Versengold

Vom Thekenmädchen bis zum Teufelsmoor

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Sie gehören zu den erfolgreichsten und sicher auch zu den launigsten deutschen Folk-Rock-Bands: Versengold liefern mit „Nordlicht“ wieder eine wunderbare Mitsing-Platte.

Norddeutsche Ohrwurmmanufaktur: Versengold präsentieren auf „Nordlicht“ erneut erstklassigen deutschen Folk-Rock und zeigen, dass sie jenseits der Folklore noch einiges zu sagen haben.

„Egal wie schön sie auch ist / Egal wie durstig du bist / Es ist ihr Job, dass sie dich mag!“: Versengold rieten in der ersten Single-Auskopplung zum neuen Album „Nordlicht“ dazu, sich „nie, nie, nie, niemals nie“ in das Mädchen hinter der Theke zu verlieben („Thekenmädchen“). Damit trafen die sechs Bremer Musikanten bereits den Nerv der Fans: Scharfzüngig, melodiös und lebensfroh steht der Song beispielhaft für das gesamte Album. Satte 14 Songs enthält das neue Folk-Rock-Werk, und doch ist es bis zum Schluss eine äußerst kurzweilige Angelegenheit.

Schon mit dem Eröffnungssong „Durch den Sturm“ fordert die Band musikalisch zum Schwung des Tanzbeins auf. Sowohl „Thekenmädchen“ als auch „Der Tag, an dem die Götter sich betranken“ sind beschwingte Trinklieder inklusive Mitsing-Refrains. Der geneigte Zuhörer möchte direkt selbst ein Lokal aufsuchen, sich einen Humpen einschenken lassen und mitgrölen. „Butter bei die Fische“ ist dagegen eine fast punkige Hymne auf die Freundschaft mit stilistischen Anleihen bei Bands wie Fiddler's Green und Dropkick Murphys. Was alle Stücke verbindet: ihr Optimismus, ein ausgeprägtes Wir-Gefühl und das Feiern des Hier und Jetzt.

Ein Nordlicht über dem Teufelsmoor

Doch Sänger Malte Hoyer bliebe sich nicht treu, würde er nicht auch ernste Themen anschneiden. Mit dem kraftvollen Titel „Braune Pfeifen“ etwa bezieht er Stellung gegen rechts. Der melancholische und doch versöhnliche Song „Erinnere dich (Ein Lied das nicht vergisst)“ hingegen verarbeitet persönliche Erlebnisse; auch Themen wie Abschied und Demenz werden angesprochen. Düster wird es mit „Winterflut 1717“: Die besungene Weihnachts-Sturmflut forderte Tausende Menschenleben. Kirchengeläut und „Mmmh“-Chor stimmen auf Zeilen ein, die schwer im Magen liegen. Historisch und nordisch bleibt es auch mit Titeln wie „Teufelstanz“ und „De rode Gerd“, die Mythen und Sagen rund um das Teufelsmoor bei Bremen aufgreifen.

Auf ein Insrumentalstück verzichten Versengold diesmal, doch die Themen sind vielfältig wie immer, und bei aller Abwechslung gibt es auch eine Konstante: Versengold schaffen es, aus jeder Stimmung und jeder Idee einen Ohrwurm zu zimmern. Eine einprägsame Melodie jagt die nächste, ohne dass die Band je in poppiges Einheitsgedudel abdriften würde - jeder Song auf „Nordlicht“ hat seine Ecken und Kanten. Gleichzeitig strotzen die Texte vor augenzwinkerndem Humor und cleveren Wortspielen. Und am Ende des neunten Langspielers hat man dennoch den Eindruck: Versengold haben noch längst nicht alles gesagt und gesungen, was ihnen auf dem Herzen liegt.

teleschau

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