme schmiegt sich ganz behutsam dazwischen. Erst nach über einer Minute kommen Drums dazu.

Einen solchen Song als Einstieg eines Albums zu platzieren zeugt davon, dass die beiden Musiker mit sich im reinen sind, dass ihnen ein Hype bei Streaming-Anbietern völlig egal ist. Karen O & Danger Mouse haben ein Album produziert, das entschleunigt. Ein Album, das auf Effekthascherei, schnelle Intros oder großes Geballer verzichtet. Der Song „Lux Prima“ steht exemplarisch dafür. Und er ist nicht nur aufgrund des Formats und der Länge gut, sondern auch aufgrund seiner beruhigenden Klänge.

Perfekt in Szene gesetzt

Die beruhigenden Klänge, erzeugt von Synths, Gitarren und Klavier, klingen nach Dream Pop und manchmal sogar noch TripHop oder Soul. Schrille Songs („Woman“) brechen mit der Ruhe. Das Album funktioniert auch deswegen so gut, weil es nicht nur mit Songstrukturen, sondern auch mit Stilen und Stimmungen experimentiert. Auf das Krachen folgt ein Schweben folgt ein Schweigen und Schwelgen. Die Lyrics sind dafür umso pointierter.

„You're gonna want it / You're gonna make it“ und „I'm a woman, what you see“ singt Karen O auf „Woman“, und mehr muss sie gar nicht sagen. Sie zeigt, dass Frauen im Pop die Hauptrolle spielen können und wie gut das klingt. Danger Mouse seinerseits nimmt sich bei der Produktion zurück, weil er nicht eitel ist. Die Soundmixtur und die lyrische Verknappung harmonieren dadurch umso besser. Der Alternative-DJ sorgt also dafür, dass Karen O auf „Lux Prima“ perfekt in Szene gesetzt wird. Doch wie die Szene genau auszusehen hat und klingen muss, bestimmt Karen O durch ihre Stimme, ihre Lyrics und ihre Präsenz selbst.

teleschau

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare