Ganz persönlich

„Für dich“: Das taugt die neue Platte von Xavier Naidoo

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Xavier Naidoo hat sich zuletzt angreifbar gemacht, mit „Für dich.“ liefert er nun ein Album, aus dem ihm niemand einen Strick drehen kann.

Keine missverständlichen Parolen, stattdessen Liebe über alles: Xavier Naidoos „Für dich.“ ist ein unverfängliches Konzeptalbum über das Lieblingsgefühl aller Musiker.

Spätestens seit dem Skandal um Xavier Naidoos Dialog mit Reichsbürgern hören Kritiker bei seinen Texten genau hin, ob sich zwischen den Zeilen politisch fragwürdige Andeutungen verstecken. Zuletzt sorgte der politikkritische Song „Marionetten“ der Söhne Mannheims für kontroverse Diskussionen. Das neue Album „Für dich.“ hingegen bleibt ganz auf der persönlichen Ebene. Es ist eine Sammlung von Liedern über das Thema, welches in der Popmusik seit jeher beliebter ist als alle anderen: die Liebe. Das macht es leichter, sich nur mit dem zu beschäftigen, was bei Xavier Naidoo das Wesentliche ist: eine Ausnahmestimme, welche die Klaviatur der Gefühle von zart bis hart so virtuos beherrscht, wie man es von kaum einem anderen deutschsprachigen Künstler kennt.

Der Albumtitel sagt es bereits: keine Protestsongs gegen irgendwen oder irgendwas, sondern Lieder „Für dich“. Xavier Naidoo spricht natürlich den Hörer an, doch die Widmung ist gleichzeitig auch eine sehr private: „Es gibt einige Songs, da hatte ich ganz klar Bilder von meinem Sohn“, erklärt Naidoo sein Werk. Einer dieser Songs könnte der Opener „Nimm mich mit“ sein, eine Pop-Hymne, die mit ihrer Eingängigkeit und Kraft auch das Zeug zum WM-Hit hätte, wenn sie dafür nicht etwas zu früh käme. „Gönn dir diesen Augenblick für mich, so als wär' ich dort mit dir im Angesicht“ - das kann durchaus auch als väterlicher Rat verstanden werden.

Das gilt im Übrigen für nahezu alle Tracks des Albums: Ob die Liebe, die hier besungen wird, auf väterliche Gefühle oder eine Paarbeziehung anspielt, bleibt fast immer offen. Bei dem Song, welcher dem Album seinen Namen gab, schafft das Stimmwunder Naidoo hingegen Klarheit: Bei „Für dich.“ habe er seinen Sohn im Kopf. Es gehe darum, „dass man einfach alles in Bewegung setzen würde, um gewisse Dinge zu verhindern. Ich glaube, jedes Elternteil oder jeder Mensch, der jemanden hat, den er sehr lieb hat, weiß, was ich damit sagen will.“

Neben der persönlichen Note zeigt Xavier Naidoo dann auch wieder, warum er als Meister des German Soul gilt. Vor allem der Song „Allein“ fällt auf. Er klingt, als würde Naidoo unter Tränen singen - mehr Emotion geht nicht. Der Titel „Zuhause“ wiederum kombiniert den Power-Soul von Naidoos Stimme mit einem treibenden Beat und Akustik-Feeling. All das macht auch den Charme des ganzen Albums aus: Es ist ein abwechslungsreicher Mix mit vielen Tempo- und Stimmungsschwankungen, unterschiedlichen Stilen und einigen Überraschungen, etwa dem Dubstep-Bass in „Bei dir sein“.

Textlich überschreitet Naidoo nur selten die Grenze vom authentischen Gefühl zum schwülstigen Pathos. Allerdings: Mit einem Track wird Naidoo dann doch wieder zum unbequemen Mahner, der über den Tellerrand seiner Gefühlswelt blickt: „Hoch entwickelt“ ist eine gesellschaftskritische Ballade darüber, dass das wahre Leben und das Hören aufs eigene Herz im brutalen Alltag unserer Zeit manchmal auf der Strecke bleiben. Und das wird man doch wohl noch sagen dürfen.

teleschau

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