Giovanni Zarrella im Interview

„Wir dürfen uns keine Sekunde beschweren“

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Seit fast 20 Jahren ist Giovanni Zarrella nun in Deutschland als Künstler bekannt. Am 19. Juli erscheint sein neues Album „La vita è bella“.

„Das Leben ist schön“: Diese Botschaft übermittelt der Sänger Giovanni Zarrella mit seinem neuen Album „La vita è bella“. Was genau sein Leben so schön macht und warum er jetzt deutsche Schlager-Hits auf Italienisch singt, verrät der „Italo-Schwabe“ im Interview.

Nur wenige Künstler strahlen so viel positive Energie aus wie der „Italo-Schwabe“ Giovanni Zarrella. Auf seinem neuen Album „La vita è bella“, das am Freitag, 19. Juli, erscheint, singt er deutsche Schlager-Hits auf Italienisch. Es ist eine Mischung, die gute Laune verbreitet und viel frischen Wind in die Musikwelt bringt. Doch auf dem neuen Album geht es nicht nur um die Herkunft des 41-Jährigen, der durch die Teilnahme an der Castingshow „Popstars“ bekannt wurde. Im Interview verrät Zarrella, warum das Leben schön ist, wie es ihm nach der Bro'Sis-Zeit ging, warum er seine Kinder von der Öffentlichkeit fernhält und was das Geheimnis seiner langen Beziehung mit seiner Ehefrau Jana Ina ist.

nordbuzz: Für Ihr Album wurde Helene Fischers „Atemlos“ zu „Anche tu“ und Wolfgang Petrys „Wahnsinn“ zu „Dammi“. Wie reagierten die Künstler auf Ihre Idee, sie zu covern?

Giovanni Zarrella: Es war ein schönes Gefühl, als wir die Songs zur Freigabe anfragten, denn wirklich alle Künstler, alle Verlage und alle Plattenfirmen haben sofort zugesagt. Sie meinten, dass die Songs großartig klingen und total Spaß machen, fanden die Idee toll und wünschten uns viel Erfolg damit.

nordbuzz: Wie sind Sie darauf gekommen, deutsche Schlager auf Italienisch zu singen?

Zarrella: Ich habe mich in den letzten Jahren mit vielen Beratern getroffen, bis mir irgendwann der Musikproduzent Christian Geller über den Weg lief. Wir setzten uns zusammen, und dann kam die Idee: Was ist das größte Liedgut in Deutschland? Der Schlager. Wir fingen an herumzuspinnen und kamen darauf, deutsche Schlager auf Italienisch zu singen. Ich versuchte es mit „Wahnsinn“, und das funktionierte - das hörte sich gut an! Wir waren euphorisiert, und das hat sich getragen bis zum letzten gesungenen Ton im Tonstudio.

nordbuzz: Was halten Sie generell von Cover-Songs?

Zarrella: Ich glaube nicht, dass der Anspruch sein muss, das Cover besser als das Original zu machen. Der Anspruch muss sein, eine eigene Version daraus zu machen. Deutsch und Italienisch kann man schwer miteinander vergleichen. „Wahnsinn“ von Wolfgang Petry ist eher rockig. Unsere Version ist luftiger, und trotzdem machen beide Songs sehr viel Spaß. Die Originale sind unglaublich große Hits, egal ob Helene Fischer, Wolfgang Petry oder Andrea Berg, und sie klingen auf Italienisch großartig. Das Schönste wäre, wenn wir es schaffen, dass die Songs in Italien gesungen werden. Plötzlich kennen in Italien alle Wolfgang Petry, das wäre doch lustig!

Die schönste Sprache zum Singen

nordbuzz: Waren Sie in Italien schon einmal im Fernsehen zu sehen?

Zarrella: Ja. Ich war zu Beginn der Bro'Sis-Zeit auf Rai 1, dem größten und wichtigsten Sender in Italien, in einem großen Beitrag in der Sendung „Gli italiani all'estero“ zu sehen, also „Die Italiener im Ausland“. Aber ansonsten war ich in Italien tatsächlich noch nicht präsent.

nordbuzz: Wäre das ein neuer möglicher Markt für Ihre Zukunft?

Zarrella: Es ist ein wundervoller Markt. Aber ich habe es lieber, meine Sprache, das Italienische, in Deutschland zu singen. Ich muss sagen, mich inspiriert das mehr, als es in Italien zu machen. Aber meine Mama wäre sicherlich sehr stolz, und wir wollen doch alle die Mama stolz machen.

nordbuzz: Sie sangen auch schon auf Deutsch und Englisch. Fühlen Sie sich mit der italienischen Sprache beim Singen wohler?

Zarrella: Ich glaube, am besten schreibe ich auf Deutsch, aber am schönsten klingt es auf Italienisch. Wir Italiener streiten uns immer mit den Franzosen, wer die Sprache der Liebe hat. Ich sage immer: „Ihr habt die Stadt der Liebe, und wir haben die Sprache der Liebe.“

nordbuzz: Der Song „Così sei tu“, ein Cover von Peter Maffays „So bist du“, ist ein Duett mit Ihrer Frau ...

Zarrella: Jana Ina hat eine wunderschöne Stimme. Sie war in Brasilien bei „Meninas dos reis“, damals der wichtigste und beste Chor Brasiliens. Irgendwann wollte sie aber nicht mehr singen und konzentrierte sich aufs Modeln. Als ich sie kennenlernte, sprach sie noch nicht so gut Deutsch wie jetzt - sie lernte anhand von Talkshows Deutsch. Ich schlug ihr vor, mit deutschen Songs die Sprache zu lernen, und zeigte ihr „So bist du“. Sie hat den Song geliebt. Jetzt singen wir ihn im Duett auf meinem neuen Album. Ihre Mama wird durchdrehen - die hat immer gesagt, sie würde sich wünschen, dass Jana Ina noch einmal singt.

„Uns in Deutschland geht es wirklich gut“

nordbuzz: Der Titel des Albums „La vita è bella“ bedeutet auf Deutsch „Das Leben ist schön“. Was ist für Sie das Schönste im Leben?

Zarrella: Das kann ich ganz einfach beantworten: Ich bräuchte eigentlich nur meine Familie, um glücklich zu sein. Meine Familie in Kombination mit der Musik ist für mich einfach 100 Prozent Glücksgefühl. Ich wollte nie irgendetwas machen, was ich nicht liebe. Wenn man am Freitag um 17.00 Uhr glücklich ist und ab Montagmorgen um 9.00 Uhr nicht mehr, dann ist irgendetwas falsch.

nordbuzz: Gibt es ein allgemeines Rezept für 100 Prozent Glücksgefühl?

Zarrella: Mein Vater hat mir beigebracht, dass man nicht viel braucht, um glücklich zu sein. Ich weiß noch genau, wie wir bei meinen Eltern beim Grillen auf der Terrasse saßen. Mein Papa sagte: „Ah, Giovanni, das Leben ist schön.“ Und das nur, weil die Sonne strahlte, es ruhig war, die Vögel zwitscherten und Menschen da waren, die man liebt. Und der Mann hat recht. Er sagte auch: „Die Leute gucken zu viel nach dem, was sie nicht haben.“ Uns in Deutschland geht es wirklich gut, wir haben einen so hohen Lebensstandard - wir dürfen uns keine Sekunde beschweren. Mein Papa kam mit einem Koffer nach Deutschland und lebte die ersten Jahre in einer Garage. Meine Mama lebte mit ihrer Familie in den ersten Jahren im Untergeschoss der Fabrik, in der ihr Vater arbeitete. Ich finde, unser Leben ist wunderschön. Meine Eltern leben mir das vor. Und das will ich auch meinen Kindern zeigen.

Positives Fernsehen durch TV-Shows

nordbuzz: Sie sind gebürtiger Schwabe, lebten eine Zeit lang aber auch in Italien. Könnten Sie es sich vorstellen, wieder dorthin zu ziehen?

Zarrella: Nein. Ich war im Alter von 14 bis 16 Jahren in Italien, dann haben wir Deutschland so sehr vermisst, dass wir schnell wieder zurück wollten. Ich fühle mich so wohl in Deutschland, wir haben so starke Wurzeln hier, es würde dort nicht mehr funktionieren. Ich könnte mir aber vorstellen, ein zweites Zuhause dort zu haben.

nordbuzz: Worin unterscheiden sich die Deutschen und die Italiener?

Zarrella: Die Italiener haben mehr Leichtigkeit. Der Deutsche ist genauer. Wenn die Apotheke um 10.00 Uhr aufmacht, dann weiß ich, dass sie um 9.59 Uhr noch nicht offen ist. Wenn eine Apotheke in Italien um 10.00 Uhr öffnet, kann es auch sein, dass der Apotheker erst um 11.00 Uhr kommt, ohne einen Zettel in die Tür gelegt zu haben, dass er später kommt. Jeder hat seine eigenen Regeln in Italien, es läuft entspannter und weniger zielstrebig. Ich finde es hier etwas geregelter, genauer, zuverlässiger, aber manches wird dadurch auch zu verbissen gesehen. Ich versuche, mir von beiden Ländern das Beste abzugucken. Aber ich finde es definitiv besser, dass meine Kinder hier groß werden.

nordbuzz: Wie mischen sich denn da die brasilianischen Wurzeln Ihrer Frau unter?

Zarrella: Die Brasilianer sind noch entspannter als wir Italiener (lacht). Aber auch sehr ähnlich. Ich versuche immer zu verstehen, warum das so ist. Der Deutsche würde nie im Leben eine Siesta machen, denn dann würde er seine Sachen nicht fertig kriegen.

nordbuzz: Sie waren früher mit Ihrer Frau in vielen TV-Shows zu sehen, etwa 2008 in „Jana Ina & Giovanni - Wir sind schwanger“ oder 2005 in „Just married - Frisch verheiratet!“. Warum gingen Sie damals mit Ihrem Privatleben so in die Öffentlichkeit?

Zarrella: Wir haben das nicht infrage gestellt. In Italien und Brasilien sind Doku-Soaps das Schönste, was man machen kann. Bei „Wir sind schwanger“ war unsere Absicht, zu zeigen, dass es schön ist, eine Familie zu gründen. Wir hatten ja keine Live-Geburt, das wollten wir gar nicht. Mir waren Sendungen wie „Raus aus den Schulden“ oder „Die Super Nanny“ zu negativ. Die Probleme der Leute ausschlachten und damit Quote machen, das fand ich gemein. Ich wollte positives Fernsehen machen.

„Ich war einfach unzufrieden mit mir“

nordbuzz: Trotzdem gab es auch eine Ehekrise während der TV-Shows ...

Zarrella: Ja, kurz nach der Geburt unseres Sohnes. Rückblickend glaube ich, dass es damit zu tun hatte, dass ich nach der Trennung von Bro'Sis nicht mehr wusste, wo ich hingehöre. Mit Bro'Sis war der gesamte Monat streng durchgeplant und abgestimmt. Auf einmal war das vorbei. Du denkst eigentlich, dass es immer so weitergeht. Und dann habe ich alle nicht mehr gesehen. Ich glaube, ich habe länger gebraucht, um diese Zeit zu verarbeiten, und das habe ich wohl ein bisschen auf die Beziehung projiziert. Meine Frau war damals genauso toll wie heute, nur ich war einfach unzufrieden mit mir.

nordbuzz: Heute scheinen Sie noch mehr auf die Privatspähre zu achten. Sie geben den Namen ihrer Tochter nicht preis und zeigen Ihre Kinder nicht in der Öffentlichkeit ...

Zarrella: Ich möchte meine Kinder beschützen, so lange es geht, um ihnen ein behütetes Zuhause zu geben. Mein Sohn möchte einen YouTube-Channel starten und in Videos zeigen, wie etwas funktioniert. Ich möchte ihn noch ein bisschen zurückhalten. Es gibt ein gesundes Alter, ab wann man bei Kindern gewisse Dinge zulässt. Bei beiden ist dieses Alter noch nicht erreicht. Ich finde es auch wenig verantwortungsbewusst von prominenten Eltern, ihre Kinder mit auf den roten Teppich zu zerren in einem Alter, in dem die Kids noch nicht wissen, welche Auswirkungen das hat.

nordbuzz: Würden Sie es dann unterstützen, wenn Ihre Kinder Schauspieler, Fußballer, Moderator oder Sänger werden wollen?

Zarrella: Zu 100 Prozent. Egal, was meine Kinder werden wollen, ich bete, dass sie das tun können, was sie lieben. Auch wenn es manchmal Umwege bedeutet, etwas länger dauert oder mit Auswandern verbunden ist, unseren Support haben sie.

nordbuzz: Wachsen Ihre Kinder wie Sie auch zweisprachig auf?

Zarrella: Dreisprachig sogar. Sie sprechen Italienisch, Portugiesisch und Deutsch. Nur meine Tochter ist etwas fauler - sie hat verstanden, dass wir alle Deutsch verstehen und spricht deshalb die ganze Zeit nur Deutsch. Meinem Sohn konnte ich länger weismachen, dass Papa nur Italienisch versteht (lacht).

nordbuzz: Jetzt sind Sie schon fast 15 Jahre verheiratet. Was ist das Geheimnis Ihrer Beziehung?

Zarrella: Das frage ich mich auch (lacht). Ich glaube wirklich, dass es einfach Glück ist, dass Menschen sich finden, die zur selben Zeit dieselben Ziele haben. Es hätte sein können, dass Jana Ina und ich uns kennenlernen, als sie unbedingt Karriere machen und ich aber eine Familie gründen wollte. Dann hätten wir beide, obwohl wir uns jetzt so lieben, nicht zusammengefunden.

Das Geheimnis einer langen Beziehung

nordbuzz: Und während der Beziehung?

Zarrella: Wir sind beide Menschen, die sich sehr respektieren. Wir haben uns noch nie in einem Streit etwas gesagt, das wir hinterher bereuten. Es gibt dieses bekannte Sprichwort: „Vergeben ja, vergessen nein.“ Manche Dinge, die man sich während eines Streits an den Kopf wirft, kann man nicht mehr vergessen. Aber das ist uns in 15 Jahren nicht passiert.

nordbuzz: Haben Sie zu den ehemaligen Kollegen und Kolleginnen von Bro'Sis noch Kontakt?

Zarrella: Also Ross (Antony, Anm. d. Red.) ist mein absoluter Schatz aus der Zeit. Wir sehen uns ein- oder zweimal im Monat. Er ist einer meiner engsten Freunde und Verbündeten. Die Wurzeln, die wir aus dieser Zeit haben, sind nicht aus dem Boden zu reißen. Von den anderen höre ich noch ab und zu, aber es ist nicht mehr so intensiv wie vorher, was auch ein bisschen traurig ist. Das ist wie mit der Schulzeit. Man ist etliche Jahre in derselben Klasse, und am letzten Schultag liegt man sich in den Armen und versichert sich: „Wir machen alle einmal im Jahr ein Klassentreffen.“ Bumm, man sieht sich nie wieder. Und so ähnlich war das bei Bro'Sis auch. Ich dachte, wir werden zusammen alt. Aber so ist das Leben, jeder geht seinen Weg.

nordbuzz: Was bedeutet Ihnen heute die Bro'Sis-Zeit?

Zarrella: Das ist die Basis für alles, was ich bis heute erlebt habe. Es gab nicht einen Tag, den ich nicht mochte. Ich hätte ohne Bro'Sis meine Karriere nicht und hätte meine Frau wahrscheinlich nicht kennengelernt. Diese vier Jahre mit Bro'Sis waren die verrücktesten und unglaublichsten Jahre. Ich werde irgendwann, wenn die großen Lichter ausgehen, noch mit Lachen daran denken und mit einem Grinsen gehen können.

Comeback von Bro'Sis?

nordbuzz: Wie sieht es denn dann mit einem Comeback von Bro'Sis aus?

Zarrella: Nein, ein Comeback ist ausgeschlossen. Aber es kann sein, dass Ross und ich etwas zusammen machen, darüber haben wir schon öfter gesprochen. Ob das jetzt nur ein Song ist, ein Album oder eine gemeinsame Tour ... Unsere Wege werden sich noch oft kreuzen. Privat sowieso, aber sicherlich auch auf der Bühne.

nordbuzz: Sie haben auch schon zweimal ein Restaurant eröffnet, das allerdings wieder geschlossen werden musste. Gibt es dazu neue Pläne?

Zarrella: Ich glaube, ich habe das Restaurant zum falschen Zeitpunkt aufgemacht. In der Gastronomie musst du einfach im Laden anwesend sein. Die Leute riefen an und wollten immer, dass ich da bin, wenn sie kommen, was ich auch verstehen kann. Da ich noch zu gerne Moderator und Sänger bin, wäre es aktuell falsch, mich an einen Laden zu binden. Aber mein Wunsch ist es, wenn ich etwas älter bin, ein eigenes Lokal mit einer schönen Bühne zu haben. Dann können da Konzerte gespielt werden, und die Leute können ihre Pizza essen, während ich deutsche Schlager auf Italienisch singe (lacht).

teleschau

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