Dua Lipa

Tiefgründiges Tanzen

Dua Lipa gehört inzwischen zu Großbritanniens größten Popstars, und auf ihrem neuen Album „Future Nostalgia“ zeigt die Kurve weiterhin steil nach oben.
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Dua Lipa gehört inzwischen zu Großbritanniens größten Popstars, und auf ihrem neuen Album „Future Nostalgia“ zeigt die Kurve weiterhin steil nach oben.

Dua Lipa ist auf dem besten Weg, Großbritanniens größter Pop-Export zu werden. Ihr zweites Album „Future Nostalgia“ exhumiert Disco-Sounds und will uns auch zu Hause tanzen sehen.

Dua Lipa hat die Veröffentlichung ihres neuen Albums „Future Nostalgia“ spontan um eine Woche vorgezogen. Damit wählt sie einen ganz anderen Weg als Kolleginnen wie etwa Lady Gaga oder Alicia Keys, auf deren neue Musik man aufgrund der Coronakrise länger warten muss als ursprünglich geplant. Andere ziehen den Kopf ein, Dua Lipa möchte den Menschen eine Freude machen - und zwar jetzt. Der Albumtitel wirkt paradox, aber er ist es nicht. Die Pop-Musik der Zukunft wird ebenso wie die Pop-Musik der Jetztzeit mit Nostalgie zu tun haben. Die Pop-Musik Dua Lipas hat auf diesem Album vor allem mit der elektronischen Tanzmusik der 80-er zu tun.

„I know you're dying trying to figure me out“, singt sie auf dem Titeltrack und vergleicht sich mit dem stilprägenden Architekten John Lautner. Der „Future Nostalgia“-Sound erfindet das Rad nicht neu. Man fühlt sich an Kylie Minogue erinnert oder an Daft Punk, die ihrerseits alte Disco-, House- und Electro-Funk-Klänge exhumierten und updateten. Trotzdem könnte Dua Lipa mit „Future Nostalgia“ einen Trend setzen, denn diese futuristisch-nostalgische Pop-Musik ist so belebt und tanzbar, dass sie Menschen dazu bringen wird, trotz geschlossener Clubs und Krisenstimmung die Hüften zu schwingen wie ein junger John Travolta.

Ein herausragendes Pop-Album

Das bedeutet aber nicht, dass Tiefgründigkeit verlorengeht: „Break My Heart“ ist ein gutes Beispiel für den Stil, den Dua Lipa „Dance Crying“ nennt und der auch die Durchbruch-Single „Be The One“ (2015) und den Smash-Hit „New Rules“ (2017) schon prägte. Sich neu zu verlieben, zu tanzen, glücklich zu sein, ist immer verbunden mit der Angst, verletzt zu werden und das Glück wieder zu verlieren. Im Gegensatz zum selbstbetitelten Debüt ist „Future Nostalgia“ zwar klanglich ein Gute-Laune-Album, in den Texten sind diese Motive aber weiter präsent. „Am I falling in love with the one that could break my heart?“, singt Dua Lipa über einen Beat, der an „Need You Tonight“ von INXS angelehnt ist.

Und trotz aller Verletzlichkeit spricht sie sich immer noch für weibliches Empowerment aus: Der Titel „Boys Will Be Boys“ greift einen englischen Sinnspruch auf, der genutzt wird, um gewaltsames, sexistisches oder anderweitig toxisches Verhalten von jungen Männern zu relativieren. In der Strophe erzählt Dua Lipa von Ängsten, die für junge Frauen alltäglich sind (angemacht zu werden, verfolgt zu werden), und von Verhaltensweisen, die sie sich aneignen (nach Hause gehen, bevor es dunkel wird, weite Klamotten tragen). Vor allem für junge weibliche Fans dürfte das ein starker Impuls sein, Machtstrukturen zu hinterfragen und toxisches männliches Verhalten nicht hinzunehmen. Auch deshalb ist „Future Nostalgia“ ein herausragendes Pop-Album.

teleschau

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