Ab 5. Mai erhältlich

Neues von den Toten Hosen: So klingt das Album „Laune der Natur“

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Die Toten Hosen - Laune der Natur

Nach fünf Jahren kommt ein neues Studioalbum der Toten Hosen. „Laune der Natur“ versteht sich als eine Art Tagebuch. Und es zeigt sich: Es liegt eine emotionale Achterbahnfahrt hinter der Band.

Vorab: Ein neues „Tage wie diese“ ist nicht auf diesem Album. Auch wenn die Hosen dem eigenen Bekunden nach gerne noch so einen Hit geschrieben hätten. Aber „Laune der Natur“ ist keine aufs Stadion, auf die Bengalos und wehenden Flaggen hin geschriebene Hymnensammlung. Das neue Werk wirkt unrunder, allerdings auch etwas eitler als die beiden vorherigen, die nach einer längeren Schaffenskrise bei der Mehrzahl der Fans als sehr gelungen durchgingen. Mit „Laune der Natur“ wird es mancher von ihnen schwerer haben.

Es waren bedeutsame Jahre, die hinter den Toten Hosen liegen. Zum einen der gigantischste Erfolg der Bandgeschichte, angetrieben vom Gassenhauer „Tage wie diese“, der vom Oktoberfest über die WM bis hin zur CDU-Wahlparty alle in seinen Bann zog. Dem gegenüber: der Tod! Mit dem langjährigen Bandmanager Jochen Hülder und Ex-Drummer Wölli Rohde gingen zwei geliebte Mitglieder der Hosen-Familie. Sie beide bekommen auf „Laune der Natur“ ihren Platz. „Eine Handvoll Erde“ ist eine sehr direkte Erinnerung an den Tag der Beerdigung Hülders ... „Wir tragen Dich nur ein paar Meter, die für ein ganzes Leben stehen“. Wölli hingegen gehört der letzte Song. Er selbst spielte 2011 solo „Kein Grund zur Traurigkeit“ ein. Die Hosen filterten seine Gesangsspur aus, legten neue Musik darunter, Campino singt jetzt mit. Ein wunderbarer Abschluss des Albums!

„Der Manager ist tot, die Kohle wird verbrannt. Fühlen uns nur noch wohl mit Pistole in der Hand“ - mit diesen Zeilen eröffnet die Platte. „Urknall“ gaukelt danach ein Zurück „auf den Bolzplatz“ vor. Tatsächlich aber ist „Laune der Natur“ natürlich kein Deutschpunk-Album wie sie noch vor 30 Jahren entstanden. Es ist Rock - mit Liedermacherattitüde. Einfache Musik, die Botschaft steht im Vordergrund.

Überzogen politisch oder belehrend waren die Hosen ohnehin nur selten, und auch diesmal sind sie das bis auf wenige Ausnahmen („Pop & Politik“) nicht. Stattdessen entstand, durchaus so gewollt, eine Art Tagebuch, das eben geprägt ist von den letzten Jahren. „Alles passiert“ beschreibt eine Beziehung ohne Happy End, „Die Schöne und das Biest“ tut das märchengleich im „Bonnie & Clyde“-Stil. Und „Lass los“, eine der wenigen echten Hymnen, thematisiert die Zeit nach der Trennung: „Wir haben lang genug geweint, doch manchmal tut's noch weh.“ „ICE nach Düsseldorf“ schließlich erzählt von dem wieder erwachten Bewusstsein für die Heimat bei Leadsänger Campino.

Und allem wohnt der Abschied als übergreifendes Thema inne. Keine Sorge, sicher nicht der von dieser populärsten und erfolgreichsten deutsche Band der letzten Jahrzehnte. Niemand kokettiert da mit Rückzug. Wohl aber geht es um den endgültigen Abschied von Menschen, von alten Ansichten, von Orten. Es ist die Momentaufnahme einer Ü50-Band, die nicht so tut, als seien alle noch 30. Ein textlich reifes Album, auf dem ab und an Zeit bleibt für selbstironische Momente. „Wie viele Jahre“ ist ein schönes Beispiel dafür. Wieder einmal schaut die Band hier auf sich selbst und lässt die Jahrzehnte Revue passieren. Beginnend in jener Zeit, als man noch für Schnaps und Altbier spielte, bis hin zum Heute, da Gitarrist Breiti (auch schon 53) zum Geburtstag Biosnacks bekommt. Er hätte sicher gern weitergetrunken, verträgt aber nichts anderes mehr.

Ein finaler Anspieltipp noch: Die Single „Unter den Wolken“ geht ins Ohr, klar. Aber das versteckte Highlight ist eine kleine Hommage an den „Wannsee“, angeführt vom eigentlichen banalen One-Liner „Wannsee, Wannsee, wann seh' ich Dich endlich wieder?“ Macht ungemein Freude, dieses Lied.

Wer will, erwirbt „Laune der Natur“ als Spezialedition und damit als Doppelalbum. Diesmal gibt's Punk pur obendrauf. 26 Jahre nach dem Klassiker „Learning English Lesson One“ bietet die Fortsetzung ganze 21 Punksongs, die von den Hosen neu, aber treu interpretiert wurden. Höhepunkte: „Where Are They Now“ (Cock Sparrer), „Teenage Kicks“ (Undertones), „Sonic Reducer“ (Dead Boys), „Your Generation“ (Generation X) und „California Über Alles“ (Dead Kennedys). Eingespielt wurden die Tracks mit Freunden, Weggefährten und Angehörigen der Original-Bands, darunter auch Bob Geldof (The Boomtown Rats, „Lookin' After No.1“). Laune der Natur erscheint am 5. Mai 2017. 

tsch

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