JoJo

Zu wenig, zu spät

Junge Veteranin: Als 13-Jährige hatte JoJo mit „Leave (Get Out“) ihren ersten großen Hit, als inzwischen 29-Jährige präsentiert sie nun ihr neues Album „Good To Know“.
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Junge Veteranin: Als 13-Jährige hatte JoJo mit „Leave (Get Out“) ihren ersten großen Hit, als inzwischen 29-Jährige präsentiert sie nun ihr neues Album „Good To Know“.

Die größten Erfolge der amerikanischen Pop-Sängerin JoJo liegen knapp 15 Jahre zurück. Mit ihrem neuen Album „Good To Know“ sucht sie den Anschluss an den Zeitgeist, findet aber keine eigene Stimme.

JoJo ist eine Veteranin der Pop-Branche. Schon ihre Debütsingle „Leave (Get Out)“ brach 2004 Rekorde im US-amerikanischen Radio-Airplay. JoJo war damals 13 Jahre alt. Nur zwei Jahre später erreichte sie mit „Too Little Too Late“ den dritten Platz der „Billboard Hot 100“-Hitliste, dem wichtigsten Chart-Ranking der USA. Diese Songs erzeugen noch heute nostalgische Gefühle für die frühen 2000-er, ebenso wie Songs von Britney Spears oder Christina Aguilera. Der Name der Interpretin ist aber längst nicht so geläufig wie die ihrer Kolleginnen. Das liegt daran, dass JoJo nun mit „Good To Know“ erst ihr viertes Album veröffentlicht. Zwischen diesem neuen Langspieler und den alten Glanztaten liegen Jahre, die von vielen verworfenen Marketingplänen und Rechtsstreitigkeiten mit Plattenfirmen geprägt waren, aber nicht von erfolgreicher Musik.

Wenn man ehrlich ist, wirkte schon „Too Little Too Late“ wie eine Kopie von „Leave (Get Out)“ - die Harmonien waren quasi die gleichen, die Instrumentierung sehr ähnlich. Diese Problematik setzte sich fort: JoJo klang oftmals mehr nach einem Industrieprodukt als nach einer eigenständigen Künstlerin. Ihr offensichtliches Faible für R'n'B- und Gospel-Gesang wurde immer wieder in ein möglichst zeitgemäßes Pop-Korsett gezwängt. Auch auf „Good To Know“ ist dementsprechend keine 2000er-Nostalgie zu hören - obwohl dieser Sound anderswo bereits für seine Ehrenrunde zurückkehrt (zum Beispiel bei Rina Sawayama). JoJo arbeitet mit Produzenten wie Lido, der für große Teile der Diskografien von Halsey und Jaden Smith verantwortlich ist, und Doc McKinney, dem Mann hinter einigen der größten Hits von The Weeknd.

Hoffen auf eine Karriere-Renaissance

Auf dem Album-Highlight „Pedialyte“ sind Glockenspiel-Klänge, HipHop-Drums und gefilterte Vocals zu hören. Die inzwischen 29-jährige JoJo singt davon, dass sie einen Kater hat und sich trotzdem schon auf die nächste Party freut. Wenn es nicht ums Feiern geht, geht es um Liebe oder Sex: „Comeback“ ist ein explizites Schlafzimmer-Duett mit Tory Lanez. Im Hintergrund ist das Geräusch eines quietschenden Betts zu hören. Zusammengehalten wird das Album, das sich über weite Strecken als Collage aus Reißbrett-Popnummern präsentiert, lediglich vom JoJo-typischen R'n'B- und Gospel-Einschlag. Der äußert sich in hauchendem Gesang, mehrstimmigen Chor-Parts und vielen Verzierungen, bei denen sie die Skalen gekonnt hoch und wieder runter singt. Doch auch diese Mittel wirken in diesem Sound sehr viel schneller deplatziert oder überstrapaziert, als sie das beispielsweise auf einem Beyoncé-Album tun.

Man fragt sich am Ende, wer eigentlich die Zielgruppe von JoJos „Good To Know“ sein soll. In den YouTube-Kommentaren findet man vor allem Fans, die die Künstlerin noch von früher kennen und eine starke Identifikation aufgebaut haben. Falls sie sich eine Karriere-Renaissance erhofft hatte, so muss man mit Blick auf das neue Album leider sagen: „Too Little Too Late“ - zu wenig, zu spät.

teleschau

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