Teho Teardo & Blixa Bargeld: Nerissimo

Schwarz, schwärzer, Nerissimo

Teho Teardo & Blixa Bargeld - Nerissimo

Sie sind Brüder im Geiste, Avantgardisten nördlich und südlich des Brenners. Teho Teardo und Blixa Bargeld lassen ihre Kunst abermals miteinander verschmelzen.

Sie tun es also wieder, die beiden "Schwarzmaler". Nach den eher irreführenden Titeln ihres vor drei Jahren erschienenen Longplayers "Still Smiling" und der nachfolgenden EP "Spring" benennen Teho Teardo und Blixa Bargeld ihr neues Opus nun treffend mit "Nerissimo", dem absoluten Superlativ für "Schwarz" im Italienischen. Und der Name ist Programm: Während sich im einleitenden Titelsong die Streicher gemächlich warm schwingen, stellt Blixa Bargeld pragmatisch fest: "I sing what I sing best: black". Natürlich seien auch "a lot of shadows in my repertoire". Und mit dem italienischen Soundtrack-Tüftler Teho Teardo weiß Autodidakt Bargeld wahrlich einen kongenialen Partner an seiner Seite.

In Moll klagende Streicher-Arrangements drapiert der Komponist um sonische Installationen für Holzblasinstrumente, Baritongitarre, verfremdete Glocken und Keyboard-Notizen ("Give Me"), die partiell aus diesem kammermusikalischen Avantgarde-Gebräu herauslugen dürfen. Das Hörgefühl betreffend ist "Nerissimo" oft gar nicht so weit entfernt von der Spätphase der Einstürzenden Neubauten, deren Vorsteher Blixa Bargeld sich mit Wonne in (s)eine emotionale Tour de Force stürzt.

Bargelds Dichtkunst, stets berührend und auf ihre verschrobene Weise genial, gräbt sich mit der gewohnt gleichwohl lakonischen wie hochsensibilisierten Sprechweise durch Teardos Sound-Suiten - Worte und Silben gehen eine sonderbare und äußerst zweckmäßige wie effiziente Partnerschaft ein. Im polyglotten Reigen aus (viel) Deutsch, (etwas) Englisch und ein wenig Italienisch fabuliert Blixa von der Illusion an sich, Philosophie, Sterblichkeit und Religion. Belesene Verkettungen von Satzfragmenten arbeiten sich bis zum Freestyle-Hörspiel ("Ulgae") vor und stützen die endlos emotionale Dramatik des wundervoll weichen "Animelle".

"Nerissimo" entstand in den Dunstkreisen von Rom und Berlin; urbanes, dynamisches Grau und die mediterrane Nacht verschmelzen auf diesem mitreißenden Kunstobjekt zur psychoakustischen Sound-Cineastik. In Bargelds Prosa und Teardos punktgenauer Klang-Syntax kann man sich gnadenlos verlieren. Doch glücklicherweise verschluckt die Schwärze den Hörer nicht, vielmehr umgarnt sie ihn mit Zärtlichkeit und Wärme.

Teho Teardo & Blixa Bargeld auf Tournee:

21.05.2016, Frankfurt, Mousonturm

06.06.2016, Berlin, Volksbühne

07.06.2016, Köln, Kulturkirche

08.06.2016, Hamburg, Uebel & Gefährlich

15.06.2016, München, Muffathalle

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