Soilwork

Traum und Wirklichkeit

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Soilwork aus Schweden gelten als Vorreiter des Genres Melodic Death Metal. Nach einer längeren Pause und personellen Wechseln veröffentlicht die Band nun das neue Album „Verkligheten“.

So klingt Melodic Death Metal im Jahr 2019: Soilwork führen auf „Verkligheten“ verschiedene Stile aus Vergangenheit und Gegenwart zusammen.

David Bowie hat es getan, James Brown auch. Jetzt folgen die Schwermetaller von Soilwork und bringen ein Album mit dem ebenso schlichten wie bedeutungsschweren Titel „Wirklichkeit“ auf den Markt. „Reality“ eben, oder auf Schwedisch „Verkligheten“. Auf diesem Werk hat sich die musikalische Realität der Melodic-Death-Metaller zwar nicht grundlegend verändert. Dafür jedoch ist das Album schlicht und ergreifend: wirklich gut.

Etwas Luft zum Durchatmen (das letzte Album erschien 2015), ein neuer Drummer und der Eintritt in eine neue Lebensphase kennzeichnen die aktuelle Wirklichkeit der seit 20 Jahren aktiven Band. „Wir sind nicht mehr jung, und unsere Wirklichkeit besteht dieser Tage aus den Höllenhunden, die uns auf den Fersen sind“, erklärt die Band aus Schweden. Sie verweist außerdem auf „die Geister in unserem Unterbewusstsein und die Kälte der Existenz, die vom Tag deiner Geburt anfängt, deine Seele aufzufressen.“ In solchen Statements schwingt die Lebenskrise mit, das Hinterfragen, auch Angst.

Das Motto von Soilwork: Schau der Wirklichkeit ins Auge, Angriff ist die beste Verteidigung. Nach dem Intro knallt „Arrival“ erbarmungslos aus den Boxen. Der Schlag sitzt. Es ist ein erstes, offenbar sehr auf seine Signalwirkung bedachtes Zeichen, dass Soilwork trotz aller Umbesetzungen und Pausen keineswegs dazu bereit sind, ihren Platz auf dem Olymp des harten Metal zu räumen. Bastian Thusgaard, der neue junge Mann an den Drums und Nachfolger des zu Megadeth gewechselten Dirk Verbeuren, lässt eindrucksvoll die Muskeln spielen; das Wechselspiel aus gebrüllten Strophen und kantablen Refrains läuft wie geschmiert.

Der Reiz des Kontrastes

Dabei bleibt es aber nicht, denn „Bleeder Dispoiler“ stellt im Anschluss klar den Groove in den Mittelpunkt. Und The Night Flight Orchestra, das Classic-Rock-Nebenprojekt von Sänger Björn Strid und Gitarrist David Andersson, das in der Szene spätestens seit dem 2018er-Album „Sometimes The World Ain't Enough“ hinreichend bekannt sein dürfte, hat auf „Verkligheten“ ebenfalls seine Spuren hinterlassen - nachzuhören unter anderem in den beiden Singles „Full Moon Shoals“ und „Stålfågel“.

Mit der Wirklichkeit ist es wie mit der Wahrheit - sie liegt oft in der Mitte. Im Fall von Soilwork liegt sie zwischen schmerzhafter Wut, purer Energie und einem gelegentlichen Blick für das Positive im Leben. Die Spielwiese der Keyboards blüht auf „Verkligheten“ bemerkenswert bunt, die Felswände sind schroff wie eh und je. Es ist weiterhin der Reiz des Kontrastes, dem sich Soilwork verschrieben haben - mit einem Album, welches von neuen Wegen träumt, ohne dabei die Realität außer Acht zu lassen.

Soilwork auf Tour (mit Amorphis):

11.01. Oberhausen, Turbinenhalle

13.01. Hamburg, Markthalle

18.01. Hannover, Capitol

19.01. Leipzig, Hellraiser

29.01. Berlin, Kesselhaus

30.01. München, Backstage (Werk)

01.02. Geiselwind, Music Hall

02.02. Köln, Essigfabrik

13.02. Wiesbaden, Schlachthof

14.02. Saarbrücken, Garage

15.02. Stuttgart, LKA Longhorn

teleschau

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