„Spontaneität ist ganz wichtig“

Jens Mahlstedt bei der „ReUnion“ im Shagall: Fünf Fragen an den „Loops & Tings“-DJ 

Jens Mahlstedt ist DJ, Musikproduzent und Komponist – und das seit mehr als 30 Jahren. Er schreibt Theatermusik, vertont experimentelle Modenschauen und lehrt dies an der Hochschule Hannover. Aus einer Sektlaune heraus kreierte der Bremer in den 90er-Jahren mit „Loops & Tings“ eine der bekanntesten Techno-Hymnen überhaupt. 

Dr. Motte bei der „ReUnion“ im Shagall: Fünf Fragen an die Techno-DJ-Legende

Als DJ war er auf der ganzen Welt gefragt. Heute kann man ihn nur noch auf ausgewählten Events am Plattenteller erleben. So auch bei der Techno-Reihe „ReUnion“ im Shagall. Dort legt er mit einem langjährigen Freund und Weggefährten auf: Steve Mason. 

nordbuzz: Von Ihnen stammt „Loops & Tings“ – eine der Techno-Hymne aus den 90er-Jahren. Es heißt, Sie haben den Leitfaden für Hits entdeckt? 

Jens Mahlstedt: Das war nicht geplant. Es ist wirklich einfach passiert. Ich glaube, man kann Hits auch nicht planen – die Leute merken, ob man es ernst meint oder nicht. „Loops & Tings“ ist die Platte, die tatsächlich durchgeknallt hat. Es existieren heute 150 oder mehr Versionen. Wir Autoren, also Gerret und ich, bekommen immer noch Remix-Anfragen dafür – die meisten lehnen wir ab. Die Hymne ist selbst ein Remix von dem Track gewesen, den wir ein Jahr vorher veröffentlicht hatten. Er ist damals aus einer Sektlaune in unserem Studio in Oldenburg entstanden. Wir haben versucht, alle Klischees, die damals in der Musik, auf den Raves und in House- und Techno-Clubs zu finden waren, in einen Titel reinzupacken. Das haben wir getan, haben eine Flasche Sekt zusammen getrunken, haben uns totgelacht – und dann das Ding veröffentlicht. Ich bin verreist, kam wieder und musste dann den Telefonstecker aus der Wand ziehen … (lacht) Das war eine witzige Zeit. Damals hatte Marusha noch grüne Augenbrauen!

„Auflegen ist eine spontane Geschichte, die über das pure Handwerk funktioniert“

nordbuzz: Wenn Sie bei der ReUnion im Shagall auflegen, stehen die goldenen Jahre des Techno im Vordergrund. Spiegelt sich das dann auch in Ihrem Set wider?

Mahlstedt: Ich bin kein Bäcker, der die drei Backformen mitbringt, die die Jahre 1990 bis 1997 beinhalten. Ich erwarte immer – egal, was man auch tut – einen gewissen Funken Aufgeschlossenheit. Es ist eine spontane Geschichte, die über das pure Handwerk funktioniert. Ich entscheide immer erst in der Sekunde, wenn sich das Vinyl dreht, was als Nächstes auf dem anderen Teller platziert wird. Spontaneität ist ganz wichtig – und vor allem ein Gespür dafür, was auf der Tanzfläche gerade passiert.

nordbuzz: Manch ein Gast im Shagall wird am Abend sicherlich mit Wehmut an die alten Zeiten zurückdenken, als man zu Ihren Hits abgefeiert hat.

Mahlstedt: Ich freue mich, wenn sich Leute noch daran erinnern. Ich persönlich gehöre nicht zu den Menschen, die wehmütig in die Vergangenheit schauen. Ich bin sehr daran interessiert, was heute passiert. Ich weiß, es gibt viele Leute, die sagen, früher war alles besser. Zu denen gehöre ich definitiv nicht. Das Leben besteht nicht aus Wiederholungen.

nordbuzz: Ein Freund aus Großbritannien wird am Abend auch vor Ort sein: Steve Mason, mit dem Sie viel zusammengearbeitet haben.

Mahlstedt: Es ist ein sehr guter Freund. Wir haben damals auf ähnlichen Partys gespielt. Wir gehörten zu den Kandidaten, die von London aus auf die Kontinente flogen, um auf irgendwelchen Raves und Partys aufzulegen. Steve legt kaum noch auf. Inzwischen gibt er Werkunterricht an einer kleinen Schule an der Südküste von England. Er macht jetzt auf mich einen viel zufriedeneren Eindruck.

nordbuzz: Legen Sie noch regelmäßig auf?

Mahlstedt: Ja, aber ich habe mittlerweile die Möglichkeit, mir auszusuchen, was ich mache. Ich entscheide mich immer ganz strikt dafür oder dagegen. So macht es Spaß.

Das „ReUnion“-Lineup im Shagall

Die ReUnion findet am Samstag, 22. Juli, ab 22 Uhr im Shagall statt. Zu Gast sind Jens Mahlstedt und Steve Mason. Bis Ende des Jahres legen im Rahmen der Reihe noch Acid Maria (12. August), Westbam (16. September), Jam (4. November) und Marusha (2. Dezember) auf. Bei den Veranstaltungen sind unter anderem die DJs Frithjof und Ricci dabei. Weitere Infos gibt es unter www.shagall.de.

Von Linda Bussmann

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