Mit dem Blues durchs Leben schreiten

„Roll With The Punches“: Das 37. Van-Morrison-Album berührt

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Stilvoll wie eh und je: Van Morrison veröffentlicht mit „Roll With The Punches“ sein 37. Soloalbum.

Nimm die Dinge, wie sie kommen: Auf seinem 37. Album gibt sich Van Morrison ganz und gar der Lakonie und dem Blues hin.

Zuletzt forderte Van Morrison uns auf, ihn einfach singen zu lassen. Auf „Keep Me Singing“, seinem sage und schreibe 36. Soloalbum nach seinem Ausscheiden bei Them im Jahre 1966, zeigte sich der Songschreiber und Vokalist von seiner melancholischen Seite. In Harmonie(n) versunken, steuerte Morrison sein unverkennbares Organ durch ein Meer voller Gefühle. Nun wendet der 72-Jährige sich wieder den rauen Geschichten des Lebens zu. Sein Motto im Jahr 2017: „Roll With The Punches“. Immer den Schlägen ausweichen, und die Dinge so nehmen wie sie sind. Was würde sich für diese Maxime besser eignen als der Blues. Den hat Van Morrison schon ein halbes Jahrhundert lang vor sich her getrieben. Hat ihn gebogen, gestreichelt, mit ihm gerangelt, ihn inhaliert und wieder ausgespien.

Auf „Roll With The Punches“ verneigt sich der legendäre Liedermacher tief vor seinem Lieblingsgenre. Zwei Drittel der 15 Tracks stammen von Kollegen, denen Morrison hier ausgiebig huldigt. Von Lightnin' Hopkins („Automobile Blues“) über Bo Diddley („I Can Tell“, „Ride On Josephine“) und Mose Allison („Benediction“) bis T-Bone Walker („Mean Old World“, „Stormy Monday / Lonely Avenue“) reichen die Elogen auf „Roll With The Punches“. Der gemütlich dahershuffelnde Titelsong hingegen stammt vom Meister selbst.

Der Performer, der sich in der Öffentlichkeit meist mit Anzug, Hut und Sonnenbrille zeigt, erzählt auf „Roll With The Punches“ aus dem Leben, arbeitet sich durch die Songs, atmet ihren Spirit ein und lässt ihn durch seinen Körper und seine Seele rumpeln. Dass der mittlerweile zum Ritter Geschlagene das so galant bewerkstelligt, wie es sonst niemand könnte, ist fast schon selbstverständlich. Versierte Background-Chanteusen sowie eine fulminante Riege an Studio-Handwerkern wie Paul Jones, Georgie Fame, Chris Farlowe und Jason Rebello bereichern das Album zusätzlich.

In „Bring It On Home To Me“ aus der Feder von Sam Cooke zelebriert gar Jeff Beck sein gefühlvolles Spiel und kitzelt aus den Saiten die inzwischen legendären beckschen Gänsehautmomente. Morrison fordert seinen liebgewonnen Beisteher mit einem kumpelhaften „One More!“ auf, sein kunstvolles Spiel noch ein paar Sekunden in die Länge zu schmeicheln. Passt hervorragend zu Morrisons Piano-Output, das sich lakonisch in die Standards der Blues-Historie gräbt - nur einer von vielen berührenden Momenten auf dieser Platte.

teleschau

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