Eminem

Totgesagte rappen länger

Wiederholungstäter: Nach „Kamikaze“ (2018) hat Eminem auch sein neues Album „Music To Be Murdered By“ ohne Vorankündigung veröffentlicht.
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Wiederholungstäter: Nach „Kamikaze“ (2018) hat Eminem auch sein neues Album „Music To Be Murdered By“ ohne Vorankündigung veröffentlicht.

Es ist eines der ersten HipHop-Highlights des Jahres: Eminem hat überraschend ein neues Album veröffentlicht und punktet darauf mit einer Rückbesinnung auf alte Stärken.

Er hat es also wieder getan. Nachdem Eminem sein Album „Kamikaze“ im August 2018 ohne Vorankündigung veröffentlichte, scheint er Gefallen an dieser Release-Strategie gefunden zu haben: Sein neuer Longplayer „Music To Be Murdered By“ (eine Hitchcock-Referenz) erschien nun ebenfalls ohne Vorwarnung - und die geballte Medienaufmerksamkeit war ihm dadurch natürlich gewiss.

Eminems lyrische Fähigkeiten kann auch auf dieser Platte niemand ernsthaft infrage stellen, das allgemeine Feedback zu seinen letzten Alben war jedoch eher durchwachsen. Tatsächlich war es ein wichtiger Kreativpfeiler seiner letzten Platten, sich über die schlechte Resonanz nach den jeweiligen Vorgängeralben auszulassen. „Kamikaze“ etwa war eine wütende Replik auf das generelle Unverständnis, das seinem „Revival“-Album von 2017 entgegengebracht wurde.

Im „Premonition“-Intro von „Music To Be Murdered By“ reagiert Eminem nun auf die Kritiken zu „Kamikaze“, indem er rappt: „'Revival' flopped, came back and I scared the crap out'em / But 'Rolling Stone' stars, I get two and a half outta five, and I'll laugh out loud.“ Gleichzeitig zeigt er in dem besagten Intro jedoch auch, dass ihm flow- und reimtechnisch nach wie vor kaum jemand das Wasser reichen kann.

Der kreative Tiefpunkt ist überwunden

Doch der 47-jährige Eminem scheint immer noch darum zu kämpfen, als Rapper fortgeschrittenen Alters seinen Platz im kontemporären HipHop zu finden. Während jemand wie Jay-Z (damals genauso alt wie Eminem jetzt) auf seinem letzten Soloalbum „4:44“ (2017) überzeugend vormachte, wie Grown-Man-Rap heutzutage klingen kann, hat Eminem noch keine zufriedenstellende Antwort auf diese Frage gefunden, und er findet sie auch auf dem neuen Album nicht. Die gute Nachricht ist: Sein kreativer Tiefpunkt bei der künstlerischen Auseinandersetzung mit dieser Frage („Revival“) scheint überwunden, denn im Vergleich zu den letzten Alben ist „Music To Be Murdered By“ eine deutliche Steigerung - auch, weil Eminem sich auf seine alten Stärken zurückbesinnt.

Die therapeutische Aufarbeitung familiärer Schieflagen, die zum Beispiel im Song „Stepdad“ Thema sind, beherrscht nach wie vor kaum jemand so gut wie Eminem. Aufsehenerregend war und ist sicherlich auch die medial umfassend besprochene Single „Darkness“, auf der Eminem sehr deutlich die US-amerikanischen Waffengesetze kritisiert und sich im beklemmenden Video in den Massenmörder von Las Vegas verwandelt, der vor zweieinhalb Jahren 59 Menschen das Leben nahm. Wenn dieses Stück den einen oder anderen US-Amerikaner dazu bewegt, sich für striktere Waffengesetze einzusetzen, lässt sich gegen „Music To Be Murdered By“ sowieso nichts sagen.

teleschau

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