Pet Shop Boys: Super

Super, Ja!

Pet Shop Boys - Super

Auch nach 30 Jahren im Pop-Business klingen die Pet Shop Boys hervorragend: "Super" beweist das eindrucksvoll.

Wer sein Album "Super" nennt, macht natürlich eine Ansage. Wer seit genau 30 Jahren im Pop-Geschäft ist, darf das allerdings auch. 1986 veröffentlichten die Pet Shop Boys ihr Debüt "Please", jetzt, drei Jahrzehnte später, legen sie ihr 13. Studioalbum vor - und präsentieren es live, kein Witz, im Londoner Royal Opera House. Allerdings, so viel Stilbewusstsein haben Neil Tennant und Chris Lowe dann doch, ohne die bei solchen Anlässen meist unvermeidbare Orchester-Unterstützung. Würde auch schlecht passen, angesichts der poppigen Klänge, die auf "Super" zu hören sind.

"Super" ist in gewisser Weise ein ziemlich deutsches Album geworden. Der Song "The Pop Kids" hieß ursprünglich "Munich", weil die Idee dazu in der bayerischen Landeshauptstadt entstand. Geschrieben wurde das Stück, wie der Rest des Albums, dann aber in Berlin. Die Atmosphäre der Berliner Clubs habe es ihm angetan, erzählt Neil Tennant, und vergisst dabei natürlich nicht, das Berghain zu erwähnen. "Super" würde in die heiligen Hallen des legendärsten Clubs der Republik sicherlich gut passen - auch wenn die zwölf Songs weniger hart und elektronisch sind als noch auf der Vorgängerscheibe mit dem programmatischen Titel "Electric". Zu den ruhigen, poppigeren Klängen des 2012er-Großwerks "Elysium" kehren die Pet Shop Boys dennoch nicht zurück: Tanzen kann man zu beinahe jedem Track auf "Super". Dafür sorgt erneut Produzent Stuart Price, der schon auf "Electric" die Richtung vorgab.

Tanzboden-tauglich startet die Platte dann auch mit "Happiness", einem veritablem Elektrobrett, das hält, was der Titel verspricht: Glückseligkeit unter der Discokugel. Hit-Potential hat "The Pop Kids", die erste Single-Auskopplung des Albums. "They called us the Pop Kids, 'cause we loved the pop hits, and quoted the best bits, so we were the Pop Kids", singen die Pet Shop Boys da. Auch wenn sie beteuern, der Song handele nicht von ihnen - diese Zeilen hätten sich die Boys auch selbst auf den Leib schreiben können. Man denkt natürlich unweigerlich an "Go West", jenes "best bit", das Mitte der 90-er jede Unterstufenparty rockte und heute, angesichts der Migrationsströme gen Westen, eine ganz neue Botschaft vermittelt: "Go West, Life is peaceful there", hieß es damals.

Politisch geben sich die gern als Paradiesvögel belächelten Tennant und Lowe auf "The Dictator Decides" - eine Abrechnung mit all den Despoten dieser Welt, die Popklänge mit militärischer Härte zu einer unheimlichen Klangkollage verschmilzt. "Please will somebody put me out of my misery", lassen die Briten da den "sad dictator" flehen. "Er hat genug davon, die Leute zu unterdrücken", erklärt Tennant. Eine schöne Idee.

Die Deutschen, hat Chris Lowe übrigens während seiner Zeit in Berlin beobachtet, würden recht häufig das Wort "Super" verwenden: "Super, Ja!" hat er sie auf den Straßen sagen hören. Daher der Albumtitel. War doch klar. Denn bescheiden waren die Pet Shop Boys schon immer. Auch nach 30 erfolgreichen Jahren im Geschäft.

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