The Boomtown Rats

Sir Bob und seine Ratten sind wieder da

Sir Bob Geldof und seine Boomtown Rats lieferten 1979 mit „I Don&#39t Like Mondays“ einen Hit für die Ewigkeit. Nun melden sie sich mit neuer Musik zurück.
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Sir Bob Geldof und seine Boomtown Rats lieferten 1979 mit „I Don't Like Mondays“ einen Hit für die Ewigkeit. Nun melden sie sich mit neuer Musik zurück.

Das bis dato letzte Album der Boomtown Rats, „In The Long Grass“, erschien 1984 und besiegelte damals quasi das Ende der Band, die zuvor einen so steilen Aufstieg hingelegt hatte. Jetzt sind Sir Bob Geldof und seine Ratten wieder da - mit einem neuen Album.

Ihren Hit „I Don't Like Mondays“ kennt auch 40 Jahre nach Veröffentlichung noch jedes Kind, und das gilt natürlich auch für den Schreiber jenes Evergreens, Sir Bob Geldof. Dieser Song, der inspiriert war durch einen Amoklauf 1979 in San Diego, machte nicht nur Geldof berühmt, sondern auch seine Band The Boomtown Rats. Das irische Sextett funktionierte über die kommenden Jahre wirklich gut. In Großbritannien waren die Boomtown Rats regelmäßige Chartgäste, im Rest Europas dagegen nur hin und wieder präsent. Man konnte dennoch mehr als zufrieden sein, die Presse titulierte die Rats gar als „Abba des Punk“ und Sänger Bob durfte sich damals irgendwo zwischen Alice Cooper und Mick Jagger verortet fühlen.

Doch das von Geldof initiierte Band-Aid-Projekt und das nachfolgende Live-Aid-Spektakel hoben den medialen Charity-Faktor Mitte der 80er-Jahre auf ein neues, immens hohes Level. Danach war nichts mehr wie vorher und Geldofs Ruf als nimmermüder Botschafter der guten Tat machte den Boomtown Rats ungewollt den Garaus. Diese bodenständige Truppe mit dem Herz auf der Zunge und erhobener Faust auf der Bühne konnte nicht mehr aus dem übergroßen Schatten ihres Schöpfers treten. Das 1984 erschienene Werk „In The Long Grass“, das keine Hits mehr liefern konnte, sollte das letzte Album sein. Sir Bob Geldof produzierte daraufhin viele Solo-Platten und noch mehr Schlagzeilen.

Aus einer Laune heraus fanden die Rats dann 2013 doch wieder zusammen. Man spielte die alten Songs, veröffentlichte ein Best-of mit zwei neuen Kompositionen und es fühlte sich alles irgendwie wieder richtig an. Geldof empfindet es als „immense Freiheit“, wieder mit den drei verbliebenen Ur-Rats zu arbeiten.

Ein gelungenes Comeback

Doch Nostalgie und sich wiederholende Reunion-Shows waren nie Geldofs Sache, und auch nicht die seiner Kollegen Garry Roberts (Gitarre), Pete Briquette (Bass) und Simon Crowe (Schlagzeug). Und so erscheint anno 2020 mit „Citizens Of Boomtown“ tatsächlich ein vollwertiger neuer Langspieler, der all die Tugenden dieser immer noch sehr feinen Band auf einen Nenner bringt: kompakte Hymnen für die kleine Revolution zwischendurch! Oberste Prämisse des Vierers: Intuition und Instinkt gewähren lassen, spontane Ideen weiterentwickeln und sich einfach auch mal von der neu gefundenen Aufregung treiben lassen. Krach zusammen machen, der Gegenwart in den Arsch treten, die Vergangenheit pflegen, wenn nötig.

So wurde aus „Citizens Of Boomtown“ eine gelungene Parade von Zitaten der britischen Musikkultur. Zudem ergänzen die Iren ihre bewährten Mischung aus Post-Punk, Glam und Weltmusik partiell mit etwas mehr Elektronika. Das funktioniert etwa im forschen Stück „Get A Grip“ ganz gut; fast könnte man meinen, dass dort die Rolling Stones auf einem psychedelischen Rave gefangen gehalten wurden. Das eher maue Beatbox-Gebolze im Song „The Boomtown Rats“ hingegen, das bereits das erwähnte Best-of ein wenig verschandelte, hätte man indes getrost weglassen können. Macht nichts, denn „Citizens Of Boomtown“ hat durchaus mehr zu bieten.

Glam-Rock-Eskapaden („Here's A Postcard“, „Trash Glam Baby“) treffen auf digitalisierten 70er-Chartrock („K.I.S.S.“) und shuffeligem Elektro-Blues („Monster Monkeys“). Unter Mithilfe von Background-Sängerinnen und Stotter-Piano mausert sich das schunkelnde „Sweet Thing“ zur besten aus der Zeit gefallene Britpop-Hymne seit Ewigkeiten - und das schnörkellose „Rock 'N Roll Yé Yé“ kommt womöglich demnächst über das Formatradio, vielleicht irgendwann nach „I Love Rock'n'Roll“, aus dem Äther geschallt. Das einnehmende Powerpop-Perlchen „She Said No“ hätte seinerzeit auch dem jungen Joe Jackson gut gestanden, und wenn's dann mal sentimental sein darf, ist das zwischen frühem Elton John und spätem David Bowie changierende Lied „Passing Through“ ein willkommener Rausschmeißer. Ein gelungenes Comeback!

teleschau

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