Sarah Lesch

Von rosa Elefanten und Säbelzahntigern

+
Voller Bilder sind Sarah Leschs zwölf neue Lieder: Die 34-Jährige singt von rosa Elefanten und Säbelzahntigern, aber auch von gesellschaftlichen Problemen.

Die Liedermacherin Sarah Lesch weiß, wie man Erlebnisse in Musik verpackt: Ihre Texte sind fantasievoll, tröstend, inspirierend, machen Mut - und wer aufmerksam zuhört, kann auch den ein oder anderen Denkanstoß mitnehmen.

Auf den ersten Blick wirkt es, als würde sie schrittweise vorgehen: Nach der im Sommer 2019 erschienenen EP „Den Einsamen zum Troste“ veröffentlicht Sarah Lesch nun das neue, inzwischen vierte Album „Der Einsamkeit zum Trotze“. Tatsächlich steckt eine interessante Entwicklung zwischen den beiden Werken. Als Lesch die ersten Songs produzierte, war sie nach eigener Aussage sehr einsam - Trost fand sie in ihren Liedern. Es gab dennoch eine Phase, in der sie hinschmeißen wollte - als sie genug davon hatte, während ihren Tourneen immer wieder alleine in Hotelzimmern zu sitzen. „Meine Einsamkeit hat mich sehr verbittert - und zum Trotz habe ich dann weitergemacht. Aufgeben war nie eine Option“, erklärt Lesch gegenüber der Agentur teleschau die Entstehung von „Der Einsamkeit zum Trotze“.

Ihre zwölf neuen Songs erzählen Geschichten, die berühren und nachdenklich stimmen, es zeitgleich aber auch schaffen, zu bestärken und Mut zuzusprechen. Mit poppigem Sprechgesang und mal langsamer, mal flotter Gitarrenbegleitung, sporadisch untermalt von Instrumenten wie Klavier, Akkordeon oder Schlagzeug, pickt die 34-Jährige mit der klaren Stimme alltägliche Situationen, Begegnungen und Konflikte aus ihrem Leben heraus, verwandelt diese mit scheinbarer Leichtigkeit in Bilder und dann mit ihrer lebendigen Sprache in Musik.

In dem Opener „Der rosa Elefant“ erzählt die Mutter eines Sohnes von einem rosa Elefanten am Esstisch, über den keiner redet - den alle sehen, der aber verschwiegen wird. In „Beute im Bauch“ singt sie über einen Säbelzahntiger, der ums Haus schleicht, wenn sie nicht schlafen kann. Über Vergänglichkeit philosophiert sie in „Osmotisches Herbstlied“: „Man wartet auf all diese großen Momente, und dann gehen die einfach vorbei - wie Achterbahnfahrten und Matheklausuren und Liebe und Frühstücksei. Sind wir denn nur auf dieser Welt als Zaungäste der Endlichkeit?“ In „Der Tag an dem die Flut kam“ stellt sie eine Verbindung zwischen überfluteten Kellern in der Gegenwart und dem Klimawandel in der Zukunft her. „Und wenn es stimmt, was alle sagen, dass die Polkappen schmelzen, dann wird wohl irgendwann das Festland ziemlich schmal. Ich schätze, der Keller war eine Übung für die Zeit, wenn es kritisch wird“, singt sie.

Leben wie eine Schnecke, um Schätze zu finden

Bei Sarah Lesch steht der Text im Vordergrund, die Musik verziert und unterstützt. Und das ist schon lange so: Die gelernte Erzieherin veröffentlichte 2012 ihr erstes Album „Lieder aus der schmutzigen Küche“, dann folgten „Von Musen und Matrosen“ (2015) und „Da draussen“ (2017). Sie ist bekannt für ihre bildhafte Sprache, ihre tiefgründigen Geschichten und ihre schonungslose Aufarbeitung von gesellschaftlichen Problemen. In ihrem bekanntesten Song „Testament“ (2016), mit dem sie den Protestsongcontest in Wien gewann und der bisher über sieben Millionen Klicks auf YouTube erreichte, sang sie über fünf Minuten lang über die Verrohung der Gesellschaft.

Das Leben hält viele Geschichten bereit - man muss sich nur die Zeit nehmen, diese zu entdecken. „Wenn man es schafft, den Alltag so zu leben wie eine Schnecke, dann findet man ganz automatisch viele kleine Schätze, aus denen man tolle Sachen zaubern kann.“ Sarah Lesch kann das. Und wer sich darauf einlässt, findet ab und an auch eine kleine Weisheit oder einen Ratschlag in ihren Texten. „Reden ist Silber, Schweigen ist feige“ („Der rosa Elefant“), „Gewissheit ist eh nicht verlässlich“ („Osmotisches Herbstlied“) - oder in „Der Einsamkeit zum Trotze“: „Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren, und die nächstbeste Zeit ist jetzt“.

teleschau

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare