The Killers

Stadion-Rock, Musical und 80er-Hommage

Die Herren in Weiß musizieren wieder: The Killers kombinieren Stadion-Rock mit 80er-Pop-Reminiszenzen.
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Die Herren in Weiß musizieren wieder: The Killers kombinieren Stadion-Rock mit 80er-Pop-Reminiszenzen.

The Killers sorgen auch mit „Imploding The Mirage“ für Ambivalenz. Ist das noch authentische Reminiszenz an Classic Rock und 80er-Pop oder schon eine akustische Las-Vegas-Show? Die Stimme von Brandon Flowers versöhnt mit allen offenen Fragen.

Ist das noch Indie-Rock oder schon Rock-Musical? Auf diese Frage lassen sich die meisten kritische Stimmen zum Gesamtwerk von The Killers runterbrechen. Dass die Band ausgerechnet aus dem Epizentrum des schönen Scheins stammt (nämlich Las Vegas) dient den Hatern als Beweis dafür, dass rosa Plastik und nicht harter Stein die Substanz ist, in welche die Band ihre Songs meißelt.

Für Fans sind diese Vorbehalte unbegreiflich. Wie kann man eine Combo nicht lieben, die gekonnt wie keine andere Pop und Rock zu einem Ganzen verschmilzt und widerspruchslos Melancholie und Partylaune in ein und denselben Track presst? Okay, mag sein, dass The Killers in ihren schlechtesten Momenten klingen, als hätten Meat Loaf und Jim Steinman für eine Kinder-Oper kollaboriert, oder wie eine ELO-Revival-Hochzeitsband. Doch klingen sie eben in ihren besten Momenten so monumental, als wäre Freddie Mercury in einem Paralleluniversum bei Queen abgesprungen, um zu den Killers überzulaufen.

Synthie-Hooks wie in den 80er-Jahren, der goldenen Ära der karamelisiert-bittersüßen Melodien auf der einen Seite, flotter Stadion-Rock und episch-romantische Classic-Rock-Reminiszenzen auf der anderen Seite - und in der goldenen Mitte eine der charismatischsten Stimmen der Pop- und Rock-Geschichte: Brandon Flowers' Organ erkennt man sofort und ebenso schnell versöhnt es mit jedem Zweifel daran, ob das Herz der Band für ehrlichen Rock schlägt. Alles, was die Killers zum Kult machte, bietet das sechste Album in der gleichen Intensität wie die Vorgänger. „Imploding The Mirage“ leistet sich zwar ein paar schwache Momente, dafür sind die anderen Songs Hymnen, deren Anziehungskraft man sich nicht mal entziehen könnte, wenn man sich die Ohren mit gesüßtem Popcorn vollstopft und mit zwei rosa Luftballons zuhält.

Rock-Oper oder Classic Rock?

Der Opener ist treffsicher gewählt: „My Own Souls Warning“ ist ein flotter und energetischer Wachmacher und wurde bereits vorab als Single veröffentlicht. Die Single „Dying Breed“ ist als Fan-Favorit bekannt. Kein Wunder: Die Melodie hat einen schon nach den ersten Tönen eingefangen und zeigt, dass The Killers den Zenit ihrer Karriere beliebig strecken können. „Fire In Bone“ klingt auf der Skala der 80er-Reminiszenzen wie die Spitze des Eisbergs der Coolness, in den Original-80ern erklommen von Combos wie INXS, U2, Simple Minds, Depeche Mode oder The Cars. Bei „Caution“, einer weiteren von insgesamt vier Vorab-Singles, glaubt man, seinen Ohren nicht zu trauen: ein Gitarren-Solo! Wo gibt´s denn heutzutage so was noch? Die Antwort: nur hier, im Las Vegas der Ohrwurm-Süchtigen. Ist der Mund vor Staunen noch offen? Dann darf das so bleiben angesichts des Fun Facts: Kein geringerer als Lindsey Buckingham, Ex-Mitglied von Fleetwood Mac, zieht hier andere Saiten auf!

Tanzen ist zu diesem Album ein natürlicher Reflex, auch wenn man derzeit nur in den eigenen vier Wänden tanzen kann. Die Wehmut der Corona-Zeiten kennt auch Brandon Flowers: „Wir sind gewohnt, ein Album zu veröffentlichen und dann eine Tour zu spielen. Es nicht bloß zu bewerben, sondern es zu feiern“, erklärte er im Interview mit dem „Tagesspiegel“. „Nun fühlt es sich an, als ob man ein fantastisches Fest vorbereitet hätte, zu dem Millionen gekommen wären - und dann muss man absagen.“ Die Rede ist von der aufgrund der Corona-Pandemie verschobenen Tour.

Absagen muss man allerdings nicht, man kann auch im kleinen Kreis feiern. Im sehr, sehr kleinen Kreis. Beispielsweise wenn man allein im Wohnzimmer zu einer hingerotzt rockigen Hymne wie „Lightning Fields“ tanzt oder mit dem imaginären Gospel-Chor von „My God“ mitsingt. Mehr Soul wie in diesem Moment findet sich nirgends im Oeuvre der Killers. Der Showdown ist ebenso auf den Punkt wie der Opener: Hymnischer und eindringlicher als die 4:08-minütige Rock-Oper „Imploding The Mirage“ geht es nicht.

teleschau

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