Noel Gallagher's High Flying Birds

Die Vögel fliegen tief

Noel Gallagher: Ob er manchmal wohl doch an die Möglichkeit denkt, Oasis wieder zusammenzuführen?
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Noel Gallagher: Ob er manchmal wohl doch an die Möglichkeit denkt, Oasis wieder zusammenzuführen?

Mit Oasis hat Noel Gallagher die Musikwelt geprägt und für immer verändert. Auf den EPs seiner Band Noel Gallagher's High Flying Birds ist davon nur noch wenig spürbar. Spätestens mit der neuesten Veröffentlichung „Blue Moon Rising“ verabschiedet der mittlerweile 52-Jährige sich endgültig in die Peripherie.

Zwölf Jahre nach dem letzten Studioalbum der Britpop-Giganten Oasis gibt es immer noch nur ein großes Thema, das die Fans beschäftigt: Wird es eine Reunion geben? Die Brüder und ewigen Streithähne Liam und Noel äußern sich hier und da zu den Gerüchten und Möglichkeiten, während ihre Bandprojekte eher wie Methadon wirken, statt einen echten neuen Rausch zu erzeugen. Liam „Eine-Reunion-ist-möglich“ Gallagher brachte im letzten Jahr mit „Why Me? Why Not.“ ein veritables Rockalbum unters Volk. Das letzte vollwertige Album von Noel „Auf-keinen-Fall-wird-es-eine-Reunion-geben“ Gallagher und seiner Band, den High Flying Birds, liegt schon ganze drei Jahre zurück. Seine Fans müssen sich derzeit mit kleinen Snippets in Form von EPs zufriedengeben. Die neuste Episode dieser Short Series ist „Blue Moon Rising“.

Die titelgebende Single, das Herzstück der EP, wirkt wie der Versuch, unauffällig einen Hit für die Indie-Disko ins Repertoire betagter DJs zu schmuggeln. Schade nur, dass die Indie-Disko tot ist und - wäre sie noch am Leben - Arcade Fire mit „Reflektor“ schon 2013 ihre letzte große Party geschmissen haben. Noel galt immer als das lyrische Mastermind hinter Oasis, doch hier bemüht er nur Bilder wie den Sturm, die Nacht und ein Geheimnis, das so uninteressant erscheint, dass nicht einmal die treuesten Oasis-Fans ehrliches Interesse daran haben dürften. Konzerte von Bands, die so klingen wie „Blue Moon Rising“, kann man in deutschen oder britischen Großstädten jedes Wochenende besuchen. Und das spricht nicht gegen diese Bands, sondern gegen die Identität von Noel Gallagher's High Flying Birds, die auf der EP kaum zu existieren scheint.

Gibt es überhaupt noch einen coolen Gallagher?

Auch das zweite der drei neuen Stücke, „Wandering Star“, erzählt gelangweilt von dem Stern, der einen nach Hause führt. Wenn man schon ein Bild verwendet, das seit hundert Jahren auserzählt ist, warum dann nicht wenigstens ein weniger kitschiges? Oder zumindest musikalisch interessant und nicht in Form einer Prom-Hymne, die sonst höchstens im Abspann einer Direct-to-DVD-Schnulze ihren Platz finden würde?

Bevor es ganz am Ende noch zwei Remixes von „Blue Moon Rising“ gibt - einer, fürs DJ-Set, über sieben Minuten lang -, steht mit „Come On Outside“ noch ein Schunkler vor der Tür, den man lieber wegschicken möchte, wenn er da vor sich hin dudelt und brabbelt. Allen Stücken auf Noels neuer EP fehlt es an Spannung, Dynamik und Kontext - alleinstehend sind sie schockierend durchschnittlich. So erinnert der aktuelle Output leider nur daran, dass „Wonderwall“ mittlerweile 25 Jahre alt ist. Heute streitet man nicht mehr darüber, wer der coolere Gallagher ist. Man muss im Moment eher fragen: Gibt es überhaupt noch einen coolen Gallagher?

teleschau

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