Sparks

Tropfende Hähne und göttliche Funken

Die Gebrüder Glam: Ron (links) und Russell Mael sind die Sparks.
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Die Gebrüder Glam: Ron (links) und Russell Mael sind die Sparks.

So sperrig, wie das Cover aussieht, klingt das neue Album der Sparks auch. Damit bleibt „A Steady Drip, Drip, Drip“ der Linie der Gebrüder Mael treu, denn Musik für Schubladendenker war ihnen schon immer ein Gräuel.

Sparks - der Bandname trifft es gut. Denn wenn der Funke erst einmal überspringt, ist man als geneigter Hörer bald Feuer und Flamme für die verschwurbelten Kompositionen der Gebrüder Ron und Russell Mael. Bisweilen stellt sich die Frage: Ist das noch Pop und Rock? Oder bereits eine Rock-Oper, komprimiert auf drei, vier Minuten? Oder doch schon Avantgarde? Und: Ist das noch Genie oder schon Wahnsinn? Die mit Liebe zum Detail aus Noten, Glitzersteinchen, Konfetti und Ohrwürmern gewebten Stücke der Kalifornier verströmen neben einem ungebrochenen Faible für Glam immer auch eine mehr oder weniger große Portion Surrealismus.

So viel Eigensinn, wie man ihn seit der Bandgründung 1972 bei den Sparks antrifft, konfligiert zwangsläufig mit dem engstirnigen Schubladendenken der Hitradios - Ausnahmen wie „This Town Ain't Big Enough For Both Of Us“ (1974) oder „When Do I Get To Sing 'My Way'“ (1994) bestätigen die Regel. Man kann das Duo trotz seiner ebenso traditions- wie abwechslungsreichen Historie auch nach 48 Jahren im Business noch als eine der am meisten unterschätzten Combos der Musikwelt einstufen. Doch so ganz stimmt das nicht: Irgendwo auf der Welt waren Ron und Russell Mael immer populär - nur eben nie überall gleichzeitig. Mal waren sie in der Heimat angesagt, mal in England. Mal in Frankreich, dann wieder in Schweden. Big in Australia oder in Deutschland. Unvergessen sind Songs wie „This Town Ain't Big Enough For Both Of Us“, „Change“, „Number One Song In Heaven“ oder „When Do I Get To Sing 'My Way'“. Letzterer Titel wurde 2015 in Kooperation mit Franz Ferdinand (das Projekt nannte sich „FFS“) neu vertont, was in Großbritannien für die Top 40 und in Deutschland sogar für die Top 10 reichte.

Wie ABBA mit Persönlichkeitsstörung

Mit „All That“ bietet das neue Album „A Steady Drip, Drip, Drip“ gleich zu Beginn eine Mitsing-Hymne. Der gutgelaunte, eingängige Track klingt wie eine Nationalhymne der Unangepassten. Es folgt das schräge Bekenntnis „I'm Toast“, eine typische Sparks-Nummer: schrill, eindringlich und an der Grenze zur Rock-Operette. Auch sonst zeigen die Sparks sich immer wieder von ihrer besten, also abgedrehtesten Seite - etwa mit einer repetitiv-hypnotischen Ode an den Rasenmäher („Lawnmower“) oder dem Titel „Left Out In The Cold“, der ein wenig nach ABBA mit Persönlichkeitsstörung klingt. „Onomata Pia“ könnte aus der experimentierfreudigen Phase der Beatles stammen, und „Stravinsky' Only Hit“, gesungen im typischen Ron-Mael-Falsett, wirkt wie die Antwort der Sparks auf Queens „Bohemian Rapsody“ - mit dem Unterschied, dass die Brüder Mael das Pathos und die Schwermut des Queen-Klassikers mit schrägem Humor austauschen.

Große Gefühle gibt es bei den Sparks auch - auf ihre sehr spezielle Art eben. Denn wenn die Jungs eine Ballade machen, die mit Klavier und Streichern die Seele kitzeln will, konterkarieren sie die Gefühlsduselei gleich wieder mit den Lyrics: Ein Refrain wie „Please don't fuck up my world“ ist kein klassischer Minnesang und ganz sicher auch keine neue Eintrittskarte in die Heavy Rotation im Radio. Die Sparks bleiben die Sparks, auch auf ihrem inzwischen 24. Studioalbum. Ob es irgendwann mal für den Titel „Number One Band in Heaven“ reicht, ist eine Frage, die sich gar nicht stellt. Denn Everybody's Darling zu sein ist mit Sicherheit das Letzte, was die Sparks wollen.

teleschau

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